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Presse-Information

Der Kinder- und Jugendbuchmarkt 2020: Große Auswahl, wenig Leser?

13.03.2009

Allianz der Leseförderer fordert für Kinder und Jugendliche besseren Zugang zu Büchern / E-Book wird wichtiger / Kein Harry Potter: Umsatz mit Kinder- und Jugendbüchern 2008 dennoch nur um  3,8 Prozent gesunken

„Um kompetente und souveräne Leser zu werden, brauchen Kinder jetzt und in Zukunft einen besseren Zugang zu Büchern – ob gedruckt oder digital“ – so lautet der zentrale Appell des Trendberichts Kinder- und Jugendbuch. Gefordert seien dabei vor allem Politik und Wirtschaft. Vorgestellt wurde der Trendbericht heute von der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj), dem Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ), der Stiftung Lesen und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels bei einer Pressekonferenz auf der Leipziger Buchmesse.

„Bücherlesen bildet. Diese Botschaft kommt in der Gesellschaft in den letzten Jahren immer stärker an, wird für die Zukunft aber auch immer wichtiger“, sagte Claudia Paul, Sprecherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. „Dazu tragen viele erfolgreiche Initiativen zur Leseförderung bei, wie beispielsweise der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels.“ Dieses Engagement spiegle sich auch im Markt für Kinder- und Jugendbücher wider, der sich derzeit auf sehr hohem Niveau bewege. „Auch ohne eine Harry Potter-Neuerscheinung ist der Umsatz kaum gefallen, das ist außergewöhnlich gut“, so Claudia Paul. Das Minus im Vergleich zu 2007 beträgt lediglich 3,8 Prozent, im Vorjahr war der Markt vor allem durch den Zauberlehrling noch um rund 24 Prozent angestiegen. Auch der Umsatz am Gesamtmarkt ist kaum gefallen - von 14,9 auf 14,6 Prozent; im Jahr 2006 betrug er lediglich 13 Prozent. Die Zahlen hat media control GfK International im Auftrag des Börsenvereins ermittelt.

E-Books als Chance der Leseförderung

Doch wie könnte die Situation auf dem Kinder und Jugendbuchmarkt im Jahr 2020 aussehen? Auf das E-Book als Chance der modernen Leseförderung setzt Klaus Willberg, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, in seinem Zukunftsszenario. „Die Nutzung vielfältigster Möglichkeiten der Rezeption von Inhalten wird in absehbarer Zukunft selbstverständlich sein“, sagte Klaus Willberg. Vor allem die jüngsten Leser würden zukünftig in Schule und Freizeit mit interaktiver Software arbeiten und auch belletristische Texte auf elektronischen Lesegeräten schmökern. Für die Verlage sei dies Chance und Herausforderung zugleich. „Wenn Kinder- und Jugendbuchverlage diese Chance nicht verpassen wollen, müssen sie ihre Geschäftsgrundlage heute ändern: vom Buchverlag zum Inhaltsverlag“, so seine Forderung.

Leseförderung als gesamtgesellschaftlicher Auftrag

Der Kreis der Leser wird bis zum Jahr 2020 zunehmend kleiner, die Auswahl an Kinder- und Jugendbüchern hingegen wächst, so die Prognose des Arbeitskreises für Jugendliteratur. „Orientierungshilfe wird deshalb immer wichtiger“, sagte Regina Pantos, Vorstands-vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur. „Das Angebot zu sichten, Bücher auszuwählen und jungen Lesern und ihren Eltern so Orientierung in der Vielfalt zu geben, ist ein Beitrag zur literarischen Bildung der Kinder“, sagte Regina Pantos. Diesen Beitrag werde der Arbeitskreis für Jugendliteratur auch künftig leisten. Das aber reiche nicht aus. Der Bildungsauftrag dürfe nicht nur von einzelnen Institutionen übernommen werden, er müsse auch von der Politik ernst genommen werden. Krisenbedingter Investitionsstopp und Reformstau im Bildungswesen bewirkten nicht nur einen wirtschaftlich bedeutsamen Fachkräftemangel, sondern auch einen Rückgang ausgewiesener Buchkäufer und Leser.

Infrastruktur für Lesekultur


„Die Kinder von heute sind die Eltern von morgen“, sagte Christoph Schäfer, Sprecher der Stiftung Lesen. Und diesen Kindern werde zu selten vorgelesen, das belegt eine 2007 erschienene Studie, in der 42 Prozent der Eltern sagten, dass sie ihren Kindern selten oder nie vorlesen würden. „Wenn sich unsere Bildungspolitik nicht radikal ändert, kennen deshalb in zehn Jahren nur wenige Kinder einen Klassiker wie Pipi Langstrumpf. Ein viel zu großer Teil der Kinder wird beim Thema Kinder- und Jugendbuch nicht mitreden können, weil bei ihnen die Lust am Lesen nicht geweckt wurde“, so Christoph Schäfer. Die Lust am Lesen zu wecken und so eine lebendige Lesekultur zu schaffen, sei zentrale Aufgabe von Politik und Gesellschaft. „Wir müssen die Infrastruktur dafür schaffen, dass alle Kinder eine Chance haben, kompetent und souverän Kinderbücher lesen zu können“, sagte Schäfer.

Die aktuellen Zahlen zum Kinder- und Jugendbuchmarkt sind im Internet als PDF-Download abrufbar.

Die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e.V. (avj) wurde 1950 mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit von Jugendbuchverlagen zur gemeinsamen Förderung der Kinder- und Jugendliteratur zu organisieren und die Interessen ihrer Mitglieder in der Öffentlichkeit und gegenüber Behörden, Institutionen und Verbänden zu vertreten. Derzeit gehören der avj rund 70 Mitgliedsverlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an.

Der Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. (AKJ) ist der 1955 gegründete Dachverband der Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland. Ihm gehören rund 40 Mitgliedsverbände und über 200 Einzelpersonen an; der AKJ wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in dessen Auftrag er jährlich den Deutschen Jugendliteraturpreis verleiht. Seit 2003 entscheidet neben Kritikern eine unabhängige bundesweite Jury aus Jugendlichen über einen eigenen Preis, den „Preis der Jugendjury“. Zu den zentralen Aufgaben des AKJ zählen die Förderung der Lesekultur in der Kinder- und Jugendbildung sowie Ausbau und Pflege internationaler Kontakte.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels engagiert sich für das Kulturgut Buch und das Lesen, für die Meinungsfreiheit und die kulturelle Vielfalt der Gesellschaft. Er wurde 1825 gegründet und vertritt die Interessen von rund 5.900 Verlagen, Buchhandlungen, Antiquariaten, Zwischenbuchhändlern und Verlagsvertretern. Der Börsenverein veranstaltet die Frankfurter Buchmesse und verleiht jährlich den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels sowie den Deutschen Buchpreis. Er organisiert Leseförderungswettbewerbe und engagiert sich für den UNESCO-Welttag des Buches.

Seit 1988 entwickelt die Stiftung Lesen zahlreiche Projekte, um das Lesen in der Medienkultur zu stärken. Traditionell steht die gemeinnützige Organisation unter der Schirmherrschaft der Bundespräsidenten. Zweck der Stiftung Lesen ist die Förderung von Buch, Zeitschrift und Zeitung in allen Bevölkerungskreisen sowie die Pflege und der Erhalt einer zeitgemäßen Lese- und Sprachkultur, nicht zuletzt in den neuen Medien. Dabei ist sie Plattform für die Verbindung von Wirtschaftsunternehmen mit modernen Formen der Leseförderung.




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