Die besondere Rolle der Ausbilder

Die betriebliche Ausbildung verändert sich: Junge Menschen wünschen sich immer mehr selbstbestimmtes und selbstorganisiertes Lernen und Arbeiten in flachen Hierarchien. Sei es die Organisation einer Lesung in der Buchhandlung oder die Durchführung von Social-Media-Aktionen – Auszubildende wollen vermehrt Verantwortung übernehmen und in Projekten arbeiten.

Dabei verändert sich auch die Rolle des Ausbilders: War er in seiner klassischen Rolle nur Unterweiser und erster Ansprechpartner für den Ablauf der Ausbildung, ist er heute Koordinator, Informationsgeber und Vertrauensperson der Auszubildenden. Er muss die betriebliche Ausbildung nicht nur planen, organisieren und koordinieren, er steht vielmehr den Auszubildenden als Begleiter und Unterstützer während ihrer Zeit im Betrieb zur Seite, erkennt Potentiale und fördert diese.

Dabei geht es nicht ohne Ausbilder, die in gewisser Weise auch Vorbilder für die jungen Menschen sind. Sie geben Orientierung – auch über den Ausbildungsalltag hinaus – und sind der Grundstein einer guten, qualifizierten und zufriedenstellenden Ausbildung in jedem Betrieb.

Rolle der Ausbilder

Was wünschen sich junge Menschen von ihrer Ausbildung?

Was aber erwarten junge Menschen eigentlich von ihrer eigenen Ausbildung? Auf was legen sie Wert und was ist ihnen wichtig? Eine Gruppe Auszubildender hat sich im Sommer 2015 am mediacampus frankfurt zusammen gefunden, Wünsche  an eine gute Ausbildung formuliert und an den Ausschuss für Berufsbildung herangetragen.

Dabei wurde deutlich, welch wichtige und besondere Rolle dem Ausbilder zukommt: Die Auszubildenden wünschen sich einen qualifizierten Ansprechpartner im Betrieb, der fest für die Ausbildung zuständig ist und regelmäßig Entwicklungsgespräche führt. Außerdem wünschen sie sich von ihm Zeit für die eigene Ausbildung und Transparenz im Ablauf der Ausbildung.

Selbstverständlich muss der Ausbilder sicherstellen, dass die Auszubildenden in jeder Station ihrer Ausbildung fachlich unterwiesen und in angemessener Weise gefordert und damit gefördert werden. Dazu braucht es in größeren Unternehmen Ausbildungsbeauftrage, die der Ausbilder anleiten muss.

Wollen sich Betriebe als attraktives Ausbildungsunternehmen positionieren besteht nun die Herausforderung auf die Forderungen der jungen Menschen einzugehen, diese umzusetzen und noch besser: an potentielle Auszubildende passgenau zu kommunizieren.

Doch wer übernimmt im Betrieb die Rolle des Ausbilders? Formal betrachtet fordert das Berufsbildungsgesetz von Ausbildern den Nachweis der fachlichen Eignung, zu der auch berufs- und arbeitspädagogische Fähigkeiten gehören, sowie das Ablegen der sog. AdA-Prüfung (Ausbildung der Ausbilder).

 

Procedere: Wege zur Ausbildungsbefähigung

Mit Bestehen der AdA-Prüfung (Ausbildung der Ausbilder) besitzt jeder „automatisch“ die Ausbildungsbefähigung. Eine Ausbildungsberechtigung bekommen nur die, die auch eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Studium vorweisen können und deren Ausbildungsbetrieb bei der zuständigen Kammer (z. B. IHK oder HWK sowie alle anderen Kammern) eingetragen ist. Nur wer beides, Ausbildungsbefähigung und Ausbildungsberechtigung, hat ist in Deutschland als Ausbilder/Ausbilderin anerkannt. Die Vorbereitung auf diese AdA-Prüfung obliegt den Prüflingen selbst. Sie können sich z.B.

  • berufsbegleitend (bspw. in Abendkursen oder ausschließlich online)
  • oder in Vollzeit (bspw. als Intensivkurs 4 Tage am Stück)

auf die Prüfung vorbereiten. Die Seite des Weiterbildungs-Informations-Systems listet alle Anbieter von Vorbereitungslehrgängen auf IHK-Prüfungen auf.

 

Voraussetzung für die AdA-Prüfung

Es gibt keine gesetzliche Voraussetzung für die Teilnahme an der AdA-Prüfung. Das Bestehen der AEVO berechtigt nicht automatisch zum Ausbilden: Verantwortlich ausbilden darf, wer die Ausbildereignungsprüfung (damit ist die berufs- und arbeitspädagogische Eignung gegeben) bestanden hat und die fachliche Kompetenz sowie persönliche Eignung nachweist. Die Berechtigung erteilt in Deutschland jeweils die zuständige IHK oder HWK als Genehmigungsbehörde.

 

Ablauf und Inhalte der Prüfung

Dem Ausbilder kommt bei der betrieblichen Ausbildungsplanung und –praxis eine Schlüsselrolle zu. Daher ist die theoretische Prüfung in vier Handlungsfelder aufgeteilt, die den zeitlichen Ablauf der Ausbildung widerspiegeln:

  • Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen
  • Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken
  • Ausbildung durchführen
  • Ausbildung abschließen

Der praktische Teil besteht aus einer Präsentation, einer Ausbildungssituation und einem Fachgespräch mit einer Dauer von insgesamt höchstens 30 Minuten: Der Prüfungsteilnehmer wählt dazu eine berufstypische Ausbildungssituation aus. Die Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation sind im Fachgespräch zu erläutern. Anstelle der Präsentation kann eine Ausbildungssituation auch praktisch durchgeführt werden.

Hinweise zur schriftlichen Prüfung

Hinweise zur praktischen Prüfung