Wulf D. v. Lucius (Verlag Lucius & Lucius)

"Verlage stehen als Wirtschaftsunternehmen im Wettbewerb, ganz besonders auch auf der Beschaffungsseite, d.h. der Gewinnung von Autoren.

Dass sie da nicht ganz schlecht arbeiten, zeigt sich an dem permanenten Zustrom von Manuskripten, und das oft über viele Jahre, immer wieder. Die Autoren also sind zu sehr großen Teilen mit der Verlagsleistung (ob in Projektentwicklung, Herstellungsbetreuung, Marketing, Rechteverwaltung usw.) voll zufrieden.

Nicht zufrieden mit den Verlagen sind klamme Finanzpolitiker und einige Funktionäre im Bibliotheks- und Wissenschaftsbereich, die die Kosten der Literaturversorgung gerne ersparen würden.

Da die Autoren da in freier Entscheidung nicht mitspielen (s.o.), hat man sich ein hübsches Räderwerk von Zwangsmaßnahmen ausgedacht: Den Autoren soll per Dienstvertrag vorgeschrieben werden, wohin sie ihre Manuskripte geben sollen, nämlich ihren öffentlich-rechtlichen Arbeitgebern, und flankierend werden neue gesetzliche Regelungen zur freien, quasi kostenlosen Digitalisierung und nahezu beliebigen Verwendung der Inhalte geschneidert. Eine Milchmädchenrechnung ist nichts gegen diese naive Hoffnung, derart wesentlich Kosten zu sparen. Ob etwa Effizienzunterschiede in der Leistungserbringung sogar das Gegenteil bewirken könnten?

Aber etwas anderes ist noch viel gravierender: Vom Wettbewerb der Informationsanbieter, der sehr im Interesse der Autoren liegt, haben sich diese staatsgläubigen Sprecher eines so genannten "Bündnis Urheberrecht für Kultur und Wissenschaft" gleich auch noch verabschiedet. Wann werden die Autoren gegen eine derart krasse Bevormundung und Enteignung aufstehen?"