Kultur stiftet Identität

Die Auseinandersetzungen um Preisbindung und Urheberrecht, die Verteilungsgefechte und Konzentrationsprozesse am Markt haben die wirtschaftliche Bedeutung des Buches stark betont. Wenngleich es bei diesen Kampf- und Schauplätzen immer und vor allem um kulturelle Vielfalt geht, die bedroht war und immer noch ist.
Wo sich Wirtschaft und Kultur durchdringen, gehen leicht die Konturen verloren. So hat sich im öffentlichen Bewusstsein, vielleicht auch bei einem Teil der Büchermenschen, das Bild vom Börsenverein als Wirtschaftsverband festgesetzt. Beeinflust auch von der allgemeinen Ökonomisierung des Lebens. Was dabei schwindet, ist dieser schwer fassbare, mysteriöse Rest, den man Identität nennt.

Wenn sich der Börsenverein jetzt wieder auf seinen kulturpolitischen Auftrag besinnt, also den Raum und die Rolle seiner Kulturarbeit herausstellt, besinnt er sich auf seine Identität stiftende Grundlage. Kultur ist kein nettes Begleitprogramm, sondern Ressource menschlicher Kreativität. Und "Bücher bewegen Ideen, sind unverzichtbar für die Entwicklung unserer Gesellschaft und deren ideale", wie es im Leitbild des Börsenvereins heißt.

Das Kulturgut buch als Leitmedium zu bewahren, sich für Meinungsfreiheit und kulturelle Vielfalt einzusetzen, die Rechte der Autoren zu stärken, Lesekompetenz und Buchkultur zu fördern: Dies sind für den verband dauerhafte Aufgaben und keine bloßen Lippenbekenntnisse. Friedenspreis, Buchmessen, gemeinsame Aktionen mit Autorenverbänden, neue Wettbewerbe wie "Ohr liest mit", der Deutsche Buchpreis und viele Projekte mehr zeigen es.

Dr. Gottfried Honnefelder
Vorsteher

in: Worte wirken, Kulturbroschüre des Börsenvereins, 2006