Anja Gärtig (peniope - anja gärtig Verlag)

Warum gehen wir alle in den Supermarkt? Wir könnten uns doch genauso gut im Garten eine Kuh halten, sie jeden Morgen melken und unseren Frühstücksjoghurt selbst herstellen. Natürlich ist diese Idee geradezu lächerlich - zur Selbstversorgung würden wir uns doch erst gezwungen sehen, wenn die Preise im Supermarkt exorbitant stiegen.

Mit dieser Situation sind besonders die Wissenschaftler im STM-Bereich geschlagen. Ein Professor der Mathematik formuliert es treffend so:

"Wissenschaftler schreiben den Inhalt, sie haben Formatierungswerkzeuge wie TeX entwickelt und liefern eine druckfertige Vorlage, sie übernehmen kostenlos das Peer Reviewing, geben den Inhalt umsonst an Verlage ab und kaufen ihn dann für einen unglaublich hohen Betrag zurück."

Es ist also kein Wunder, wenn der Staat unter diesen Voraussetzungen die Bibliotheks-Etats entlasten und mit § 52b des Zweiten Korbs der Urheberrechtsnovelle Bibliotheken und ähnlichen Einrichtungen die Möglichkeit eröffnen will, ihren Nutzern Texte online zur Verfügung zu stellen, obwohl sie das urheberrechtlich geschützte Werk überhaupt nicht in ihrem Bestand führen. Mit diesem Rundumschlag wird der Gesetzgeber natürlich nicht nur die "schwarzen Schafe" der Branche treffen, sondern zuallererst all jene Verlage, die sich um eine ehrliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern bemühen.

So unterstützt peniope die "Deutsche Mathematiker-Vereinigung" schon seit einigen Jahren bei der Herstellung und dem Vertrieb der Zeitschrift "Documenta Mathematica". Was zuvor in Eigenregie von einem Universitätsinstitut abgewickelt wurde, übernimmt nun der Verlag; durch das Verlags-Know-How konnten die Druckkosten um ein Vielfaches gesenkt und die Abonnenten-Verwaltung sowie der Vertrieb effizienter gestaltet werden.

Wir erleben es immer wieder, dass sich Wissenschaftler mit ihren Publikationsideen an Verlage wenden, es vielleicht schon im Selbstverlag versucht und festgestellt haben, dass Bücher eben nicht nur gedruckt und verteilt werden müssen. Und bis jetzt war die Mehrheit der Wissenschaftler sehr zufrieden damit, dass es noch Verlage gibt, die ihnen kompetente Unterstützung in genau dem Maß bieten, in dem sie sie benötigen. Doch dies könnte nun bald schon der Vergangenheit angehören ...