Kunststofftragetaschen im Handel

Plastiktüten 2016(CC)

Im Einzelhandel gehört die Plastiktüte bisher noch zum gewohnt kostenlosen Kundenservice. Doch laut einer GfK-Studie befürworten etwa 85% der Bevölkerung eine Gebührenpflicht bei Plastiktüten.

Eine neue EU-Richtlinie schränkt nun den zukünftigen Verbrauch von Plastiktüten im Einzelhandel deutlich ein, um Ressourcen effizienter einzusetzen und die Umwelt zu schonen. Zurzeit verbraucht der Durchschnittsbürger in Deutschland 71 Plastiktüten im Jahr – deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Die Richtlinie sieht allerdings vor, den jährlichen Durchschnittsverbrauch bis zum Jahr 2025 europaweit auf 40 Plastiktüten zu reduzieren.

Um eine gesetzliche Regelung zu vermeiden, soll auf die kostenlose Abgabe freiwillig verzichtet werden. Deshalb hatte der Handelsverband Deutschland (HDE), dem auch der Börsenverein des deutschen Buchhandels angehört, mit dem Bundesumweltministerium (BMUB) an einer freiwilligen Selbstverpflichtung gearbeitet.

Die Selbstverpflichtung tritt zum 1. Juli 2016 in Kraft:

  • Keine kostenlose Abgabe von Plastiktüten:
    Betroffen sind alle Kunststoffbeutel mit einer Wandstärke von 15 bis 50 Mikrometer – ausgenommen bleiben sehr leichte Kunststofftragetaschen, die u.a. aus Hygienegründen im Lebensmittelbereich eingesetzt werden
  • Entgelt setzt der Händler selbst fest: 
    Die Höhe des „angemessenen Entgelts“, das Kunden für die Plastiktüten bezahlen müssen, darf jeder Händler selbst festlegen. Aus kartellrechtlichen Gründen gibt es hier keine Vorgaben; eine Abstimmung der Händler untereinander verbietet sich
  • Marktabdeckung muss erreicht werden: 
    Zwei Jahre nach Inkrafttreten muss gewährleistet sein, dass mindestens 80% der in Umlauf gebrachten Plastiktüten kostenpflichtig abgegeben werden

Ökologische Verantwortung der Branche

Schon jetzt setzt der verbreitende Buchhandel vielerorts auf die Vermeidung von Plastiktüten und bietet dem Kunden gezielt Alternativen: Neben Papiertüten werden Pfandtaschen aus Stoff oder Recyclingmaterial mit attraktiven Motiven zur Verfügung gestellt, um die erworbenen Druckerzeugnisse bequem, sicher und sauber nach Hause zu bringen. In etlichen Buchhandlungen werden sogar überhaupt keine Plastiktüten mehr angeboten. Die Erfahrung zeigt hierbei, dass Kunden verstärkt umweltbewusster reagieren.

In konsequenter Weiterführung dieser schon heute wirksamen Maßnahmen kann der Bucheinzelhandel entsprechend seinem ökologischen Verantwortungsbewusstsein aktiv zur Erreichung der Reduktionsziele beitragen, indem sich möglichst viele Unternehmen an der freiwilligen Selbstverpflichtung beteiligen.

Unausweichlichkeit

Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Verpflichtung, Plastiktüten in Zukunft nur noch kostenpflichtig abzugeben und für das Monitoring Daten und finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, alle Einzelhändler auch ohne Selbstverpflichtung treffen wird – nämlich dann, wenn durch die Selbstverpflichtung keine ausreichende Marktabdeckung erzielt werden kann und das BMUB ein entsprechendes Gesetz verabschieden wird.

Pragmatische Umsetzung

Interessierte Unternehmen aus der Buchbranche können sich über die Beitrittserklärung im Downloadbereich direkt an der Selbstverpflichtung des HDE beteiligen. Die Überprüfung der in Umlauf gebrachten Plastiktüten übernimmt die GVM (Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mbH) mit Sitz in Mainz. Die teilnehmenden Unternehmen melden jeweils bis spätestens 31.01. des Folgejahrs die Mengen der im zurückliegenden Jahr an Endkunden abgegebenen Plastiktüten (siehe Anlage I zur Beitrittserklärung) und leisten bei einer Absatzmenge von über 10 Mio. Plastiktüten einen finanziellen Beitrag für das Monitoring.

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