FAQ erster Entwurf (Oktober 2009)

1. Worum geht es in dem Rechtsstreit der amerikanischen Autoren und Verleger gegen Google?

Seit dem Jahr 2004 scannt Google die kompletten Buchbestände von einigen der größten amerikanischen Bibliotheken. Dabei erhalten die Bibliotheken eine Kopie jeder Buchdatei für interne Zwecke, während Google die entstehenden Scans für sein Programm „Google Buchsuche“ verwendet. Auf diese Weise sind bislang in den USA über 7 Millionen Bücher digitalisiert worden. Gut 6 Millionen dieser Bücher sind urheberrechtlich geschützt, darunter auch etwa 100.000 deutschsprachige Bücher.

Da sich diese Massendigitalisierungen auch und gerade auf urheberrechtlich geschützte Bücher beziehen, aben die amerikanischen Autoren- und Verlegerverbände Klage gegen Google und die Bibliotheken erhoben. Dabei haben sie vorgetragen, dass Google die Urheberrechte von Autoren, Verlagen und anderen Berechtigten verletzt, indem es die Bücher digitalisiert, eine elektronische Buchdatenbank schafft, diese per Volltextsuche durchsuchbar macht und den Google-Nutzern kurze Ausschnitte der Bücher („snippets“) ohne Zustimmung der Berechtigten anzeigt.

Google und die Bibliotheken haben eine Urheberrechtsverletzung in Abrede gestellt. Sie haben sich darauf berufen, dass die Digitalisierung der Buchbestände von und für Bibliotheken ein nach US-Urheberrecht zulässiger „fair use“ sei. Die von Google angezeigten Snippets seien für sich gesehen urheberrechtlich nicht schutzfähig, so dass nicht in die Rechte von Autoren und Verlage eingegriffen werde.

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2. Wie hat sich das Verfahren entwickelt?

Für ihr rechtliches Vorgehen haben Verlage und Autoren verschiedene Wege gewählt. Der amerikanische Verlegerverband AAP hat eine Musterklage von fünf großen Verlagen (McGraw-Hill, Pearson, Penguin, Simon & Schuster, John Wiley) unterstützt, die sich gegen die Digitalisierung von Titeln dieser Verlage richtete. Demgegenüber hat sich die Autorengewerkschaft Authors Guild gegen test cases einzelner Autoren entschieden und stattdessen eine so genannte class action begonnen. Aufgrund der spezifischen Natur dieses Rechtsmittels sah sich der Verlegerverband gezwungen, der class action de facto beizutreten und sich an den Verhandlungen zu beteiligen, die jetzt in den gemeinsam mit Google eingereichten Vergleichsvorschlag an das zuständige Gericht mündeten. Eine rechtskräftige Entscheidung der beiden angestrengten Gerichtsverfahren wäre u.a. aufgrund des Umfangs der Akten (über eine Million Seiten) erst nach jahrelanger Prozessdauer und entsprechend hohen Kosten erreichbar gewesen.

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3. Welche Besonderheiten sind mit einer class action für die deutschen Verlage verbunden?

Eine class action ist eine dem deutschen Zivilprozessrecht unbekannte Verfahrensart, die sich nur unzureichend mit „Sammelklage“ bzw. „Gruppenklage“ übersetzen lässt. Mit einer class action können mit Geltung für die ganze USA Rechts- und Tatsachenfragen, die eine Vielzahl von Geschädigten betreffen, insgesamt und für alle einheitlich geklärt werden. Dabei ist diese Klärung für alle Gruppenmitglieder bindend, und zwar ausdrücklich auch für diejenigen, die selbst nicht am Prozess beteiligt waren bzw. von dessen Existenz nichts wussten. Class actions sind besonders teure Prozesse und enden häufig mit einem Vergleich, da das Kostenrisiko für die Betroffenen extrem hoch ist. (Im ausgehandelten Vergleichsvorschlag hat sich Google zur Zahlung von Verfahrenskosten in Höhe von 30 Millionen US$ verpflichtet.)

Die durch die Authors Guild erfolgte Entscheidung für eine class action hat zur Folge, dass die amerikanischen Autoren und Verleger das Verfahren gegen Google mit direkter rechtlicher Wirkung für alle nicht-amerikanischen Urheber und Verlage geführt haben, deren Rechte durch die Massendigitalisierung der Buchbestände amerikanischer Bibliotheken betroffen sind. Die deutschen Verlage profitieren – aus Sicht des amerikanischen Rechts - insofern von dem Verfahren, als sie bei Nachweis ihrer Zugehörigkeit zu der class nicht mehr individuell gegen die Verletzung ihrer Urheberrechte durch die Digitalisierungen klagen müssen. Ihnen wird – aus Sicht des deutschen Rechts – durch die Beendigung einer class action mit einem Vergleich aber zugleich ohne ihr Wissen und ohne Möglichkeit der Einflussnahme für das Gebiet der USA eine bestimmte rechtliche Gestaltung faktisch aufgezwungen. Insbesondere dann, wenn sich diese Verlage um einen solchen Vorgang nicht kümmern, geben die Class Representatives im Rahmen eines verfahrensbeendenden Vergleichs Willenserklärungen ab, die für alle deutschen Verlage bindend werden.

Allerdings erlaubt das US-Recht bei der class action das sog. opting-out, d.h. den Austritt von Betroffenen aus der class, der es den Ausgetretenen ermöglichen soll, unabhängig vom Prozess bzw. Vergleich mit dem Beklagten zu verhandeln. Dies ist auch den deutschen Verlagen hier möglich (Einzelheiten s.u. Frage 10).

Mit der Genehmigung des jetzt im Rahmen der class action eingereichten Vergleichsvorschlags durch das zuständige Gericht entfiele die juristische Verantwortlichkeit von Google für die zum Gegenstand der Klage gemachten Tatbestände, also die Digitalisierung der Bibliotheksbeständen und die Nutzung der Scanns im Rahmen der Google Buchsuche hinsichtlich von Google-Nutzern in den USA.

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4. Waren deutsche Verlage in die Vergleichsverhandlungen mit Google einbezogen?

Nein. Obwohl die class action gegen Google nach dem eben Gesagten direkte rechtliche Konsequenzen auch für ausländische Autoren und Verleger hat, sind diese von ihren amerikanischen Kollegen nicht über den Verfahrensstand unterrichtet worden. Die über zweijährigen Vergleichsverhandlungen, die der Verständigung auf den jetzt eingereichten Vorschlag vorausgingen, wurden außer von den Anwälten nur von einem sehr kleinen Kreis direkt am Verfahren beteiligter Personen geführt, die sich gegenüber Google zum absoluten Stillschweigen über den Stand der Vergleichsgespräche verpflichtet hatten. Dasselbe gilt für die vereinzelten deutschen Kollegen aus internationalen Verlagsgruppen, die vor Einreichung des Vergleichvorschlags über dessen Aushandlung informiert waren. Auch die große Mehrzahl der Mitglieder von Authors Guild und American Association of Publishers – einschließlich des Urheberrechtsausschusses der AAP - ist erst mit Anmeldung des Vorschlags über dessen Inhalt informiert worden.

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5. Was sieht der vorgeschlagene Vergleich vor?

Wie oben erwähnt handelt es sich bei dem Vergleichsvorschlag um ein sehr komplexes Vertragswerk. Verkürzt lassen sich die wesentlichen Elemente der Regelung wie folgt zusammenfassen:

  • Google darf den Google-Nutzern und anderen Kunden die gescannten Bücher in jeweils unterschiedichem Umfang zugänglich machen, sofern die Rechteinhaber dem nicht im Einzelfall widersprochen haben (Einzelheiten dazu unter Frage 6).
  • Google darf Werbung auf Seiten verkaufen, auf denen die Inhalte einzelner Bücher angezeigt werden.
  • Die vorgenannten Befugnisse gelten nur für vergriffene Buchtitel. Ist ein Buch noch lieferbar, darf Google es nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Copyrightinhabers im Rahmen seines Partnerprogramms nutzen.
  • Von allen durch die vorgenannten Nutzungen erzielten Erlösen behält Google 37 Prozent für sich zurück. Die übrigen 63 Prozent werden an die Rechteinhaber ausgeschüttet. (Sofern ein und dasselbe Buch zwei oder mehr Rechteinhaber – z.B. Autor und Verlag – hat, greifen differenzierte Verteilungsschlüssel, die in dem Vergleichsvorschlag im Einzelnen festgelegt sind.)
  • Um die Rechteinhaber der von Google gescannten Werke zu registrieren und diesen die ihnen zustehenden Gelder ausschütten zu können, leistet Google eine Zahlung von 34,5 Mio. US$, mit der Authors Guild und American Association of Publishers eine Book Rights Registry gründen. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Abrechnungsdatenbank und Verwertungsgesellschaft, die auch befugt sein soll, Dritten vergleichbare urheberrechtliche Nutzungsrechte einzuräumen wie Google.
  • Für die vor Vergleichsgenehmigung bereits gescannten gut sieben Millionen Buchtitel stellt Google einen Betrag von 45 Millionen US$ zur Verfügung, der gegebenenfalls noch weiter aufgestockt wird. Jedem Copyrightinhaber an einem vollständigen Buch, der sich bei der Book Right Registry meldet, wird dabei ein Betrag von 60 US$ garantiert. Inhaber von Rechten an abgeschlossenen Buchteilen (z.B. Einzeltitel einer Anthologie oder Herausgeberbeiträge) erhalten mindestens 15 US$, Inhaber von Abdruckrechten an Zitaten mindestens 5 US$. (Eine Regelung für Bildrechte in Büchern enthält der Vorschlag nicht, weil Authors Guild und die AAP insoweit keine Rechte vertreten.)
  • Daneben wird für Forschungszwecke (z.B. im Bereich der Computerlinguistik) ein sog. research corpus aller gescannten Bücher erstellt, der berechtigten Wissenschaftlern kostenlos zur Verfügung steht.
  • Zur Deckung der bisher aufgelaufenen und künftig noch anfallenden Kosten des Rechtsstreits zahlt Google 30 Mio. US$.
  • Parallel zum gerichtlichen approval des Vergleichsvorschlags ziehen die fünf Verlage ihre separat eingereichte Klage zurück. Für die Beilegung dieses Rechtsstreits zahlt Google 15,5 Mio. US$. Der nach Deckung der Prozesskosten verbleibende Betrag wird von der AAP zur Gründung einer Stiftung verwendet, die im Sinne von Urhebern und Verlegern aktiv wird.

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6. Wie dürfen die gescannten Bücher von Google in den USA zugänglich gemacht werden?

Der Vergleichsvorschlag sieht die folgenden Display Uses an vergriffenen Büchern vor, sofern der Copyrightinhaber nicht von der Möglichkeit der vollständigen Herausnahme eines Titels Gebrauch gemacht hat:

  • Verkauf von online-Zugriffen auf komplette Inhalte einzelner Bücher an Einzelkunden
  • Verkauf von Abonnements für online-Zugriffe auf komplette Inhalte einzelner Bücher an Institutionen (Bildungseinrichtungen, Behörden, Unternehmen) in den USA
  • allfällige weitere kommerzielle Nutzungen, die nachWirksamwerden des Vergleichs zwischen Google und der Book Rights Registry zusätzlich vereinbart werden
  • Gewährung eines kostenlosen „Public Access“-Zugangs für öffentliche Bibliotheken in den USA, sofern diese eigens dafür bestimmte Computerterminals einsetzen
  • kostenlose Gewährung eines Preview Use von bis zu 20% eines Buches für jeden Google-Nutzer
  • kostenloses Anzeigen von kleinen Buchausschnitten (Snippets)

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7. Welche Gründe sprechen aus Sicht der amerikanischen Kollegen für den Vergleichsvorschlag?

  • Die AAP führt folgende Argumente für den Vergleichsvorschlag ins Feld:
  • Durch den Vergleich wird ein extrem (kosten)aufwändiger Rechtsstreit beigelegt, dessen gerichtlicher Ausgang mit rechtlichen Unwägbarkeiten für Autoren und Verleger verbunden gewesen wäre. Mittelbar bindet der Vergleich zudem auch die Partnerbibliotheken von Google.
  • Google akzeptiert, dass die Anzeige von Inhalten urheberrechtlich geschützter Bücher grundsätzlich nur mit Zustimmung der Rechteinhaber zulässig ist.
  • Google zahlt für alle vor dem 5. Mai 2009 digitalisierten Bücher eine Art pauschalen Schadensersatz (der als Zugeständnis gewertet werden kann, dass die Massendigitalisierung von Bibliotheksbeständen bis zum Abschluss des Google Book Settlement kein „fair use“ war).
  • Lieferbare Buchtitel werden von Google nur noch mit ausdrücklichem Einverständnis des Copyrightinhabers genutzt.
  • Für vergriffene Werke, an denen bei den Verlagen bislang kein kommerzielles Interesse mehr bestand, ergeben sich attraktive neue Marketing- und Einnahmemöglichkeiten.
  • Verlage, die mit dem Vergleich nicht einverstanden sind, können von der Möglichkeit des opting-out aus der class action Gebrauch machen.
  • Auch die in der class verbleibenden Rechteinhaber können bei vergriffenen Titeln bis zum Jahr 2011 jederzeit eine vollständige Herausnahme fordern.)

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8. Aus welchen Gründen kritisiert der Börsenverein den Vergleichsvorschlag?

Der Börsenverein lehnt den Vergleichsvorschlag aus folgenden Gründen ab:

  • Durch den Vergleich könnte Google auf zukunftswichtigen Gebieten des weltweiten Buchmarkts eine monopolartige Stellung erreichen. Bei einem Fortschreiten dieser Entwicklung könnte Google sich zu einem Moloch entwickeln, der Buchsuchmaschine, Buchhändler, Verleger und Bibliothekar in einem ist. Damit droht der Buchbranche eine Vernichtung kultureller Vielfalt und ihren kleinen und mittleren Unternehmen der Verlust der wirtschaftlichen Existenz. Die Gesellschaft insgesamt gerät in Gefahr, dass Google die ihm zuwachsenden Kontrollmöglichkeiten missbraucht.
  • Die geplante Regelung beraubt den Urheber seines Kronrechts, über Ob undWie von Nutzungen seiner Werke selbst entscheiden zu können. Google muss vor Nutzungsbeginn nämlich nicht zunächst beim Autor um Genehmigung fragen („opt-in“), sondern darf urheberrechtlich geschützte vergriffeneWerke ohne individuelle Zustimmung nutzen. Der Urheber ist darauf verwiesen, unerwünschten Nutzungen seiner Werke hinterher zu rennen, um sie stoppen zu können („opt-out“). Damit wird das Grundprinzip verkehrt, auf dem alle internationalen Regelwerke zum Urheberrecht fußen.
  • Der Schutz von Urheberleistungen wird faktisch unter die Voraussetzung einer Meldung bei der Book Rights Registry gestellt. Dies widerspricht dem Grundsatz des internationalen Urheberrechts, dass eine Registrierung niemals zur Voraussetzung für die Erlangung von Urheberrechtsschutz gemacht werden darf. Vorgesehen ist vielmehr, dass der Autor alleine aufgrund der Schaffung seinesWerks in den Genuss uneingeschränkten Urheberrechtsschutzes kommt.
  • Diese für keinen sonstigen Partner geltenden Vergünstigungen erhält Google nicht deshalb, weil es sich in besonderem Maße um Autoren und Verlage verdient gemacht hat, sondern weil es in weltweit niemals zuvor beobachteter Weise Urheberrechte massenhaft missachtet und verletzt hat. Es ist das falsche Signal, Urheberrechtsverletzer zu belohnen statt sie zu sanktionieren.
  • Es ist eine Illusion zu glauben, dass sich die Nutzungen der bei Google entstehenden Buchdatenbank auf Nordamerika beschränken ließen. Die Technik des Geo-Blocking, die beschränkend wirken soll, ist auch für Laien leicht durch Anonymisierungssoftware (Nutzung sog. Proxy-Server) umgehbar. Da solche Umgehungen für deutsche Internetnutzer rechtlich zulässig sind, wird Google faktisch hinsichtlich aller in den USA unter dem Settlement angebotenen Bücher zur direkten Konkurrenz für europäische Buchdatenbanken, ohne sich den gleichen urheberrechtlichen Anforderungen stellen zu müssen.
  • Das Settlement schafft eine private Rechtsordnung, die an die Stelle der Regeln des internationalen Urheberrechts tritt. Hinsichtlich der sog. verwaisten Werke (urheberrechtlich geschützte Bücher, deren Rechteinhaber nicht auffindbar ist) entsteht bei Google ein Monopol. Während jeder andere Nutzer auf der Welt ein Buch, dessen Rechteinhaber er nicht ausfindig machen kann, nur unter dem Risiko jederzeitiger massiver straf- und zivilrechtlicher Inanspruchnahme kommerziell im Internet verwenden kann, berechtigt das Settlement Google ausdrücklich auch zur Nutzung verwaisterWerke. Google wird dadurch für viele Millionen Bücher im Internet zum de facto-Verleger, ohne dass dieWerkberechtigten dies wollen oder angemessen dafür vergütet werden.
  • Google hatte vor dem Stichtag für das Settlement (5. Mai 2009) bereits über sechs Millionen urheberrechtlich geschützte Bücher ungenehmigt digitalisiert. Nach der Logik des Settlements wäre den Rechteinhabern für jedes dieser Bücher ein pauschalierter Schadensersatz von 60 US$ zu zahlen. Tatsächlich stellt Google aber nicht 360 Mio. US$ zur Verfügung, sondern garantiert der Book Rights Registry zunächst eine Zahlung von lediglich 45 Mio. US$. Dies belegt, dass bei 9 von 10 Büchern nicht damit gerechnet wird, dass sich die Rechteinhaber von selbst melden, und dass auch keine Anstrengungen unternommen werden sollen, um existente, leicht greifbare Rechteinhaber aktiv aufzufinden.
  • Der geschilderte Effekt wird wesentlich durch die Datenbank der unter das Settlement fallenden Titel verschärft. Diese hat sich bei zahlreichen Stichproben als durch und durch korrupt erwiesen. Ein Verlag, der von der Möglichkeit Gebrauch machen will, die Nutzung seiner Titel unter dem Settlement zu steuern, kann aufgrund der Fehlerhaftigkeit dieser Datenbank nicht sicher sein, dass seineWerke nicht dennoch von Google anders als gewünscht genutzt werden.
  • Aufgrund der im Settlement vorgesehenen Strukturen ist es deutschen Verlagen nur schwer möglich, auf die Datenbank und die Lizenzierungspraxis der Book Rights Registry einzuwirken. Die Book Rights Registry soll faktisch wie eine international lizenzierende Verwertungsgesellschaft agieren. Anders als bei den bestehenden Verwertungsgesellschaften sind deutsche Rechteinhaber aber weder in den Lenkungsgremien dieser Einrichtung vertreten noch haben sie die Möglichkeit, in deutscher Sprache mit dieser zu kommunizieren.
  • Die Digitalisierung von Bibliotheksbeständen ist eine originäre Aufgabe der Bibliotheken bzw. des Staates.Wenn urheberrechtlich geschützte vergriffeneWerke digitalisiert und online zugänglich gemacht werden sollen, dann darf dies weder zu einer Entrechtung der Autoren noch zu einer Privatisierung öffentlicher Güter führen.
  • Das derzeit in der EU und in Deutschland beginnende Programm zum Aufbau einer Europäischen Digitalen Bibliothek beweist, dass eine Massendigitalisierung von Bibliotheksbeständen selbst bei lange vergriffenen Werken mit einer individuellen Lizenzierung beim Berechtigten („opt-in“) einher gehen kann. Es ist weder gerechtfertigt noch geboten, die Rechte desWerkschöpfers dem Interesse von Wissenschaft und Forschung an einem problemlosen online-Zugang zu seinenWerken vollständig unterzuordnen. Dies gilt erst recht für Lösungen, an denen sich primär ein privater Dritter - hier: Google – bereichert..)

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9. Was wird der Börsenverein unternehmen?

Der Börsenverein wird das Google Book Settlement gemeinsam mit vielen seiner europäischen und internationalen Kollegenverbände gerichtlich bekämpfen, indem er vor dem District Court New York Einwände gegen das Settlement vorbringt. Dazu hat er im Frühjahr 2009 ein New Yorker Anwaltsbüro beauftragt. Der entsprechende Schriftsatz wird derzeit abgestimmt. Er muss bis zum 4. September 2009 beim Gericht eingereicht werden. Zudem hat der Börsenverein bei seiner Hauptversammlung im Juni 2009 die deutsche Bundesregierung um Unterstützung gebeten und geht davon aus, dass diese sich ebenfalls mit einem anwaltlichen Schreiben (sog. amicus curiae brief) an das Gericht wendet.

Da der Erfolg des juristischen Vorgehens gegen das Google Book Settlement unsicher ist, hat der Börsenverein zudem gemeinsam mit dem Schriftstellerverband und der VG Wort dafür Sorge getragen, dass die VG Wort und ihre österreichischen und schweizerischen Kollegengesellschaften unmittelbar nach Inkrafttreten des Google Book Settlement sämtliche deutschsprachigen Bücher aus der Nutzung unter dem Settlement entfernen werden (sog. removal). Näheres dazu wird unten in Frage 11 erläutert...)

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10. Wie sollten sich die deutschen Verlage jetzt verhalten?

Für die Mitgliedsverlage des Börsenvereins ist es zunächst einmal wichtig, sich mit dem Vorgang auseinanderzusetzen und sich alle verfügbaren Informationen zu verschaffen. Sie sollten die Berichterstattung über das Verfahren genau verfolgen.

Rechtlich gesehen ist jeder Verlag, der für eines oder mehrere seiner Bücher die ausschließlichen Verlagsrechte für das Gebiet der USA besitzt (z.B. durch Verwendung der standardmäßig im Musterverlagsvertrag des Börsenvereins enthaltenen Klausel zum Erwerb weltweiter ausschließlicher Verlagsrechte), Betroffener des Verfahrens und Angehöriger der klagenden class. Damit hat er in der gegebenen Situation folgende vier Optionen:

  1. Er kann sich für ein opting-out aus dem Vergleichsvorschlag entscheiden. Damit verliert der Vergleich seine Bindungswirkung für ihn. Er verzichtet endgültig auf Ansprüche aus dem Vergleich, bewahrt im Gegenzug aber seine Ansprüche wegen Verletzungen des US-Urheberrechts durch Google. Der Verlag wird somit frei, auf dem Verhandlungswege bessere Konditionen mit Google zu vereinbaren oder in rechtliche Auseinandersetzungen hinsichtlich der Digitalisierung seiner Bücher einzutreten. Wichtig: Das Opting-out muss innerhalb einer Ausschlussfrist bis zum 4. September 2009 entweder durch eingeschriebenen Brief oder online-Registrierung erfolgen. Jeder Verlag, der innerhalb dieser Frist nichts erklärt, bleibt unweigerlich Teil der class und nimmt damit an einem – vom Gericht genehmigten – Vergleich teil. Der Börsenverein rät seinen Mitgliedsverlagen davon ab, den Weg des opting-out zu beschreiten. Es ist angesichts der in dem laufenden Verfahren zu beobachtenden Kosten wenig sinnvoll, Google in den USA vor Gericht zu ziehen.
  2. Er kann in der class bleiben, aber gegen den gesamten Vergleichsvorschlag oder Teile davon bei Gericht Einwände erheben. Solche Einwände (objections) müssen bis zum 4. September 2009 beim New Yorker District Court eingegangen sein. Sie können durch den Verleger persönlich oder einen von diesem beauftragten Anwalt vorgetragen werden. Das Gericht behandelt sie in einem sog. Fairness Hearing am 7. Oktober 2009. Da der Börsenverein mit Hilfe amerikanischer Anwälte sämtliche relevanten objections vorbringen wird (s.o. Frage 9.), müssen seine Mitgliedsverlage insoweit selbst nichts unternehmen.
  3. Er kann in der class bleiben, auf die Erhebung von Einwänden verzichten und im Falle der Genehmigung des Vergleichsvorschlags seine Ansprüche unter dem Vergleich anmelden. Dazu kann er bereits heute in einer von Google zur Verfügung gestellten Datenbank überprüfen, ob Buchtitel aus seinem Katalog im Rahmen des Google- Bibliotheksprogramms gescannt wurden. Für diese bereits gescannten Bücher kann er bei der Book Rights Registry im Regelfall die Zahlung von 60 € pro Titel verlangen. Ferner kann er für die bereits gescannten Bücher sowie für alle weiteren Titel seines Programms festlegen, ob und in welchem Umfang er Google die im Vergleich vorgesehenen Display Uses gestattet oder ob er die Herausnahme seiner Titel aus der Anzeige verlangt. Im Einzelnen ist hinsichtlich dieser Geltendmachung von Rechten noch vieles unklar. Der Börsenverein hat dafür Sorge getragen, dass die VG Wort für alle ihre wahrnehmungsberechtigten Verlage die notwendigen Handlungen vornehmen und Erklärungen abgeben wird, damit die für deutsche Bücher angefallenen Beträge eingesammelt und ausgeschüttet und die Titel im Übrigen komplett aus der Nutzung unter dem Settlement entfernt werden (s. Frage 11). Sofern dies den Vorstellungen eines Mitgliedsverlags entspricht, braucht er nichts weiter zu unternehmen.
  4. Er kann dem Vorgehen der VG Wort widersprechen und gar nichts tun. Dann wird der Vergleich gegen ihn wirksam, soweit das Gericht diesen genehmigt. Der Verlag verliert die Möglichkeit der Geltendmachung von Ansprüchen wegen Urheberrechtsverletzung gegen Google. Nach einer Ausschlussfrist, die im Jahre 2011 abläuft, kann er keine Zahlungsansprüche hinsichtlich der Nutzung seiner Buchtitel durch Google mehr geltend machen und auch nicht mehr beeinflussen, wie dieseWerke den amerikanischen Google- Nutzern angezeigt werden. Da diese Alternative erkennbar unattraktiv ist, empfiehlt der Börsenverein, dem Vorgehen der VG Wort nicht zu widersprechen.<..)

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11. Welche Hilfen bietet der Börsenverein seinen Mitgliedsverlagen an?

Neben der umfassenden Mitgliederinformation und seinen juristischen und politischen Aktivitäten (s.o. Frage 9) hat sich der Börsenverein darauf konzentriert, seinen Mitgliedsverlagen eine aufwändige individuelle Rechtewahrnehmung auch für den Fall des Inkrafttretens des Settlements zu ersparen. Dazu hat er gemeinsam mit Schriftstellerverband und VG Wort ein Modell entwickelt und juristisch prüfen lassen, das einen kollektiven Umgang aller Rechteinhaber deutschsprachiger Bücher mit dem Google Book Settlement ermöglicht.

Am 23. Mai 2009 hat die Mitgliederversammlung der VG Wort beschlossen, dass die VG Wort bestimmte Rechte aus dem Google-Settlement für Autoren und Verlage gemeinsam wahrnimmt, wenn der Vergleich in den USA endgültig bestätigt wird. Der Beschluss der Mitgliederversammlung sieht vor, dass die VG Wort die Vergütungsansprüche für die bis zum 5. Mai 2009 von Google digitalisierten Werke einzieht, gleichzeitig aber die in Deutschland erschienenen Werke aus dem Digitalisierungsprogramm von Google zurückzieht. Dies wiederum wurde mit der Möglichkeit verbunden, dass die VG Wort in Zukunft digitale Nutzungen von vergriffenen Werken – im Unterschied zu lieferbaren Werken – lizenzieren kann, wenn die Rechteinhaber zuvor ihr Einverständnis damit erteilen. Entsprechende Vereinbarungen sind mit Google möglich, aber insbesondere auch mit Trägern von deutschen und europäischen Digitalisierungsprojekten. Außerdem wurde der VG Wort das Recht eingeräumt, digitale Vervielfältigungen zum ausschließlichen Zweck der Anzeige von bibliografischen Daten im Internet zu erlauben.

Die VG Wort wird Anfang August sämtliche ihrer wahrnehmungs- und bezugsberechtigten Verlage anschreiben, um sie offiziell über die von der Mitgliederversammlung beschlossenen Änderungen des Wahrnehmungsvertrags und des Inkassoauftrags Ausland in Kenntnis zu setzen. Diese Änderungen werden automatisch Bestandteil des zwischen der VG Wort und dem Verlag bestehenden Vertrags, wenn der Verlag ihnen nicht innerhalb von sechs Wochen nach Zugang der Mitteilung widerspricht. Der Börsenverein empfiehlt seinen Mitgliedsverlagen, den Änderungen nicht zu widersprechen, damit die VG Wort möglichst für sämtliche deutschen Bücher gegenüber Google einheitlich agieren kann. Auf ihrer Website www.vgwort.de hat die VG Wort ein Papier mit Fragen und Antworten zu ihrem geplanten Vorgehen sowie die dafür relevanten Dokumente eingestellt.

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Die Rechtsabteilung des Börsenvereins stellt Referendare für die Anwalts- oder Wahlpflichtstation ein, die Interesse an der Buchbranche haben und idealerweise Vorkenntnisse im Urheber- und Medienrecht bzw. im Gewerblichen Rechtsschutz haben. Bewerbungen bitte per E-Mail an Frau Barwick (barwick@boev.de).

 

 

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