Basel II Buchhandel

BASEL II ist das Synonym für die „Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung“ des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht. Nach einem mehrjährigen Beratungsprozess und mehreren Konsultationspapieren wurde Basel II im Jahr 2003 verabschiedet und trat – nach der politischen Umsetzung der Richtlinien auf nationaler und EU-Ebene – zum 1. Januar 2007 offiziell in Kraft. Allerdings wenden die Banken bereits seit 2002 wesentliche Bestandteile der Vereinbarung praktisch an. Die wiederum leicht überarbeiteten Bestimmungen zu Basel III werden sukzessive ab 2014 eingeführt.

Die drei Säulen von Basel II

1. Säule: Eigenkapitalunterlegung

  • Eigenkapitalunterlegung nach Bewertung bankgeschäftlicher Risiken
  • Bemessung des Kreditrisikos durch interne und/oder externe Ratings (Bonitätsprüfung)

2. Säule: Aufsichtsrechtliche Überprüfungsverfahren

  • Überprüfung interner Rating- und Prüfungsverfahren
  • Erweiterte Eingriffsmöglichkeit durch die Bankenaufsicht

3. Säule: Marktdisziplin

  • Erhöhte Transparenz über Risikoprofil und Eigenkapitalausstattung
  • Erweiterte Veröffentlichungspflichten für Banken

Veränderte Kreditbedingungen nach Basel II

Wesentlich und für die Kreditvergabe und -bedingungen ausschlaggebend sind die neuen Regelungen zur Eigenkapitalunterlegung der Banken. Bisher mussten die Banken für jeden Kredit pauschal 8 % der Kredithöhe als Eigenkapital hinterlegen, unabhängig vom Risiko der Kreditvergabe. Nach BASEL II ist die Kreditvergabe nun risikoabhängig. Die Methode zur Messung des Risikos ist das Rating. Hierbei wird der Kreditnehmer einer genauen Bonitätsprüfung durch die Bank oder einen externen Gutachter (Ratingagentur) unterzogen, bewertet und in Rating-Kategorien eingestuft. Je nach Güte dieser Kategorie muss die Bank Eigenkapital vorhalten. In der Praxis orientieren sich die Kreditkosten ganz wesentlich an der Höhe der Eigen-kapitalunterlegung, d.h. je größer das Risiko der Kreditvergabe ist, desto teurer wird der Kredit.

Allerdings: Bei einem guten oder sehr guten Rating muss die Bank wesentlich weniger Eigenkapital vorhalten als bisher, d.h. die Kreditaufnahme wird in diesen Fällen grundsätzlich günstiger. Erleichterungen für den Mittelstand ergeben sich durch die Tatsache, dass kleine und mittelständische Unternehmen (bis 50 Mio € Umsatz bzw. Kreditaufnahme unter 1,0 Mio €) dem Privatkundensegment zugeordnet werden. In diesem Segment müssen die Banken deutlich weniger Eigenkapital vorhalten als bisher (etwa 6 %); gewährte Kredite werden dadurch für die Banken im allgemeinen günstiger. Im Grundsatz gilt daher: Ein positives (gutes) Rating erhöht nicht nur die Kreditchancen sondern senkt zudem die Kreditkosten.

Konsequenzen: Aktuelle Geschäfts- und Betriebskennzahlen und ein genauer Überblick über die geschäftliche und personelle Entwicklung des Unternehmens (Planzahlen) bilden die Bewertungskriterien für das Rating. Potenzielle Kreditnehmer sollten daher gezielt auf ein positives Rating hinarbeiten, d.h. eine fortlaufende Kontrolle und Verbesserung wesentlicher betrieblicher Kennzahlen (Eigenkapitalquote; Rentabilitätszahlen; Cashflow; Deckungsbeiträge) anstreben. Dies erhöht letztlich auch dauerhaft die Möglichkeiten der Selbsteinschätzung, des Benchmarking und des Controlling.

Basel III

Seit Anfang 2014 werden nach und nach die mit Basel III beschlossenen Regelungen umgesetzt. Basel III ist eine Weiterentwicklung von Basel II und Reaktion v.a. auf die weltweite Finanzkrise 2007/2008. Basel III enthält verbindliche Regelungen etwa zur Mindestkernkapitalrate von Banken, zur Stärkung von antizyklischen Puffern, zur Vermeidung systemischer Risiken und zu Verschuldungsgrenzen von Banken (Leverage Ratio). Insgesamt zielt das Regelwerk darauf ab, zyklische Risiken und v.a. Auswirkungen relevanter (Finanz-)Krisen international zu minimieren und so auch negative Effekte für Kreditnehmer zu vermeiden.

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