Lingen Verlag aus Köln

Lingen_Schulte© Manfred Noppeney

Herr Schulte, was macht Ihr Verlag?

Der Name Lingen steht seit Jahrzehnten für Sonderausgaben und Nebenmarktgeschäft, insbesondere im sog. Tageszeitungstreubuch oder im LEH. Seit Beginn meiner GF-Tätigkeit vor 10 Jahren haben wir uns zu einem Verlag entwickelt, der auch in diesen Märkten vor allem auf eigene Konzepte, auf eigene Entwicklungen publikumsaffiner Titel aus den Bereichen illustriertes Kinderbuch, Kochbuch, Ratgeber (z.B. Gesundheit, Computer) oder Büchern zur Zeitgeschichte Wert legt.


Warum sind Sie Mitglied geworden?

Weil wir es uns zum Ziel gemacht haben, den stationären Buchhandel als Partner zu gewinnen. Vor allem im Kinderbuch haben uns die rund eine Million Mal verkauften Abenteuer von „Leo Lausemaus“, der 2014 sogar den Sprung ins Fernsehen (SuperRTL) schaffen wird, ermuntert, unsere Programmpolitik stärker an den Bedürfnissen des Sortiments auszurichten. Der Erfolg, den wir mit dem Aufbau der Lernmarke „Scout“ verzeichnen können, weist in dieselbe Richtung, ebenso die bereits bestehende Kooperation mit der Markenwelt von „Toggo Clever“. In Marketing und Vertrieb Kinderbuch erfindet sich Lingen daher sozusagen gerade neu und hat sich auch personell verstärkt. Gleichzeitig gibt es einen völlig anderen Programmbereich, den wir vor einem Jahr zusammen mit der „Edition Lingen Stiftung“ neu gegründet haben. Hier publizieren wir kritische, kontroverse Bücher zu aktuellen politischen Themen. Nach „Größenwahn“ und „Kauderwelsch“ erscheint am 19.3. der dritte Band mit dem Titel „Verschwendung - Politik der Maßlosigkeit“. Die Publikationen der „Edition Lingen Stiftung“ werden durch weitere Programmlinien ergänzt werden. Wir diskutieren auch die Auslobung eines Preises für engagierten Journalismus.


Was sind für Sie die spannendsten Herausforderungen für die Buchbranche in den nächsten Jahren?

Das „Zusammenspiel“ von Online- und Printmedien und die durch dieses Zusammenspiel mögliche Inszenierung von Themen- und Lesewelten. Ein Beispiel: In Zusammenarbeit mit der renommierten Pädagogin Dr. Birgit Ebbert haben wir unter der Dachmarke „Scout“ Lernprodukte für Vor- und Grundschule entwickelt, die sehr gut von den Kunden angenommen werden. Man sollte den Kunden aber diese Produkte nicht nur verkaufen und ihn dann „allein“ lassen. Gleichzeitig sehe ich große Chancen für den stationären Buchhandel in der Inszenierung von Themenwelten.


Über welches Branchenthema würden Sie gerne kontrovers diskutieren?

Die sog. neuen Medien nicht als Bedrohung ansehen und die Stärken unterschiedlicher Medien richtig bündeln, z.B. Blogs und ihre Werbewirkung für Bücher. Auch „Facebook“ ist nicht besser oder schlechter als Tageszeitungen oder Radio. Es ist zunächst ein Medium. Und das kann man nutzen. Wir wissen alle noch nicht so genau wie, aber das ist ja gerade spannend. Routine ist der Feind jeglicher Kreativität. Und wer, wenn nicht wir Akteure der Medien- und Bücherwelt, sollte kreativ sein? Ich halte es da mit Billy Wilders „11. Gebot“: „Du sollst nicht langweilen.“ Wobei es nur ein persönliches Empfinden von Langeweile gibt, keine allgemein verbindliche Definition.


Welches Buch lesen Sie gerade?

Nach dem wirklich tollen Geschichtsbuch „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“ von Florian Illies derzeit „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher. Ich habe immer „einen Koffer in Berlin“…


Was ist Ihr Lebensmotto?

Da gibt es mehrere: Auf meinem Schreibtisch steht „Nur selber rudern macht dicke Arme“. Und für einen Kölner Verlag unerlässlich „Et hätt noch immer jott jejange.“