Schulbuch- und Bildungsverlage

Rund 80 Schulbuch- und Bildungsverlage versorgen in Deutschland derzeit rund 12 Millionen Schüler und etwa 700.000 Lehrerinnen und Lehrer, viele Lerner in der Erwachsenenbildung und alle Studenten der Erziehungswissenschaften mit Schulbüchern, Unterrichtsmaterialien, Studienbüchern, Literatur für die berufliche Bildung und etlichem mehr. Das Gesamtangebot dieser Verlagssparte umfasst auch zahlreiche digitale Angebote – von Lernsoftware über Downloads bis zu Online-Portalen für das Lehren & Lernen. Der Oberbegriff für diese Angebote ist Bildungsmedien. Das Gesamttitelangebot für in den Schulen verwendete Bücher liegt bei rund 45.000. Jährlich erscheinen über 3.000 neue Titel für den Bildungsbereich.

Was Schulbuchverlage leisten - lesen Sie dazu das Statement des Verbands der Schulbuchverlage, VdS Bildungsmedien:

Schulbücher – immer für einen eng definierten Zweck

Bei Bildungsmedien handelt es sich um sehr spezielle, sehr differenzierte und sehr komplexe Verlagsangebote, die für einen ganz speziellen Lernzweck und für ganz bestimmte Lernergruppen entwickelt werden. Zunächst einmal werden sie für bestimmte Bundesländer und für die dort existierenden Schulstrukturen und Bildungspläne oder Kerncurricula entwickelt: In Sachsen gibt es die Mittelschule (eine Kombination aus Haupt- und Realschule), in Hessen dagegen getrennte Haupt- und Realschulen. In Berlin dauert die Grundschule 6 Jahre, in Baden-Württemberg 4. Da sich die Strukturen und pädagogischen Vorstellungen (die in Bildungs- und Lehrplänen formuliert werden) der Bundesländer gravierend voneinander unterscheiden, müssen konsequenterweise Länder- oder Regionalausgaben entwickelt und produziert werden. Denn: Mathematik in Bayern ist nicht gleich Mathematik in Schleswig-Holstein. Und die Hauptschule in NRW hat ein anderes Konzept als die Hauptschule in Baden-Württemberg. Dann beziehen sich Schulbücher und Bildungsmedien verständlicherweise auf unterschiedliche Schularten, bestimmte Jahrgänge, Fächer oder Fächerkombinationen, über 400 Ausbildungsberufe und etliche Berufsfelder - mit höchst unterschiedlichen Größen der Lernergruppen: Wenn in Bayern etwa 29.000 Schüler in der gymnasialen Oberstufe Englisch in der 11. Klasse lernen, sind es in Bremen gerade mal 2.500. Und den 9.200 Lateinschülern in der 11. Klasse Gymnasium in Baden-Württemberg stehen 771 in Mecklenburg-Vorpommern gegenüber. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass es keinen bundesweiten Markt für Bildungsmedien gibt, sondern sehr uneinheitliche, kleinteilige „Märktchen“, die sich auf Altersgruppen, Schulstrukturen und Fächer beziehen.

Schulbücher sind fein abgestimmte Medienbaukästen

Schulbücher sind heute nicht mehr – von Ausnahmefällen abgesehen – „alleinstehende“ Lehrwerke, sondern ein auf den Lernzweck fein abgestimmter „Medienbaukasten“, aus dem sich Lehrer wie Schüler bedienen. Zu einem Lehrwerk gehören i. d. R. Arbeitshefte, oftmals jetzt auch eine beigelegte CD mit weiterführenden oder vertiefenden Lerninhalten, bei Sprachwerken Grammatikhefte und Wörterbücher, bei naturwissenschaftlichen Werken auch Tabellen- oder Formelhefte etc. In fast allen Fächern sind Schulbücher in „Reihen“ angelegt, die den Jahrgangsstufen folgen. Damit soll der in den Bildungsplänen und Kerncurricula der Kultusministerien festgelegte Lernfortschritt erreicht werden. Das einzelne Schulbuch ist so nur Bestandteil eines die ganze Schulstufe umfassenden Gesamtkonzeptes.

Schulbücher sind in gewissem Sinn „Auftragsarbeiten“ für die Kultusministerien und die Schulen. Als das Leitmedium im Unterricht sind sie neben der Lehrerfortbildung das wichtigste Instrument zur Popularisierung von neuen Unterrichtszielen und Bildungsreformen. Deswegen unterliegen sie einem Zulassungsverfahren, das überprüft, ob diese Ziele auch erreicht werden. Die Lehrpläne und Kerncurricula formulieren diese Ziele, den Weg zur kompetenten Umsetzung in eine erfolgreiche Unterrichtspraxis müssen die Autoren und Verlage finden.

Neben der Abstimmung auf die Lehrpläne oder Kerncurricula haben die Verlage bei der Konzeption auch den aktuellen Stand der fachwissenschaftlichen Diskussion mit in die Schulbuchkonzeption einzubringen. Die Inhalte von Schulbüchern müssen „stimmen“, da sich darauf eine ganze Generation verlassen muss. Insofern ist es wenig überraschend, dass Schulbuchredakteure sowohl über eine gute fachwissenschaftliche wie auch eine exzellente pädagogische Ausbildung verfügen müssen.

Für die neuen Lehrwerke entwickeln die Autoren in enger Zusammenarbeit mit den Fachredaktionen der Schulbuchverlage ein „didaktisches Konzept“, das festlegt, welche Themen in dem Werk aufgenommen werden, in welcher Reihenfolge und mit welchem Gewicht diese Themen behandelt werden, ob und wie Schwerpunktsetzungen erfolgen, in welcher Form neue Themen in den Unterricht eingeführt werden, mit welchem Schwierigkeitsgrad das Verständnis der Schüler gefordert wird, in welchem Rhythmus der Lernfortschritt vorangetrieben wird.

Parallel dazu wird in Absprache zwischen Autoren und der Verlagsredaktion ein „Designkonzept“ erstellt, das u. a. die Zahl der zu entwickelnden Medien, die Anordnung der Text-/Bildelemente zu einem „funktionierenden“ Seitenlayout, die Darstellungsform von Formeln, Aufgaben, Versuchen, Grafiken, Tabellen etc., Schriftgröße und Zeilenabstand, die farbliche Grundgestaltung sowie sämtliche sonstigen äußerlichen Merkmale festlegt.

Das „Designkonzept“ muss mit dem „didaktischen Konzept“ eine Einheit bilden: Der Inhalt wird von den Verlagen so aufbereitet, dass er sich in das Designkonzept einfügt, das Designkonzept gestaltet er so, dass es den Inhalten genügend Raum gibt und die Vermittlung der Inhalte fördert.

Hat der Verlag das neue Werk entwickelt und produziert, muss der Verlag es in spezielle Zulassungsverfahren der Bundesländer geben - nur die Werke, die von dem jeweiligen Kultusministerium als Schulbuch zugelassen werden, können für den Unterricht angeschafft werden. Nur diese Werke können also erfolgreich auf den Regionalmärkten abgesetzt werden.

Darüber hinaus werden wichtige neue Lehrwerkreihen von den Verlagen noch in der Entwicklungsphase in ausgewählten Schulen auf ihre Praxistauglichkeit getestet. Mit diesem aufwändigen Verfahren werden die neuen Lehrwerke frühzeitig auf die Bedürfnisse der Lehrer abgestimmt. Sie sichern so den Erfolg eines Lehrwerkes.

Sind diese Hürden geschafft, wird das weitere mediale Zusatzangebot weiterentwickelt und vervollständigt: Die Bildungsverlage bieten dann sehr spezielle Arbeitshefte an, die auf einzelne Themen des Lehrplanes eingehen (in den Fremdsprachen z.B. Grammatiktrainer) und die z.B. helfen, Lerndefizite auszugleichen oder Lernerfolge zu festigen. Hierzu gehören auch multimediale Angebote, mit denen die Schüler zu Hause weiter üben können. Oder Prüfungsbücher, mit denen sich Auszubildende auf ihre Zwischen- und Abschlussprüfungen vorbereiten können. Für die weitere Unterrichtsgestaltung stellen die Verlage zusätzlich Transparente, Arbeitsfolien und CD-ROMs usf. her. Last but not least entwickeln die Verlage ausgesprochen umfangreiche Lehrerkommentare, die den Pädagogen die Konzeption bestimmter Unterrichtsvorhaben und dessen Umsetzbarkeit in konkretes pädagogisches Handeln erläutern und ermöglichen.

Die Verlage als Lehrerfortbildner

Während die Bundesländer sich nach und nach aus der Lehrerfortbildung zurückziehen, übernehmen mehr und mehr die Bildungsverlage diese Aufgabe: Sie bieten jährlich über 6000 Fortbildungsveranstaltungen auf Bildungsmessen, Fachkongressen oder direkt vor Ort an, auf denen sie eine Vielzahl von Lehrerinnen und Lehrern durch kompetente Mitarbeiter weiterbilden. Dabei steht immer die Verbesserung des Unterrichts durch kompetenten Medieneinsatz im Zentrum.

Die Schulbuchverlage leisten enorme Investitionen für die Entwicklung neuer und für die Aktualisierung und Überarbeitung bestehender Lehrwerke – und dies in kleinen Regionalmärkten in einer großen Wettbewerbssituation. Die Verlage tragen nicht nur das Risiko für die gesamten Entwicklungs- und Herstellungskosten eines neuen Werkes. Weil das Schulbuchgeschäft eine Saisongeschäft ist, das zu 80 % in den Sommermonaten getätigt wird, müssen sie nicht nur die Buchentwicklung, sondern auch das Geschäft selbst über einen großen Zeitraum vorfinanzieren. Der Aufwand dafür geht in die Millionen.

Die Verlage als Dienstleister der Schulen

Das übergeordnete Ziel dieser umfassenden Arbeit der Schulbuch- und Bildungsverlage ist, das Lehren und Lernen in den Schulen wie in den Einrichtungen der Weiterbildung ständig zu verbessern, damit jede Schülerin und jeder Schüler – gleich ob jung oder erwachsen – die bestmögliche Bildung erhalten kann. In diesem Sinne stellen die Schulbuch- und Bildungsverlage tatsächliche „Kompetenzzentren“ dar, die mit ihren Mitarbeitern, Autoren und externen Fachleuten sachkundig und kreativ an einem ganz wesentlichen Bildungsprozess wirken: nämlich am Transfer, an der Vermittlung von Wissen und Bildung. Sie leisten diese Arbeit heute in einer Zeit einer umfassenden, anhaltenden und komplexen Bildungsreform, die sich anschickt, das Lehren und Lernen des 21. Jahrhunderts zu definieren.

Weitere Informationen siehen Sie unter www.vds-bildungsmedien.de