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  • 1951 Albert Schweitzer

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Zur ÜbersichtDer Preisträger 2003

Susan Sontag

Der Stiftungsrat des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hat Susan Sontag zur Trägerin des Preises im Jahr 2003 gewählt. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 12. Oktober 2003, in der Paulskirche statt. Die Laudatio hält Ivan Nagel.


Susan Sontag
© Annie Leibowitz

Begründung der Jury

Mit Susan Sontag ehren wir eine Schriftstellerin, deren erzählendes und essayistisches Werk den Begriff und den Wert der westlichen Kultur untersucht und verteidigt. Mit großer analytischer Schärfe hat sie seit den sechziger Jahren die Ausprägungen der dynamischen Alltagskultur und ihre Bedeutung für unsere Vorstellung von Modernität und Freiheit beschrieben.

Durch ihre Arbeit, die nie das europäische Erbe aus dem Blick verlor, ist sie zu der prominentesten intellektuellen Botschafterin zwischen den beiden Kontinenten geworden. In einer Welt der gefälschten Bilder und der verstümmelten Wahrheiten ist sie für die Würde des freien Denkens eingetreten.

Auch in dem letzten ihrer vielen auch in Deutschland einflussreichen Bücher, »Das Leiden anderer betrachten«, ist sie diesem unverrückbaren Ethos treu geblieben, als Zeugin einer immer noch von Kriegen heimgesuchten Epoche mutig und verantwortungsvoll auf dem Recht der Opfer zu beharren.

 

Chronik des Jahres 2003

US-Außenminister Powell beschuldigt Anfang Februar 2003 im UN-Sicherheitsrat den Irak, biologische und chemische Waffen zu besitzen und mit Al-Qaida zusammenzuarbeiten. US-Präsident Bush stellt dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein am 17. März ein zweitägiges Ultimatum, sein Land zu verlassen. Kurz darauf marschieren Soldaten aus Großbritannien und den USA in den Irak ein, Bagdad wird bis zur Besetzung durch US-amerikanische Truppen im April mit satellitengesteuerten Flugkörpern beschossen, die große Opfer auch unter der Zivilbevölkerung kosten. + + + Unter dem Titel »Agenda 2010« präsentiert Bundeskanzler Schröder im Bundestag ein Reformprogramm, das mit einer umfassenden Reform des Arbeitsmarktes und einem tiefgreifenden Umbau der Sozialsysteme dazu beitragen soll, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu sichern. + + + Der frühere FDP-Politiker Jürgen W. Möllemann stirbt Mitte Mai bei einem Fallschirmsprung. Es wird vermutet, dass Möllemann, der politisch stark angeschlagen und dessen Immunität wenige Stunden zuvor aufgehoben worden war, Suizid begangen hat. + + + Im Juni stellt der Chef der UN-Rüstungskontrollkommission, Hans Blix, fest, dass seine Mitarbeiter keine Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden haben. + + + Ende Juli läuft in Puebla / Mexiko der letzte VW-Käfer vom Band. + + + Mitte Dezember wird der flüchtige Saddam Hussein in der Nähe seiner Heimatstadt Tikrit festgenommen.

 

Biographie Susan Sontag

Susan Sontag wurde am 16. Januar 1933 in New York geboren. Schon als Schülerin literarisch ambitioniert, wurde sie 14-jährig bei Thomas Mann zum Tee eingeladen. Sie studierte an den Universitäten von Berkeley und Chicago, später an der Harvard University. Zu weiteren Studien hielt sie sich in Paris und Oxford auf.

Ihr Berufsweg begann 1959 als Mitherausgeberin der Zeitschrift »Commentary«. 1960 wechselte sie in die akademische Lehre und hielt in den 60er Jahren Vorlesungen in Englisch und Philosophie an verschiedenen amerikanischen Colleges und Universitäten. Nebenher arbeitete Susan Sontag als Schriftstellerin. Schon während des Studiums hatte Susan Sontag mit ihrem Mann, dem Soziologen Philip Rieff, an einer Studie über den Einfluss des Psychoanalytikers Sigmund Freud auf die moderne Kultur (»Freud: The Mind of the Moralist«) geschrieben, die das intellektuelle Amerika auf Susan Sontag aufmerksam machte. 1963 veröffentlichte sie mit »The Benefactor« (zu deutsch »Der Wohltäter«) ihren ersten Roman. Mehr Beachtung fanden ihre Essays, die ab 1962 in avantgardistischen Kunst- und Literaturzeitschriften erschienen. Breite Aufmerksamkeit wurde dem Essay »Notes on Camp« (1964) zuteil, in dem Sontag über die neue Sensibilität und die Kunst der Gegenwart nachdachte.

1967 erschien mit »Death Kit«" ihr zweiter Roman. 1968 nahm sie eine Einladung der nordvietnamesischen Regierung zu einem zweiwöchigen Aufenthalt an und schrieb darüber noch im gleichen Jahr den Reisebericht »Trip to Hanoi« (zu deutsch »Reise nach Hanoi«). Einige Kritiker hielten ihr eine starke Vereinfachung der politischen Problematik vor. Aber der Reisebericht unterstrich ihren Ruf, »Amerikas öffentliches Gewissen« zu sein, wie es das amerikanische Magazin »Time« formulierte.

Nach den Vietnam-Erlebnissen wandte sich Sontag dem Film zu. Ihr erster Film (Buch und Regie) entstand 1969 in Schweden mit dem Titel »Duet for Cannibals«, 1971 führte sie Regie bei »Zwillinge« (Brother Carl), 1974 stellte sie ihren Dokumentarfilm über den Yom-Kippur-Krieg unter dem Titel »Promised Lands« vor und musste in den USA den Vorwurf hinnehmen, zu propalästinensisch Stellung bezogen zu haben. 1973 zum Schreiben zurückgekehrt, verfasste sie Kurzgeschichten und Kritiken, die zumeist in der »New York Review of Books« erschienen, 1978 der Essay »Illness as Metaphor«. Viele Jahre später setzte sie sich in »Aids and its Metaphors« mit den gesellschaftlichen Reaktionen auf die Immunschwächekrankheit Aids auseinander.
Grosse Verdienste erwarb sie sich auch als Vermittlerin der europäischen, insbesondere der deutschen Literatur.

Eine erbitterte Kontroverse unter Amerikas linken Intellektuellen entfachte Sontag im Februar 1982, als sie nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen erklärte: »Communism is fascism – successful fascism, if you will.« 1989 organisierte sie einen beeindruckenden Protest US-Intellektueller gegen die Hetzkampagne Khomeinis gegen Salman Rushdie. 1993 reiste Sontag nach Sarajevo und inszenierte dort die bosnische Erstaufführung von Becketts »Warten auf Godot«.
Kurz vor ihrem 60. Geburtstag (1993) eroberte Sontag mit »The Volcano Lover« die US-Bestsellerlisten. Plagiatsvorwürfe begleiteten in den USA 2000 das Erscheinen ihres historischen Romans »In America«. Ungeachtet des öffentlichen Streits wurde sie für dieses Buch mit dem National Book Award ausgezeichnet.

Für Aufsehen sorgte Susan Sontag, als sie 2001 den Jerusalem-Preis entgegennahm und dies mit heftiger Kritik am Preisstifter, dem Staat Israel, und seiner Besatzungspolitik in den Palästinensergebieten verband. Während des 11. Septembers 2001 hielt sich Susan Sontag als Gast der American Academy in Berlin auf. In Interviews machte sie sich unter anderem Gedanken über die Opfer der amerikanischen Vergeltungspolitik. In ihrem neuesten Buch »Das Leiden anderer betrachten« (Ende August 2003 erschienen) beschäftigt sich Susan Sontag 25 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Essays »Über Fotografie« mit dem Thema Kriegsfotografie – über das Entsetzen, das Bilder hervorrufen und was es auslösen kann.

Susan Sontag ist am 28. Dezember 2004 gestorben.

 

Aus der Friedenspreisrede

Alle modernen Kriege, auch wenn ihre Motive die herkömmlichen sind, etwa das Streben nach territorialer Vergrößerung oder nach Aneignung knapper Ressourcen, werden als Zusammenstöße von Zivilisationen – als Kulturkriege – inszeniert, wobei jede Seite sich auf ein höheres Recht beruft und die andere Seite für barbarisch erklärt.

Der Feind ist unweigerlich eine Bedrohung ›unserer Lebensweise‹ – er ist ein Ungläubiger, ein Schänder, ein Beschmutzer, der höhere oder bessere Werte besudelt. Der derzeitige Krieg gegen die sehr reale Bedrohung, die vom militanten islamischen Fundamentalismus ausgeht, ist dafür ein besonders deutliches Beispiel. Bemerkenswert ist allerdings, dass die gleichen Formen von Geringschätzung in abgemilderter Form auch dem Antagonismus zwischen Europa und Amerika zugrunde liegen.

Man sollte sich in diesem Zusammenhang auch daran erinnern, dass, historisch betrachtet, die bösartigste antiamerikanische Rhetorik, die in Europa je zu hören war und die im Wesentlichen auf den Vorwurf hinauslief, Amerikaner seien Barbaren, nicht etwa von der sogenannten Linken, sondern von der extremen Rechten ausging. Sowohl Hitler als auch Franco ließen sich mehrfach über ein Amerika (und ein Weltjudentum) aus, das mit seinen niedrigen, auf nichts als Geschäftemacherei gerichteten Wertvorstellungen die europäische Kultur verderben wolle.

 

Laudator Ivan Nagel

Professor Ivan Nagel, 1931 in Budapest geboren, studierte in Paris und Heidelberg Germanistik, Philosophie und Soziologie, ab 1954 bei Adorno in Frankfurt. Von 1962 bis 1969 arbeitete er als Chefdramaturg an den Münchner Kammerspielen, von 1971 bis 1979 als Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Er begründete und leitete das Festival “Theater der Welt”. Als Theater- und Musikkritiker schrieb er für die “Süddeutsche Zeitung”, als Kulturkorrespondent in New York für die “FAZ”. 1983 und 1988 war er Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin.

Von 1989 bis 1996 lehrte Nagel als Professor für Geschichte und Ästhetik der darstellenden Künste an der Hochschule der Künste in Berlin. Er erhielt den Johann-Heinrich-Merck-Preis 1988, den Fritz-Kortner-Preis 1999, den Moses-Mendelssohn-Preis 2000 und den Ernst-Bloch-Preis 2003. Er verfasste Bücher über Mozart, Goya und über heutiges Theater sowie eine Reihe von “Streitschriften” zur Politik und Kulturpolitik.

Nagel lebt in Berlin und lehrt an der Central European University in Budapest.

 

Bibliographie von Susan Sontag

»Alice im Bett«
Aus dem Englischen von Wolfgang Wiens
Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 1991, 80 S., 13,00 €, ISBN 3-88661-123-x

»Camp«
Ein Versuch über Nijinsky, Sexfilme, Rosenkavalier, Jugendstillampen, David Bowie, Caravaggio, De Gaulle, Greta Garbo, Jesus, Oscar Wilde, Rokokokirchen – und mehr!
Herausgegeben von Armin Kratzert
Popa Verlag, Frankfurt am Main 1987
(vergriffen)

»Ich, etc. Erzählungen«
Aus dem Amerikanischen von Marianne Frisch
Carl Hanser Verlag, München 1979, 196 S., 14,90 €, ISBN 3-446-20426-1; Fischer Tb. 5240, Frankfurt/Main 4.Auflage 2003; 7,90 €, ISBN 3-596-25240-7

»Im Zeichen des Saturn« Essays.
Aus dem Amerikanischen von Werner Fuld, Karin Kersten, Kurt Neff, Mark W. Rien, Jörg Trobitius und Angela Wittmann-Hauser
Carl Hanser Verlag, München 1981, 208 S., 12,90 €, ISBN 3-446-20424-5; Fischer Tb. 6486, Frankfurt/Main 3.Auflage 2003 (vergriffen)

»In Amerika«
Aus dem Amerikanischen von Eike Schönfeld
Carl Hanser Verlag, München 2002, 480 S. (vergriffen); Fischer Tb. 15965; Frankfurt/Main 2005; 12,90 €, ISBN 3-596-15965-2

»Krankheit als Metapher« Aids und seine Metaphern.
Aus dem Amerikanischen von Karin Kerten und Caroline Neubaur sowie Holger Fliessbach
Carl Hanser Verlag, München 2003; 149 S.; 14,90 €; ISBN 3-446-20425-3; Fischer Tb. 16243; Frankfurt/Main 2005; 160 S., 9,90 €, ISBN 3-596-16243-2

»Kunst und Antikunst«
24 literarische Analysen
Deutsch von Mark W. Rien
Carl Hanser Verlag, München 1980, 318 S., 17,90 €; ISBN 3-446-20428-8; Fischer Tb. 6484, Frankfurt/Main 7.Auflage 2003, 384 S.; 9,90 €, ISBN 3-596-26484-7

»Das Leiden anderer betrachten«
Aus dem Amerikanischen von Reinhard Kaiser
Carl Hanser Verlag, München 2003, 152 S., 15,90 €, ISBN 3-446-20396-6; Fischer Tb. 16480; Frankfurt/Main 2005; 160 S., 9,90 €, ISBN 3-596-16480-x

»Der Liebhaber des Vulkans« Roman.
Aus dem Amerikanischen von Isabell Lorenz
Carl Hanser Verlag, München 1993, 552 S. (vergriffen); Fischer Tb., Frankfurt/Main 4.Auflage 2003; 560 S., 10,90 €, ISBN 3-596-10668-0

»So leben wir jetzt«
Aus dem Englischen von Karin Graf
Parkett Verlag 1991, ca. 32 S., 14,32 €, ISBN 3-907509-16-1

»Todesstation« Roman.
Mit einem Nachwort der Autorin zur deutschen Ausgabe
Aus dem Amerikanischen von Jörg Trobitius
Carl Hanser Verlag, München 1985, 376 Seiten
Dito. Fischer Taschenbuch 13794, zweite Auflage 2003

»Über Fotografie«
Aus dem Amerikanischen von Mark W. Rien und Gertrud Baruch
Carl Hanser Verlag, München Neuausgabe 2002, 186 S., 17,90 €, ISBN 3-446-20252-8; Fischer Tb. 3022, Frankfurt/Main 3.Auflage 2003, 384 S., 9,90 €; ISBN 3-596-13794-2

»Der Wohltäter« Roman.
Aus dem Amerikanischen von Louise Eisler-Fischer
Fischer Tb. 11414, Frankfurt/Main 3.Auflage 2003, 288 S., 8,90 €, ISBN 3-596-11414-4

»Worauf es ankommt «
Aus dem Englischen von Jörg Trobitius
Carl Hanser Verlag, München 2005, 464 S.,25,90 €, ISBN 3-446-16019-1

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