Verlage in Deutschland 2017

Überblick

  • rund 3.000 Buchverlage
  • rund 24.100 Beschäftigte
  • 5,16 Mrd. Euro Umsatz
  • Rund 7 Prozent der Verlage machen 95 Prozent des Gesamtumsatzes.

1. Situation der Verlage in Deutschland

Verlagslandschaft in Deutschland

In Deutschland gibt es eine breite Buchverlags-Landschaft, die sich grob in drei Typen unterteilen lässt: Verlage und Medien mit Fachinformationen, Publikumsverlage und Bildungsverlage. Ihre wirtschaftliche Situation ist weitgehend stabil: Die rund 3.000 Verlage verzeichneten in den vergangenen zehn Jahren eine überwiegend positive Umsatzentwicklung. 2017 lag der Umsatz bei 5,16 Milliarden Euro. Die meisten Verlage bieten E-Books an, darunter sämtliche großen Verlage. Längst sind die Verlage im digitalen Zeitalter angekommen und begegnen Trends wie dem Self-Publishing mit innovativen Konzepten.

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Anzahl der Verlage

In Deutschland gibt es rund 3.000 Buchverlage. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Firmen, Institutionen und Autoren, die Bücher herausbringen. Die Zahl der Verlage ist in den letzten zehn Jahren nur leicht zurückgegangen. Dies belegt unter anderem die Zahl der Mitgliedsverlage im Börsenverein: Lag sie 2009 bei 1.774, so lag sie 2017 bei 1.644 Verlagen. Der beliebteste Standort für Verlage ist mit 146 Unternehmen Berlin, gefolgt von München (114) und Stuttgart (76). Rund 24.100 Personen sind im Verlagswesen beschäftigt.

Umsatzentwicklung

2017 erwirtschafteten die Verlage in Deutschland mit Büchern rund 5,16 Milliarden Euro. Damit lagen die Verlagserlöse um 1,7 Prozent über denen des Vorjahrs. Insgesamt entwickelten sich die Verlagsumsätze in den vergangenen zehn Jahren nach oben.

Deutliches Wachstum verzeichneten laut Schnellumfrage des Börsenvereins 2017 erneut die Online-Dienste mit einem Plus von 12,7 Prozent. Betrachtet man den Gesamtumsatz der Verlage (Bücher, Zeitschriften, Online-Dienste und andere Produkte und Services) für 2017 nach inhaltlicher Spezialisierung der Häuser, können die Ratgeberverlage und die Fachverlage mit dem zurückliegenden Geschäftsjahr sehr zufrieden sein: Sie erzielten eine kräftige Erlössteigerung von 14,3 Prozent bzw. 6,8 Prozent, getragen wurde diese bei den Ratgeberspezialisten vom Kerngeschäft Buch (plus 24,3 Prozent), bei den Fachverlagen eher von Online-Diensten (plus 16,3 Prozent) und „Sonstigen Waren“ (plus 18,4 Prozent).

Betrachtet man den Gesamtumsatz nach Größenklassen, erwirtschafteten die Unternehmen in der höchsten Umsatzklasse von 50 Mio. Euro und mehr 69,1 Prozent des Gesamtumsatzes, obwohl dieser Kategorie lediglich 20 Verlage angehören.

Die 10 größten deutschen Buchverlage

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Die 10 größten deutschen Publikumsverlage

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2. Buchproduktion und Rechtehandel

  • 82.636 Neuerscheinungen, davon 72.499 Erstauflagen
  • 10.496 Übersetzungen (davon 9.890 Erstauflagen) ins Deutsche
  • 7.856 Lizenzverkäufe ins Ausland

Titelproduktion / Übersetzungen

2017 sind in Deutschland 82.636 Titel auf dem Markt erschienen, davon waren 72.499 Erstauflagen. Der größte Anteil der Erstauflagen entfällt mit 19,7 Prozent auf die Belletristik.

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10.358 Titel wurden 2017 ins Deutsche übersetzt, davon 9.890 in Erstauflage. Das entspricht einem Anteil von 13,6 Prozent aller Erstauflagen. 64,2 Prozent der Übersetzungen stammen aus dem Englischen, dahinter folgen mit großem Abstand Französisch (11,5 Prozent) und Japanisch (6,2 Prozent).

Lizenzen

2017 verkauften die Verlage insgesamt 7.856 Lizenzen ins Ausland. Damit liegt die Zahl der abgeschlossenen Verträge über dem Vorjahresniveau (plus 2,8 Prozent). Kräftig zugenommen haben 2017 etwa die Sachbuch-Lizenzen. Die deutschen Verlage haben den internationalen Rechtehandel seit der Jahrtausendwende stark professionalisiert und ausgeweitet: Damals wurden im Schnitt um die 5.000 Lizenzen pro Jahr verkauft.

Die meisten Lizenzen wurden 2017 mit 14,6 Prozent aller abgeschlossenen Verträge wie in den Jahren zuvor nach China verkauft. Dahinter folgen mit deutlichem Abstand die Türkei und Spanien. Im Ausland besonders gefragt: Deutsche Kinder- und Jugendbücher. 3.037 Titel dieses Genres wurden 2017 verkauft und bilden 38,7 Prozent aller Lizenzverkäufe. Innerhalb dieser Warengruppe stellte das Bilderbuch mit 1.236 Verträgen die meisten Abschlüsse.

3. Verlage und Digitalisierung

E-Book-Produktion

Zum Zeitpunkt der letzten E-Book-Studie des Börsenvereins 2013 hatten 65 Prozent aller Verlage E-Books in ihrem Programm. Das waren 12 Prozent mehr als 2012. Dabei steht das Angebot im Verhältnis zur Verlagsgröße: Während alle großen Verlage in Deutschland E-Books anbieten, waren es 2013 bei den mittleren Verlagen 83 Prozent und bei den kleinen Verlagen 57 Prozent.

Den mit Abstand größten Anteil am E-Book-Umsatz am Publikumsmarkt (für den privaten Bedarf, ohne Schul- und Fachbücher) hat die Belletristik.

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Insgesamt wächst der E-Book-Umsatz nur noch leicht, die Wachstumskurve flacht ab. 2017 hatten E-Books wie im Jahr zuvor einen Umsatzanteil von 4,6 Prozent am Publikumsmarkt. Das Niveau des E-Book-Umsatzes liegt in vielen europäischen Ländern auf ähnlichem Level. Die Käuferzahl ist leicht gesunken, während Absatz und Kaufintensität gestiegen sind.

Digitale Strategien und Geschäftsmodelle

Deutsche Verlage haben die digitale Herausforderung nicht nur angenommen, sondern gestalten sie mit. Neben E-Books entwickeln Verlage verstärkt digitale Produkte, die das Printangebot ergänzen oder Printinhalte mit digitalen Inhalten erweitern. So bietet etwa Westermann mit der „ZOOM“-App die Möglichkeit, Schulbücher mittels Augmented Reality zu erweitern. Damit können Hörtexte, Grammatik-Erklärfilme und weitere lernunterstützende Inhalte genutzt und je nach Leistungsstand beliebig oft abgerufen werden. Auch Haufe stellt mit „smARt-Haufe“ digitale Zusatzinhalte zu seinen Fachbüchern zur Verfügung, darunter Videos, 3D-Modelle und Votings.

Auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen und -feldern kooperieren Verlage mit Start-ups: NWB gründet mit „code and butter“ ein Innovation Lab und beim Acceleator CONTENTshift der Börsenvereinsgruppe werden Start-up-Gründer mit etablierten Branchenunternehmen zusammengebracht. Im Fachbuchbereich hat eine Kooperation zwischen dem Verlag Dr. Otto Schmidt und dem Start-up Lawlift für Aufsehen gesorgt, bei der der Verlag die Legal-Tech-Anwendung mit seinen Inhalten anreichert.

Die Bastei-Lübbe-Ausgründung Community Editions hat reichweitenstarke Influencer als Erfolgsautoren erkannt und bringt ihre Bücher auf den Markt. Der Verlag Droemer Knaur widmet sich angesichts des Leserschwundes den Nicht-mehr- oder Wenig-Lesern und experimentiert gemeinsam mit seinem Bestseller-Fantasy-Autor Markus Heitz: Sie veröffentlichen die „Doors“-Trilogie, die mit dem Schauen von Serien verbundenen Mediengewohnheiten aktiv nutzen soll, um Lust aufs Lesen zu erzeugen. Der Trend zu Digital-Imprints mit Genre-Inhalten setzt sich fort. So haben z.B. Piper, Ullstein, Lübbe und Carlsen eigene Imprints gegündet.


Intensiv arbeiten Verlage zurzeit an neuen Modellen, um Kunden zu erreichen. Zero Channelling (ermöglicht Kunden einen kaum wahrnehmbaren Wechsel zwischen Vertriebskanälen) und Discoverability („Wie findet der Kunde mein Produkt?“) sind Schlagworte der Stunde. Community Building, Influencer Marketing und Reader Analytics sind wichtige Werkzeuge des Marketings.

4. Self-Publishing

Self-Publishing ist ein wachsender Markt in Deutschland. Belastbare Zahlen zu selbstverlegten Titeln liegen nicht vor, man geht aber von einer stetig steigenden Zahl aus. Durch die Möglichkeiten des Internets und kostenloser oder erschwinglicher Software wird Self-Publishing von immer mehr Autorinnen und Autoren als gangbarer Weg der eigenen Buchveröffentlichung angesehen. Gerade für unbekannte Autorinnen und Autoren und Newcomer ist es oft ein Sprungbrett in die Öffentlichkeit. Wirklich erfolgreich ist derzeit noch ein relativ kleiner Anteil der Self-Publisher. In einigen Fällen werden auch klassische Verlage auf Selfpublisher aufmerksam.

Self-Publishing wird auch in Zukunft einer der Wege bleiben, Bücher zu veröffentlichen. Der Börsenverein geht aber davon aus, dass Verlage zentraler Ansprechpartner für die meisten Autoren bleiben werden. Verlage nehmen gerade wegen der wachsenden Informationsflut heute eine immer wichtiger werdende Aufgabe wahr: die qualitative Kuratierung von hochwertigen Inhalten.

Dabei gibt es in jüngster Zeit häufiger Mischformen aus Verlags- und Self-Publishing, die zum Teil auch selbst aus Verlagshäusern stammen. Einige Verlage bringen neue auf Selfpublisher spezialisierte Imprints heraus (z.B. „eRiginals“ von Droemer Knaur oder „e-Originals“ von RandomHouse). Unter dem Titel Oetinger34 hat die Verlagsgruppe Oetinger eine Art Scouting-Plattform für Autoren und Autorinnen gegründet. Die Verlagsgruppe Holtzbrinck hat mit epubli und Droemer Knaur mit neobooks jeweils eigene Self-Publishing-Plattformen aufgebaut. Das heißt, die beiden Felder sind längst nicht mehr dichotom. So bieten bereits einige Verlage ihre Dienstleistungen modular an – im Gegensatz zum klassischen Verlagsmodell, das alle Dienstleistungen von der Herstellung über Lektorat und Marketing bis hin zum Vertrieb bündelt.

4. Fachverlage in Deutschland*

Es gibt rund 600 Fach- und Wissenschaftsverlage in Deutschland. Medien und Produkte von Fachverlagen richten sich überwiegend an B2B-Zielgruppen und werden vor allem im beruflichen Kontext zur Information, Bildung oder Vernetzung genutzt. Der Fachverlagsmarkt teilt sich auf in die Bereiche der Wissenschaftsverlage, Industrieverlage und der Verlage für Recht, Wirtschaft und Steuern.

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Im Gegensatz zu Publikumsverlagen, die sich vorwiegend über den Verkauf von Büchern finanzieren, pflegen Fachverlage ein sehr heterogenes Produktportfolio mit entsprechend vielfältigen Erlösquellen (s. Grafik).

Konkrete Geschäftsmodelle variieren stark: Während Wissenschaftsverlage den Großteil ihrer Erlöse über den Verkauf von gedruckten oder digitalen Medien wie Datenbanken generieren, besteht die Erlösstruktur bei Fachzeitschriftenverlagen im Industriebereich oft aus einer Mischung aus Vertriebs- und Anzeigenerlösen. Dabei sind ausschließlich anzeigenfinanzierte Fachzeitschriften keine Seltenheit.


Fachverlage verstehen sich als Fachmedienhäuser und entwickeln sich zunehmend zu mehrmedialen Wissens- und Kommunikationspartnern für die handelnden Akteure in den Branchen. Die Bereitschaft zum Wandel macht sich bezahlt: So konnten die deutschen Fachverlage 2017 ihren Umsatz um 4,6 Prozent auf rund 7,65 Milliarden Euro steigern. Wachstumstreiber waren wie in den Vorjahren die digitalen Medienangebote.

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Print gibt leicht nach, Digitales legt zu

Printprodukte sind nach wie vor das Kerngeschäft der Fachverlage. Sie steuern 55,7 Prozent (4,26 Milliarden Euro) zum Gesamtumsatz der Fachmedienhäuser bei. Allerdings geben die Printumsätze der Branche leicht nach (minus 0,9 Prozent).


Die beiden größten Umsatzsäulen im Print-Segment der Fachverlage sind die Vertriebs- und die Anzeigenerlöse aus Fachzeitschriften. Bei beiden steht 2017 ein kleines Minus vor der Jahresbilanz. Das Anzeigengeschäft verfehlte das Vorjahresniveau um 0,3 Prozent, der Vertriebsumsatz sank um 0,7 Prozent. Beim Geschäft mit Fachbüchern gingen die Einnahmen um 2,5 Prozent zurück.

Die Erlöse aus digitalen Angeboten wachsen dagegen weiterhin dynamisch. Sie kletterten 2017 um 12,5 Prozent und stellen inzwischen einen Anteil von 31,6 Prozent am Gesamtumsatz der Fach-medienhäuser. Besonders wachstumsstark waren im vergangenen Jahr die digitalen Werbeerlöse (plus 24,3 Prozent).


Das Geschäft mit Messen und Veranstaltungen gewinnt bei den Fachmedienhäusern ebenfalls deutlich an Fahrt (plus 17,9 Prozent). Nach Angaben der Deutschen Fachpresse sind inzwischen etwa sieben von zehn Fachverlagen auch im Veranstaltungsgeschäft aktiv.

Digitale Medien bleiben stärkster Wachstumstreiber

Das größte Umsatzwachstum der Fachmediensegmente wiesen 2016 die digitalen Medien mit einem Plus von 9,6 Prozent (2015: +8,6 Prozent) auf. Ihr Anteil an den Gesamtumsätzen beträgt damit 21,0 Prozent (720 Mio. Euro). Mit 87,2 Prozent trug der Vertrieb digitaler Medien 2016 deutlich stärker zum Gesamtwachstum bei als im Vorjahr (2015: 59%).

Die 10 größten deutschen Fachverlage

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Die Fachpresse-Statistik 2017 der Deutschen Fachpresse wurde methodisch neu aufgesetzt und ist daher mit den Vorjahres-Statistiken nicht vergleichbar. Sie basiert auf einer Marktschätzung und einer Mitgliederbefragung im April 2018. Errechnet wurden die Daten im Auftrag der Deutschen Fachpresse vom Institut Dr. Egon Bellgardt, Frankfurt am Main.

5. Bildungsmedien in Deutschland

Bildungsmedienverlage sind in den Bereichen Frühe Bildung, Allgemeinbildende Schulen, berufliche Bildung (v.a. berufliche Erstausbildung in Schulen und Ausbildungsbetrieben), in der Erwachsenenbildung und in der Lehrerbildung tätig.


Sie entwickeln im Dialog mit Politik, Lernenden und Lehrenden qualitativ hochwertige, lehrplangerechte und aktuelle Bildungsmedien. Die Verlage sind zuständig für die pädagogisch passgenaue Gestaltung von Lerninhalten, die den Lernenden entlang seiner gesamten Bildungsbiographie begleiten. Diese Lerninhalte sind individuell an die Bildungsvorgaben der jeweiligen Bundesländer, der unterschiedlichen Schulformen und der Bildungsstufen angepasst.

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Der Umsatz der Branche lag 2017 bei 600 Mio. Euro: Davon entfallen rund 70 Prozent auf Allgemeinbildende Schulen, 15 Prozent auf die Erwachsenenbildung im Bereich Sprachen und IT, 10 Prozent auf die berufliche Bildung in Schule und Ausbildungsbetrieb sowie 5 Prozent auf die Frühe Bildung.

Digitalisierung

Auch bei der Digitalisierung der Schule sehen sich die Bildungsmedienverlage als Experten für die Entwicklung, Her- und Bereitstellung von curriculumskonformen Bildungsinhalten und deren didaktische Konzeptionierung.

  • Sie bieten eine Reihe von individuellen digitalen Produkten an. Diese sind – vor allem in Abhängigkeit vom Segment – sehr vielfältig. Sie reichen von Open Access bei den Fachverlagen über Virtual Reality in der beruflichen Bildung und Lehrer-Online-Portalen zur Lernstandsmessung in der Grundschule bis hin zu Vokabel-Handy-Apps für erwachsene Lernende.
  • In einer gemeinsamen Erklärung mit der Kultusministerkonferenz haben die Verlage drei Handlungsfelder für die Zukunft digitaler Bildungsmedien formuliert: die systematische Qualifizierung der Lehrkräfte, die Entwicklung von datenschutzkonformen Rahmenbedingungen und die Entwicklung bundesweiter Standards für ein ID-Management System und die Interoperabilität der verschiedenen Systeme

Quellen

Wir danken dem Verband Bildungsmedien, der Deutschen Fachpresse und dem Buchreport für die Unterstützung. Weitere Informationen und Marktdaten finden Sie in der Fachpresse-Statistik (http://bit.ly/fp17-statistik) und den Bildungsmedien-Zahlen (http://bit.ly/bildungsmedien2017) sowie unter www.bildungswelten.info.