Mediendossier: Stationäres Sortiment 2016

Überblick

    • rund 6.000 Buchhandlungen (inkl. Filialen und Buchverkaufsstellen)
    • rund 4,4 Mrd. Euro Umsatz (47,3 Prozent vom gesamten Buchhandelsumsatz)
    • 29.400 Beschäftigte
    • rund 10 Prozent der Buchhandlungen machen über zwei Drittel des Umsatzes.
    • Etwa 90 Prozent der Buchhandlungen sind kleinere, unabhängige Buchläden.
    • Rund zwei Drittel der Buchhandlungen verkaufen Bücher auch online.

    1. Lage des Buchhandels in Deutschland

    Buchhandelsnetz und -umsatz

    Deutschland verfügt über ein weit verzweigtes Buchhandelsnetz, das im internationalen Vergleich vorbildlich ist. Insgesamt gibt es rund 6.000 Buchhandlungen (inkl. Filialen und Buchverkaufsstellen). Die Zahl der Buchhandlungen ist rückläufig. Der Sortimentsbuchhandel ist nach wie vor der stärkste Vertriebsweg für Bücher: Rund die Hälfte des Buchhandelsumsatzes wird im Handel vor Ort gemacht. Dieser Anteil ging in den letzten zehn Jahren tendenziell zurück, parallel stieg der Anteil des Online-Handels am Gesamtumsatz. 2013 und 2014 entwickelte sich der stationäre Buchhandel allerdings erstmals wieder besser als das Internetgeschäft. 2015 und 2016 zog das Online-Geschäft, das auch die Webshops der Buchhandlungen umfasst, wieder an (2016: plus 5,3 Prozent), der Umsatz im Handel vor Ort ging etwas zurück (2016: minus 0,8 Prozent). Die rückläufige Kundenfrequenz in den Innenstädten macht sich auch im Buchhandel bemerkbar, was sich in abnehmenden Käuferzahlen niederschlägt.

    Umsatz mit Büchern nach Vertriebswegen

    Vertriebswege

    Buchhandelslandschaft

    • Von den rund 6.000 Sortimenten sind etwa 4.700 klassische Buchhandlungen (inkl. Filialen), die sich unterteilen in 3.500 kleine, unabhängige Buchhandlungen und 1.200 kettenzugehörige Buchhandlungen. Daneben gibt es rund 1.200 weitere Buchverkaufsstellen, bei denen Bücher nicht das Kernsortiment bilden, jedoch einen gewissen Raum einnehmen (z.B. Tankstellen, größere Lebensmitteleinzelhändler). Die Zahl der klassischen Buchhandlungen geht zurück. Demgegenüber wächst die Zahl an weiteren Buchverkaufsstellen. Immer häufiger bieten etwa Geschäfte des Lebensmitteleinzelhandels oder Drogerien kleine Buchsortimente an.
    • Rund 10 Prozent der Buchhandlungen machen über zwei Drittel des Umsatzes.
    • Es gibt in Deutschland einen unvermindert starken, gut aufgestellten mittelständischen Buchhandel. Dazu gehören einige regionale Filialisten, zahlreichen Nischenbuchhandlungen, aber auch gut sortiertes Allgemeinsortiment vor allem in Ballungsgebieten.
    • Bundesweit führend sind die Buchhandelsunternehmen Thalia, Weltbild (inkl. Jokers) und Hugendubel. Daneben gibt es bundesweite Fachbuchhandlungen (z.B. Schweitzer Fachinformationen, Lehmanns Media) und größere Filialisten auf regionaler Ebene (z.B. Mayersche, Osiander, Rupprecht). Etwa 90 Prozent der Buchhandelsunternehmen sind kleinere, unabhängige Buchläden.
    • Die Konsolidierung der Buchhandelslandschaft ist weitgehend abgeschlossen. Die großen Filialisten haben in den vergangenen Jahren Verkaufsflächen reduziert, in die sie Anfang der 2000er Jahre investiert haben, und Filialen geschlossen. Doch die Lage stabilisiert sich. Während 2015 noch 20.000 Quadratmeter Verkaufsfläche verschwanden, verringerte sich 2016 die Verkaufsfläche der Filialisten zum ersten Mal seit Jahren nicht mehr. Nur noch 20 Filialen wurden geschlossen, dafür 50 neue eröffnet. Auch bei den kleinen Buchhandlungen mussten zahlreiche ihr Geschäft aufgeben, es gab aber auch etliche Neugründungen (Zahlen s.u.).
    • Eine mittelgroße Buchhandlung mit 200 Quadratmetern Fläche hat – je nach Laden- und Sortimentsgestaltung – zwischen 10.000 und 15.000 Bücher vorrätig.

    Online-Handel

    Der stationäre Buchhandel hat frühzeitig auf den digitalen Wandel reagiert und stellt sich mit neuen Strategien auf den sich verändernden Markt ein. Buchhandlungen kombinieren die Vorteile des Handels vor Ort (persönliche Beratung, Einkaufserlebnis) mit denen des Online-Einkaufs (Rund-um-die-Uhr-Bestellung, große Verfügbarkeit). Etwa zwei Drittel der Buchhandlungen betreiben erfolgreiches Cross-Channeling und verkaufen ihre Bücher sowohl im Ladenlokal als auch online. Große wie kleine Sortimenter entwickeln neue Ladenkonzepte und Vertriebsstrategien, um ihr Unternehmen zukunftssicher zu machen.

    2. Umsatzentwicklung des Sortiments- und Onlinebuchhandels

    Nachdem der stationäre Umsatz im Buchhandel 2013 seit Jahren erstmals wieder gestiegen und der Online-Umsatz zurückgegangen war, nahm 2016 der Online-Umsatz erneut zu und konnte ein Plus von 5,3 Prozent verzeichnen. Der Anteil des Internetgeschäfts am Gesamtumsatz beläuft sich auf 18,2 Prozent. Dazu zählen auch die Verkäufe über die Webshops der Buchhandlungen. Der Umsatz im stationären Buchhandel ging um 0,8 Prozent zurück. Nach wie vor macht er aber den größten Teil des Umsatzes aus (47,3 Prozent). Der Umsatz des gesamten Buchmarktes hat 2016 leicht um 1 Prozent zugenommen. Im Zehn-Jahres-Vergleich blieb er – trotz deutlich wachsender Medienkonkurrenz – stabil.

    3. Online-Geschäft im Stationären Sortiment

    E-Book-Markt

    • Über 80 Prozent der Sortimenter bieten E-Books und/oder E-Reader an.
    • Rund 1.500 Buchhandlungen sind an Tolino-System angeschlossen.

    Der Buchhandel vor Ort fungiert heute auch in Sachen E-Book als professioneller Berater. Über 80 Prozent der Sortimenter bieten E-Books und/oder E-Reader an. Rund 1.500 Buchhandlungen in Deutschland verkaufen mittlerweile E-Books über das Tolino-System. 2013 wurde die Tolino-Allianz von Thalia gemeinsam mit Hugendubel, Weltbild, Club Bertelsmann und der Deutschen Telekom gegründet. Die Deutsche Telekom ist im Januar 2017 als Technikpartner ausgestiegen – ihre Anteile hat der japanische Online-Händler Rakuten Kobo übernommen.  Im Gegensatz zum Kindle von Amazon ist der Tolino ein offenes System. Das heißt, Kunden können ihre E-Books bei jedem teilnehmenden Händler kaufen und sie auch auf anderen offenen E-Readern lesen. Seit Ende 2014 ist auch der unabhängige Buchhandel an die Tolino-Allianz angeschlossen, 2015 gewann sie die großen Regionalfilialisten Mayersche und Osiander hinzu. Im Hinblick auf den Umsatz hat der Tolino den Kindle inzwischen beim E-Book-Verkauf eingeholt, sein  Marktanteil liegt bei rund 40 Prozent.

    Online-Präsenz von Buchhandlungen

    • Die Bedeutung des Online-Handels für Buchhandlungen wächst.
    • Rund zwei Drittel der Buchhandlungen sind mit einem eigenen Online-Shop ausgestattet.

    Die Online-Umsätze im Buchhandel wachsen. Die Bedeutung des Online-Vertriebs von gedruckten Büchern und E-Books hängt stark von der jeweiligen Buchhandlung ab. Thalia etwa machte 2015 im Internet ca. 20 Prozent des Gesamtumsatzes, die mittelgroße Buchhandlung Graff in Braunschweig 7,7 Prozent, kleinere Buchhandlungen liegen meist darunter.

    4. Anzahl der Buchhandlungen

    Insgesamt gibt es rund 6.000 Buchhandlungen in Deutschland, inklusive Filialen und Buchverkaufsstellen. Die Zahl dieser Buchhandlungen geht zurück. Indikator dafür ist die Zahl der Mitgliedsbuchhandlungen des Börsenvereins: Sie ging von 4.422 in 2005 auf 3.775 in 2010 und auf 2.964 in 2016 zurück (ohne Filialen). Die meisten Mitgliedsbuchhandlungen gab es 1999 (4.847 Mitglieder). Die Gründe für Austritte sind verschieden, bei einem Großteil handelt es sich um die Aufgabe der Geschäftstätigkeit. Es werden aber auch immer wieder neue Buchhandlungen eröffnet. 2016 sind bundesweit 45 neugegründete Buchhandlungen Mitglied im Börsenverein geworden (2015: 60).

    Buchhandelsdichte

    Die Stadt mit der höchsten Buchhandelsdichte ist Göttingen: Bei 118.914 Einwohnern gibt es 20 Buchhandlungen, also 5.946 Einwohner pro Buchhandlung. Auf Rang 2 folgt Heidelberg (6.251 Einwohner pro Buchhandlung), auf Platz 3 Regensburg (7.656). Die meisten Buchhandlungen absolut gibt es in Berlin (235 Sortimente).

    5. Maßnahmen für die Zukunft

    • Cross-Channeling: Verknüpfung der Vorzüge des stationären und des Online-Handels
    • Buchhandlung als kultureller Treffpunkt
    • Ausbau des Marketings über Veranstaltungen und Kooperationen

    Das Erfolgsrezept für einen Großteil der Buchhandlungen heißt Cross-Channeling. Buchhandlungen verbinden die Vorteile des Online-Services (Rund-um-die Uhr-Beratung und -Bestellung) mit denen des stationären Einkaufs: die Beratungskompetenz und der persönliche Kontakt. Wichtig ist die E-Book- und Online-Kompetenz, um mit  Online-Anbietern mithalten zu können. So bieten Buchhändlerinnen und Buchhändler den Kunden einen Rundum-Service, den kein reiner Online-Händler bieten kann. Besonders erfolgreich sind Buchhandlungen, die sich als kultureller und gesellschaftlicher Treffpunkt in der Stadt, im Viertel oder im Ort positionieren: Durch Veranstaltungen wie Lesungen, Diskussionen, Kinderprogrammen oder Kooperationen mit Schulen, Kindergärten oder anderen Einzelhändlern steigern sie ihre Bekanntheit und werden fester Teil des Stadt- oder Ortslebens. Auch innovative Ladenkonzepte oder eine klare Spezialisierung auf eine Nische zahlen sich aus. Seit 2015 zeichnet die Kulturstaatsministerin kleine, unabhängige Buchhandlungen, die sich in diesen Feldern besonders engagieren, mit dem Deutschen Buchhandlungspreis aus.