Bewegende Bilder

Ist Ihnen in letzter Zeit auf Amazon.de mal der freundliche junge Mann mit Brille begegnet, der Sie zum Verfassen einer Video-Rezension auffordert? Einer Video-Rezension … auch bei Büchern? Fragt man den Weltbild-Online-Chef Klaus Driever nach seiner Meinung zu Buchvideos, so fällt die Antwort eindeutig aus. Wenn sie gut gemacht sind, dann können Videos den Abverkauf von Büchern deutlich steigern. Im konkreten Fall des Mami-Buchs von Katja Kessler verzeichnete Weltbild sogar eine Vervierfachung der Verkäufe.

Die Weltbild-Gruppe ist zweifellos ein Verlagshaus, das es sich leisten kann, in ein Thema wie Online-Video zu investieren. Ein Film, wie der zum Mami-Buch, ist von einer professionellen Crew erstellt worden und kostet in der Herstellung einen vier- bis fünfstelligen Betrag. Ob sich das für den Einzeltitel lohnt, muss jeder selbst ausrechnen.

Dass es aber auch ganz anders geht, weiß Fahrrad.de. Der schwäbische Drahteselversender hatte das Thema Video längst im Visier, wartete aber vergebens darauf, dass die Hersteller selbst Bewegtbildmaterial zu neuen Produkten anboten. Daraufhin setzte man kurzerhand die Vertreter im improvisierten Studio vor eine Kamera und ließ sie die Vorzüge neuer Produkte erläutern oder auf Kritik und Fragen antworten. Die Marketer der großen Fahrradmarken reagierten blitzschnell. Zum nächsten Besuch hatten die Vertreter dann schon den gesponsorten Mountainbike-Weltmeister als Begleitung dabei.

Die richtige Ausrüstung haben Sie schon

Der Charme der Fahrrad.de-Videos liegt in ihrer Authentizität. Der Fokus liegt klar auf dem Inhalt, nicht auf der Präsentationsform. Und eben dieser Ansatz macht es auch dem Kleinverleger oder Buchhändler leichter, eigene Videos ins Netz zu bringen. Stimmt der Inhalt, so genügt auch ein Film in Amateurqualität. Nicht umsonst spricht Amazon bei den Video-Rezensionen von WebCam-Videos, also mithin dem schlechtesten Ausgangsmaterial, das im Bewegtbildsegment zur Verfügung steht.

Ohne Zweifel wird jedes Unternehmen gleich eine Handvoll Videokameras auftreiben können, wenn nur genau danach gesucht wird. So verfügen die meisten aktuellen Notebooks über eingebaute Kameras. Eine Nachrüstkamera ist bei Spezialversendern für unter 20 Euro erhältlich. Etwas besser wird die Qualität bei aktuellen Video-Handys und schon bis zur Sendereife im Fernsehen kommt die Auflösung von Video-fähigen Digitalkameras. Samsungs HD24 (Straßenpreis knapp 300 Euro) leistet sogar HD-Auflösung. Und qualitativ über jeden Zweifel erhaben sind digitale Camcorder, die ab ca. 300 Euro zu bekommen sind.

In jedem Fall benötigt die Kamera eine USB-Schnittstelle zum Rechner. Bei Camcordern findet man häufig die schnelle aber seltenere Firewire-Schnittstelle (Kürzel IEEE1394). Sollte Ihr designierter Produktionsrechner nicht über eine passende Schnittstelle verfügen, lässt sich auch diese über einen Computershop preiswert nachrüsten.

Für gelungene Aufnahmen wäre ein Stativ hilfreich. Gerade die kleinen Kameras wackeln doch sehr stark, wenn sie bei der Aufnahme in der Hand gehalten werden. Eine starke Fotolampe ist praktisch, ein Halogenfluter tut es auch.

Video im Netz heißt Flash

Denken Sie bei der Aufzeichnung daran, eher zu viel zu filmen, als zu wenig. Warten Sie einen Moment, bis sie nach dem Starten der Kamera mit der Aktion beginnen. Denken Sie an Perspektivwechsel und so genannte Zwischenschnitte, also Motive, die nachher zur Auflockerung in den Film geschnitten werden. Wobei auch hier grundlegend gilt: Nachproduktion ist schön, aber nicht unbedingt nötig.

Ist der Film im Kasten, geht es in den Rechner. Sowohl Macs als auch Windows-Rechner bringen die nötige Software mit, um die Filme zu importieren und zu schneiden. Beim Mac ist es iMovie oder gar FinalCut. Bei Windows heißt das Programm MovieMaker. Beide Betriebssysteme bieten die jeweiligen Programme automatisch an, sobald eine eingeschaltete Kamera an den Rechner gestöpselt wird.

Die Feinheiten des Videoschnitts hier darzustellen, würde den Platz sprengen. Gehen Sie grundsätzlich von einer Hauptspur aus, die vor allem den richtigen Ton mitbringt. Dann legen Sie in der zweiten Video-Spur nur noch Bilder und Videos ohne Ton darüber, etwa eine Großaufnahme des präsentierten Buches. Bei Nachvertonung unbedingt darauf achten, dass die Musik nicht urheberrechtlich geschützt ist. Eine kleinere Auswahl kostenloser Soundschleifen (Loops) finden Sie bei Flashkit. Kostenpflichtige Dienste wie Royaltyfreemusic verfügen über eine riesige Auswahl zu überschaubaren Preisen. Versuchen Sie eine Gesamtlänge von drei Minuten nicht zu überschreiten. Wenn Sie mehr zu sagen haben, teilen Sie es in mehrere Filme auf.

Das fertige Video exportieren Sie in möglichst hoher Qualität. Dabei sollten Sie jetzt schon entscheiden, wie groß die Outline des Films sein soll. YouTube-Videos haben eine Outline von 320 x 240 Pixel und das ist ein guter Ausgangspunkt. Reduzieren Sie die Bildrate auf 15 Bilder pro Sekunde. Das genügt bei Filmen mit eher weniger Bewegung. Und vermeiden Sie zum Schluss, dass Ihr Videoprogramm den Film mit einem eigenen Kompressionsmechanismus verkleinert.

 

    Der Prozess der Verkleinerung passiert jetzt. Sie haben drei Möglichkeiten:
  1. Sie verfügen über eine Flash Version (von Flash 8 bis CS4)
  2. Sie sind bereit eine spezielle Flash-Videosoftware zu erwerben (siehe Links)
  3. Sie nutzen einen der kostenlosen Onlinedienste (siehe Links)

 

In jedem Fall geht es darum, aus dem Video ein Flash-Video zu machen. Ohne allzu tief in die Details zu gehen: Auch wenn es weitere, gute Videoformate im Netz gibt. Flash hat mit die beste Kompression ist sehr flexibel, vollständig Plattform-neutral und verfügt vor allem über eine sehr hohe Verbreitung des Players. Jeder Nutzer, der YouTube-Videos anschauen kann, wird auch in der Lage sein, Ihr Video zu sehen.

Konvertieren Sie mit einer der drei Lösungen Ihren Film zu einer FLV-Datei. Orientieren Sie sich an einer Bitrate von 300 bis 400 Kilobit pro Sekunde, das ergibt bei DSL-Anschlüssen ein flüssiges Ergebnis. Für Modem-Nutzer könnten Sie ein weiteres Video mit einer geringeren Bitrate anbieten.

Wenn Sie Flash, Flix oder Flash-on-TV benutzen, können Sie die Software dazu bewegen, Ihnen nicht nur das Video sondern auch eine Trägerdatei mitzuliefern. Besser gesagt sind es bei Flash-Videos sogar drei Trägerdateien. Das wäre zunächst die tragende HTML-Seite, dann eine SWF-Datei (eine Flash-Datei), die die Elemente zusammenfügt, dann noch eine SWF-Datei mit dem Abspielbalken, dem so genannten Skin.

Nutzer eines Online-Konvertierungsdienstes wie Movavi haben diese Möglichkeit nicht. Dafür gibt es den FlowPlayer. Das ist ein Satz aus eben diesen Trägerdateien. Im Quelltext der HTML-Seite wird der Link zum Video eingetragen, also zum Beispiel einfach video.flv.

Nun müssen Sie das gesamte Paket an Dateien so auf den Webserver übertragen, dass die Pfade erhalten bleiben. Idealerweise sind alle Dateien in einem einzigen Verzeichnis. Den Rest macht das Flash-System alleine. Sobald ein Nutzer die Seite aufruft, wird eine dynamische Verbindung zwischen Ihrem Webserver und dem Browser des Nutzers hergestellt. Der Flash Player misst, wie viele Daten pro Sekunde auf dem Rechner landen und errechnet daraus einen Puffer. Der soll dazu dienen, dass das Video schon abgespielt werden kann, während noch nicht alle Dateien geladen wurden.

Zu kompliziert? Dann laden Sie Ihr fertiges Video einfach bei YouTube hoch, überlassen denen die Konvertierung, nehmen dann den fertigen Code auf der rechten Seite und bauen ihn in eine eigene Seite auf Ihrem Server ein. Gelegentlich ist YouTube aber etwas langsam.

Konvertierungs-Software
http://www.flash-on-tv.com
http://free-video-to-flash-converter.softonic.de/
http://www.sorensonmedia.com/
https://flix.on2.com/

Kostenloser Online-Dienst
http://online.movavi.com/
http://media-convert.com/konvertieren/

Kostenlose Musikschleifen
http://www.flashkit.com/loops/

Günstige Musiktracks
http://www.royaltyfreemusic.com/advertising_environments.html

Autor: Frank Puscher, Redaktion SPIELFIGUR