Welchen Beitrag leisten Verlage für die Forschung und Bildung?

Verlage treiben die Forschung voran. Sie machen Ergebnisse wissenschaftlichen Arbeitens einer breiteren Öffentlichkeit bzw. für die gesamte Zielgruppe eines Fachgebiets zugänglich und ermöglichen auf diese Weise, dass ein wissenschaftlicher Diskurs überhaupt entsteht.

Die Veröffentlichung in einem Verlag ist für den Kreis der Nutzer ein Qualitätssiegel: "Jeder Forscher und Lehrer ist darauf angewiesen, dass er die Erkenntnisse anderer Wissenschaftler zügig, wohlstrukturiert und möglichst versehen mit Signalen ihrer Relevanz zur Kenntnis nehmen kann", so der Wissenschaftsverleger Georg Siebeck in seinem Beitrag "Was Verlage für Wissenschaft tun, von A-Z" (erschienen in "Wissenschaft und Kultur in Bibliotheken, Museen und Archiven", K.G.Saur Verlag 2005 pdf ). Für den Autor ist die Veröffentlichung zugleich ein Nachweisinstrument seiner wissenschaftlichen Leistung; die Zahl, Form und Art der Veröffentlichungen hat einen beträchtlichen Einfluss auf die berufliche Karriere eines Wissenschaftlers.

Mit ihrer klaren programmatischen Ausrichtung sorgen Verlage dafür, dass verstreute Forschungsergebnisse zusammengeführt, die Entwicklung auf einem Fachgebiet kontinuierlich dargestellt wird. Sie geben den Anstoß für wissenschaftliche Forschungsprojeke, die in umfangreichen und langfristigen Publikationsvorhaben münden können, die ein Autor alleine womöglich nicht in Angriff genommen hätte. Sie begleiten den Autor bei diesen Vorhaben. Verlage sind somit auch Impulsgeber für die Wissenschaft.

Verlage leisten einen erheblichen Beitrag für die Lehre: "Thematisch zusammengestellte Studienbücher (auch reader genannt) können, wenn sie engagiert gemacht sind, als eine der wichtigsten verlegerischen Aufgaben gelten. Die gelungenen Bände dieses Genres versammeln die weltweit wichtigsten Autoren mit Beiträgen zu einem zentralen Thema. Dabei sind die Beiträge teils eigens für den Band geschrieben, teils aus anderen schwerer erreichbaren Quellen gehoben. Die konzeptionelle Gestaltung eines solchen Bandes kann nur durch einen erfahrenen Fachmann geleistet werden, denn seine Aufgabe ist nicht zuletzt, die verschiedenen Ansätze zu gewichten und das jeweils Besondere für den Leser herauszuarbeiten. Solche Bände bieten Anregung für Universitätsseminare (und sind meist auch schon unter diesem Blickpunkt konzipiert)", betont der Verleger Vittorio E. Klostermann.

Verlage sind wesentliche Partner im Bereich der Bildung. Sie setzen die in den Lehrplänen der Bundesländer formulierten Ziele für den Wissenserwerb um: in methodisch-didaktisch aufbereitete Unterrichtseinheiten, in Anleitungen für den Unterricht, Arbeitspapiere, Übungsaufgaben. Im föderalistischen System der Bundesrepublik fällt die Bildung in den Aufgaben- und Zuständigkeitsbereich der Bundesländer. In der Praxis heißt das, dass beispielsweise Schulbuchverlage ein Lehrbuch für einen bestimmten Schultyp, eine bestimmte Schulstufe und ein bestimmtes Fach, jeweils den Vorstellungen der Kultusministerien der einzelnen Bundesländer anpassen müssen. Ehe sie im Unterricht eingesetzt werden können, durchlaufen Schulbücher Prüfverfahren in jedem Bundesland. Verlage erbringen große finanzielle Vorleistungen für die Entwicklung von Schulbüchern und die spezifischen Adaptionen - ohne sicher zu wissen, ob sie für den Unterricht zugelassen werden. Insbesondere Schulbuchverlage haben sich auf unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten eingestellt und Material für das individuelle Lernen entwickelt. Sie investieren in die Erzeugung von Multimedia-Produkten, die über unterschiedliche Ebenen einen Zugang zum Wissen vermitteln und interaktives Handeln fordern wie fördern. Schulbücher und weitere Materialien für den Unterricht und das Lernen sind Grundpfeiler in unserem Bildungssystem.