Mehrwertsteuer bei E-Bundle-Produkten

Die Mehrwert-/Umsatzsteuer muss bei E-Bundle-Produkten getrennt ausgewiesen werden

Bei so genannten E-Bundle-Produkten (gedruckte Verlagserzeugnisse, die zusammen mit elektronischen Produkten angeboten werden, wie z.B. E-Book-Inside-Ausgaben) müssen seit dem 01.01.2016 die unterschiedlichen MwSt./USt.-Sätze (7 % für das Printprodukt, 19 % für den elektronischen Dienstleistungsanteil) getrennt ausgewiesen und besteuert werden. Buchhändler, die seit Januar Bundle-Produkte verkaufen, müssen also sicherstellen, dass Ihr Warenwirtschafts- und Kassensystem unterschiedliche Steuersätze abbilden kann. Andernfalls müssen die Rechnungen aufwändig per Hand erstellt bzw. nachbearbeitet werden.

Wenden Sie sich am besten umgehend an den Anbieter Ihres Warenwirtschaftssystems!

Verlage, welche E-Bundle-Produkte verkaufen sollten inzwischen sämtliche betriebswirtschaftlichen Überlegungen (zur Preiskalkulation) und technischen Umstellungen (etwa zur Abbildung der aufgeteilten Preise in ONIX und EANCOM)  abgeschlossen und die relevanten Daten mit steuerlich korrektem Umsatzsteuerausweis an die Katalogdienstleister insb. das VLB gesendet haben.

Bei der Rechnungstellung von E-Bundle-Produkten durch die Verlage sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass das Aufsplittungsverhältnis (also Preisanteil Print in % und Preisanteil Online in %) mit angegeben wird. Andernfalls können Händler den Rechnungen die für den Weiterverkauf von E-Bundle-Prdoukten notwendigen Informationen nicht entnehmen. Näheres finden Sie in unseren FAQ (Punkt 8.2.) sowie im Merkblatt: Die ordnungsgemäße umsatzsteuerliche Rechnung im Buchhandel.

Der Hintergrund

Mwst.-BildMwst.-Split bei E-Bundle-Produkten© Alexander Kleine

Mit einem Schreiben vom 2. Juni 2014 hat das Bundesministerium der Finanzen (BMF) die Verbände im Buchhandels- und Pressebereich über umsatzsteuerrechtliche Vorgaben informiert, die es aus einer 2013 ergangenen Entscheidung des Bundesfinanzhofs und der im Vorfeld ergangenen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs ableitet. Demnach müssen die Entgelte für E-Bundle und E-Paper-Produkte getrennt ausgewiesen und besteuert werden, das heißt umsatzsteuerlich 7% für das Druckerzeugnis und 19% für das elektronische Produkt als auf „elektronischem Weg erbrachte Dienstleistung“. Der Börsenverein hat zwar für die sogenannten E-Bundles (also Printbuch plus elektronische Dienstleistung) eine Verlängerung der ursprünglich bis Mitte 2014 angekündigten Nichtbeanstandungsfrist erreicht. Seit dem 01.01.2016 müssen Händler den MwSt.-Split für E-Bundle-Produkte jedoch zwingend vornehmen – für die notwendigen Anpassungen und Prozessänderungen im Bereich der Logistik und Warenwirtschaft bleibt daher nicht viel Zeit. Für sogenannte E-Paper-Produkte (Zeitschriften bzw. Periodika mit elektronischer Dienstleistung) gilt, dass bis zum 31.07.2014 lediglich das "Wie" der Ausplittung (Ausplittungsverhältnisse) nicht beanstandet wird, wohl aber, wenn gar nicht gesplittet wurde. Eine weitere Verlängerung der Nichtbeanstandungsfrist gab es im E-Paper-Bereich hingegen nicht.


Von der IG PRO eingesetzte Task Force erarbeitet Lösungsvorschläge

Der Börsenverein bzw. die IG PRO (Prozesse, Rationalisierung, Organisation) im Börsenverein hat aus diesem Grund im September 2014 eine Task Force eingerichtet, welche die technischen Rahmenbedingungen für eine Umsetzung der neuen steuerlichen Richtlinie vorbereiten soll. Die Task Force hat inzwischen Best Practice-Beispiele entwickelt, die als Richtlinie für eine Anpassung der ONIX- und EANCOM-Standarddaten eingesetzt werden sollten. Im Sinne einer Branchenlösung rufen wir alle Marktteilnehmer dazu auf, sich bei der Umsetzung der neuen Anforderungen an die steuerliche Behandlung von E-Bundle-Produkten an den vorliegenden Best Practice-Beispielen zu orientieren. Der steuerlich korrekte Umsatzsteuer-Ausweis kann ab 2016 nur dann übergreifend und branchenweit funktionieren, wenn nach Möglichkeit alle Branchenteilnehmer (also Verlage, Zwischenbuchhandel und Handel) einheitliche Prozesse und Datenstandards verwenden.

Für die schnelle Erarbeitung einer funktionstüchtigen Lösung in den Standarddatensätzen ONIX und EANCOM gilt der Dank v.a. den am Entwicklungs- und Abstimmungsprozess beteiligten Mitgliedern der Task Force, nämlich:

Dr. Detlef Bauer, Libri
Franziska Bickel, Buchhandlung Vogel in Schweinfurt
Stefan Jacob, klopotek
Uwe Janssen, KNV
Christoph Kaeder, Schweitzer
Martin Lüning, Michael Vogelbacher, MVB
Christoph Maris, Thalia
Michael Müller, Umbreit
Dr. Harald Steiner; Thieme

Besonderer Dank gilt Uwe Janssen (Projektverantwortlicher innerhalb der Task Force) und Dr. Detlef Bauer, die maßgeblich v.a. an der Erstellung des Best-Practice-Papiers mitgewirkt haben.

Für welche Produkte muss der MwSt./Ust.-Split genau vorgenommen werden?

Das Schreiben vom Juni 2014 umfasst zunächst alle Bundles mit elektronischem Dienstleistungsanteil (also sowohl Printbücher, als auch Zeitschriften). Unter einer „auf elektronischem Wege erbrachten Dienstleistung“ ist etwa das zusätzliche E-Book, der E-Book-Code oder ein Datenbank-Zugriff zu verstehen. Das BMF hat jedoch die Nichtbeanstandungsfrist lediglich für Bundles mit Printbuch bis zum 01.01.2016 verlängert. Für das so genannte E-Paper (Bundle mit Zeitung oder Zeitschrift) muss der USt-Split bereits seit einigen Jahren vorgenommen werden. Der USt.-Split muss unabhängig von der Frage vorgenommen werden, ob alle Einzelteile eines Bundles auch separat oder ausschließlich im Rahmen des Bundles angeboten werden. Sind die Einzelteile separat erhältlich, sollte der USt.-Split nach dem Anteil der Einzelpreise vorgenommen werden.

Eine kurze und sehr aktuelle Zusammenfassung der Problematik bietet die Präsentation, die der Justiziar des Börsenvereins, Prof. Dr. Christian Sprang, sowie Uwe Janssen (KNV), Leiter der E-Bundle-TaskForce im Börsenverein, im Rahmen der frankfurter Buchmesse am 16.10.2015 gehalten haben.

Neue Standards in ONIX und EANCOM

Die von der o.g. Task Force entwickelte Lösung zeigt den künftigen Standardweg der Abbildung von E-Bundle-Produkten in ONIX und EANCOM. Die Beispiele sind in einem Best-Practice-Papier zusammengestellt und stehen allen Branchenteilnehmern zum Download zur verfügung. Die Verlage sind dazu aufgerufen, im Interesse einer spartenübergreifenden Branchenlösung, die dargestellten Lösungswege in Ihre Systeme zu integrieren und Daten zu E-Bundle-Produkten künftig ausschließlich in dieser Form an die Katalogdienstleister zu melden. Ab wann die relevanten Kataloge Daten in neuer Form verarbeiten können, wird an dieser Stelle, wie auch über die Branchenpresse in Kürze bekanntgegeben.

Bitte beachten Sie beim Download des Best-Practice-Papiers: Da die am 30.06. zuerst eingestellte Version noch Fehler enthielt, folglich durch die Task Force noch überarbeitet und daher vorübergehend vom Netz genommen werden musste, ist lediglich die im Folgenden verlinkte Version 2.1 aktuell und korrekt. Wir möchten Sie daher bitten, Downloads, die vor dem 22.07.2015 getätigt wurden, durch die aktuelle Version 2.1 zu ersetzen.

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Relevante Presseartikel zur E-Bundle-Besteuerung