ABC des Zwischenbuchhandels

Im November 2017 erschien die achte Auflage des ABC des Zwischenbuchhandels:

Download: ABC des Zwischenbuchhandels, 8. Auflage (PDF)

Auf Anfrage erhalten Interessierte ein gedrucktes Exemplar. Kontakt: Sarah Harnecker, Leitung Ressort Zwischenbuchhandel, Telefon: 069 1306-312 , E-Mail: zwibu@boev.de.

Das Glossar wird nach und nach aktualisiert. 

Verlagsauslieferung

Neben den klassischen Funktionen – Bestellannahme, Lagerhaltung, Fakturierung, Auslieferung und Remissionsbearbeitung – bieten die Verlagsauslieferungen (VA) heute ein breites Spektrum zusätzlicher Dienstleistungen für ihre Verlage (Kommittenten) an. Moderne Informationssysteme unterstützen die Vertriebsarbeit der Verlage und deren Vertreter. Die Führung der Debitorenkonten wurde um Finanzdienstleistungen (Delcredere, Factoring oder Inkasso) erweitert. Als weitere Dienstleistung sind bei vielen VA Parkmodelle (Parken) und PoD hinzugekommen. Durch die Vielzahl von Dienstleistungen und Vertragsarten (zwischen Auslieferung und Verlag) ist es schwierig, die VA rechtlich einzuordnen. I. d. R. sind sie keine Kommissionäre nach HGB; aber buchhändlerische Kommissionäre im traditionellen Sinn sind sie nur dann, wenn sie nach dem Mandantenprinzip arbeiten, d. h. wenn sie die Sendung eines Verlages auf eine Rechnung setzen und nicht verlagsübergreifend fakturieren. Verlagsübergreifendes Fakturieren wird erst möglich, wenn Verlage sich zu einer Auslieferungs-, Verlags- oder Versandgemeinschaft zusammenschließen oder wenn sie mit der VA Factoring vereinbaren oder wenn die VA eine juristische Sekunde vor dem Verkauf die auszuliefernden Bücher beim Verlag kauft, d. h. die ausgelieferten Exemplare erwirbt, um sie auf eigene Rechnung zu verkaufen. Im dritten Fall werden diese VA vom Dienstleister (Absatzhelfer) zum Eigenhändler bzw. Großhändler (Absatzmittler). Der Verlag hat den Vorteil, nur noch einen Kunden (nämlich seine VA) zu haben, aber er begibt sich dadurch in eine gewisse Abhängigkeit, denn er verliert die Risikostreuung seiner Forderungen auf viele Kunden und den Einfluss auf die Zahlungskonditionen (weil alles auf eine Rechnung geht). Für die Dienstleistungen der VA zahlt der (Verlags-)Kommittent Provisionen (variable Kosten in Prozent vom Nettoumsatz) und Spesen (Ersatz für fixe, d. h. vom Umsatz unabhängige Kosten) an seine VA. Die Höhe der Provisionen für das Handling und die Fakturierung richtet sich nach der Auslieferungsstruktur des Verlages (Titelzahl, Lagerumschlag, Bündelung pro Bestellzeile, Anzahl der Rechnungen usw.). Die Spesen hängen von der Inanspruchnahme (Lagerraum, Porto, Verpackung, Telefon, Arbeitszeit für Sonderwünsche usw.) ab. Provisionen und Spesen zusammen ergeben die Gebühren, die ein Verlag – i. d. R. monatlich – an seine Auslieferung zu zahlen hat. Auch wenn die Vertriebshoheit beim weisungsberechtigten Verlag bleibt, kann er durch die Einschaltung einer VA einen Großteil seines Vertriebs ausgliedern, um sich ganz den zentralen Bereichen Lektorat, Herstellung, Marketing und Verkauf (samt Vertretereinsatz und -steuerung) zu widmen. In Österreich und der Schweiz wird u. U. auch die Verlagsvertretung (deutscher Verlage) an die dortige VA „outgesourct“. Die Vorteile einer Fremdauslieferung gegenüber der Selbstauslieferung liegen in der überwiegend preisgünstigeren Abwicklung (Bündelungs- und Synergieeffekte, bessere Ausnutzung technischer Einrichtungen und Geräte, Mehrfachnutzung von Softwaremodulen usw.) und der Flexibilisierung der Auslieferungskosten (mehr variable, d. h. umsatzabhängige Kosten statt der weitgehend fixen Kosten der eigenen Auslieferung), im detaillierteren und tagesaktuellen Berichtswesen (Buchungen, Informationen, Statistiken) sowie in der Vermeidung von Kapazitätsengpässen bzw. Überkapazitäten (bezogen auf den einzelnen Verlag). Durch die Zusammenarbeit mit einer VA nimmt der Verlag automatisch an der Weiterentwicklung der Informationssysteme und Logistikdienstleistungen teil. Dennoch halten manche Verlage an der eigenen Auslieferung fest, weil sie mit einer Druckerei verbunden ist, weil sehr viele Endkunden (Letztabnehmer) bedient (und gepflegt) werden, weil die Bücher „im eigenen Haus“ bleiben sollen oder weil die eigene Auslieferung günstiger ist oder erscheint. Die Vorteile einer VA für den Buchhandel liegen in den Bünde lungseffekten, d. h., dass Bestellungen, Anfragen, Lieferungen und Zahlungen, die mehrere Verlage betreffen, von deren VA zusammengefasst werden. Mit der Möglichkeit, Bestellungen so lange zu parken, bis ein bestimmtes Volumen (Wert) erreicht ist oder ein festgelegter Zeitraum überschritten wird, erhöht sich der Bündelungseffekt. Bis in die 1960er Jahre war die VA eine Domäne selbständiger Zwischenbuchhändler oder eines der Unternehmen großer Zwischenbuchhändler, die alle Zweige des Zwischenbuchhandels in ihrer Unternehmensgruppe vereinten, d. h. als Kommissionäre und als Barsortimenter tätig waren und z. T. noch sind. Diese Tradition endete mit der Gründung der Vereinigten Verlagsauslieferung (VVA) durch Bertelsmann (1959). Danach folgte eine ganze Welle von „Ausgründungen“: Alle großen Schulbuchverlage verselbständigten ihre Auslieferungen und nahmen die Programme fremder Verlage auf. Die Auslieferungen ausländischer Verlage sind oft gleichzeitig als (Spezial-)Barsortimente (Import) tätig (sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz und in Österreich). Das wird dadurch gefördert, dass die Auslieferung als Großhandel betrieben wird: Kauf der Verlagserzeugnisse – allerdings mit vollem Remissionsrecht –, Verkauf auf eigene Rechnung und eigenes Risiko, Vertretung und Werbung für mehrere Verlage (gemeinsam), usw. In Deutschland bieten einige VA ihren Kommittenten weitere Vertriebsdienstleistungen (gemeinsame Messeauftritte, Key-Account, d. h. Betreuung von Großkunden usw.) an: Export, Import (Vertriebsservice). Mit der Digitalisierung (E-Book, E-Paper) halten die VA Schritt (Digitale Verlagsauslieferung) und bieten neue Dienste an wie Hosting, Konvertierung u. a. VA haben außerdem schon vor vielen Jahren damit begonnen, ihre Dienstleistung auch Auftraggebern (Mandanten) außerhalb des Buchhandels anzubieten: „Industriegeschäft“. In dem Maße, wie dadurch neue Kunden gewonnen worden sind, hat sich die Dienstleistungspalette erweitert, von weltweitem Prospektversand bis zur Abrechnung von (Kunden-)Kartensystemen. Die Internetadressen der VA finden sich im „Banger“ im Band „Verlagsauslieferungen“ sowie im Adressbuch für den deutschsprachigen Buchhandel (www.adb-online.de), z. B. www.brocom.de, www.cvk.de, www.hgv-online.de, www.kno-va.de, www.lkg-va.de, www.prolit.de, www.de.rhenus.com, www.rungeva.de, www.sovaffm.de, www.svk.de, www.umbreit.de, www.vva-online.net, www.vsb-service.de, u. a.