Stationäres Sortiment 2017

Überblick

  • Rund 6.000 Buchhandlungen (inkl. Filialen und Buchverkaufsstellen)
    Rund 4,3 Mrd. Euro Umsatz (47,1 Prozent des gesamten Buchhandelsumsatzes)
    27.800 Beschäftigte
    Rund 10 Prozent der Buchhandlungen machen über zwei Drittel des Umsatzes.
    Etwa 90 Prozent der Buchhandlungen sind kleinere, unabhängige Buchläden.
    Rund zwei Drittel der Buchhandlungen verkaufen Bücher auch online.

1. Lage des Buchhandels in Deutschland

Buchhandelsnetz und -umsatz

Deutschland verfügt über ein weit verzweigtes Buchhandelsnetz, das im internationalen Vergleich vorbildlich ist. Insgesamt gibt es rund 6.000 Buchhandlungen (inkl. Filialen und Buchverkaufsstellen). Die Zahl der Buchhandlungen ist rückläufig. Der Sortimentsbuchhandel ist nach wie vor der stärkste Vertriebsweg für Bücher: Rund die Hälfte des Buchhandelsumsatzes wird im Handel vor Ort gemacht. Dieser Anteil ging in den letzten fünfzehn Jahren tendenziell zurück, parallel stieg der Anteil des Online-Handels am Gesamtumsatz. In den letzten drei Jahren verzeichnete das  Online-Geschäft, das auch die Webshops der Buchhandlungen umfasst, ein kontinuierliches Plus – im Jahr 2017 von 1,5 Prozent, während der Umsatz im Handel vor Ort um 2 Prozent zurückging. Die rückläufige Kundenfrequenz in den Innenstädten macht sich auch im Buchhandel bemerkbar. Zudem bekommt der Buchhandel den allgemeinen Rückgang an Buchkäufern zu spüren.

Umsatz mit Büchern nach Vertriebswegen

Vertriebswege

Buchhandelslandschaft

  • Von den rund 6.000 Sortimenten sind etwa 4.700 klassische Buchhandlungen (inkl. Filialen), die sich unterteilen in 3.500 kleine, unabhängige Buchhandlungen und 1.200 kettenzugehörige Buchhandlungen. Daneben gibt es über 1.300 Buchverkaufsstellen, bei denen Bücher nicht das Kernsortiment bilden, jedoch einen gewissen Raum einnehmen (z.B. Tankstellen, größere Lebensmitteleinzelhändler). 
  • Rund 10 Prozent der Buchhandlungen machen über zwei Drittel des Umsatzes.
  • Es gibt in Deutschland einen unvermindert starken, gut aufgestellten mittelständischen Buchhandel. Dazu gehören einige regionale Filialisten, zahlreichen Nischenbuchhandlungen, aber auch gut sortiertes Allgemeinsortiment vor allem in Ballungsgebieten.
  • Bundesweit führend sind die Buchhandelsunternehmen Thalia, Weltbild (inkl. Jokers) und Hugendubel. Daneben gibt es bundesweite Fachbuchhandlungen (z.B. Schweitzer Fachinformationen, Lehmanns Media) und größere Filialisten auf regionaler Ebene (z.B. Mayersche, Osiander, Rupprecht). Etwa 90 Prozent der Buchhandelsunternehmen sind kleinere, unabhängige Buchläden.
  • Die Konsolidierung der Buchhandelslandschaft ist weitgehend abgeschlossen. Die großen Filialisten haben in den vergangenen Jahren Verkaufsflächen reduziert, in die sie Anfang der 2000er Jahre investiert haben, und Filialen geschlossen. Doch die Lage stabilisiert sich. Während 2015 noch 20.000 Quadratmeter Verkaufsfläche verschwanden, verringerte sich 2016 und 2017 die Verkaufsfläche der Filialisten nicht mehr in nennenswertem Umfang. Nur noch 30 Filialen wurden 2017 geschlossen, 28 neue eröffnet. Auch bei den kleinen Buchhandlungen mussten zahlreiche ihr Geschäft aufgeben, es gab aber auch etliche Neugründungen (Zahlen s.u.).
  • Eine mittelgroße Buchhandlung mit 200 Quadratmetern Fläche hat – je nach Laden- und Sortimentsgestaltung – zwischen 10.000 und 15.000 Bücher vorrätig.

Online-Handel

Der stationäre Buchhandel hat frühzeitig auf den digitalen Wandel reagiert und stellt sich mit neuen Strategien auf den sich verändernden Markt ein. Buchhandlungen kombinieren die Vorteile des Handels vor Ort (persönliche Beratung, Einkaufserlebnis) mit denen des Online-Einkaufs (Rund-um-die-Uhr-Bestellung, große Verfügbarkeit). Etwa zwei Drittel der Buchhandlungen betreiben erfolgreiches Cross-Channeling und verkaufen ihre Bücher sowohl im Ladenlokal als auch online. Große wie kleine Sortimenter entwickeln neue Ladenkonzepte und Vertriebsstrategien, um ihr Unternehmen zukunftssicher zu machen.

2. Umsatzentwicklung des Sortiments- und Onlinebuchhandels

Nachdem der stationäre Umsatz im Buchhandel 2013 seit Jahren erstmals wieder gestiegen und der Online-Umsatz zurückgegangen war, nahm 2017 der Online-Umsatz erneut zu und konnte ein Plus von 1,5 Prozent verzeichnen. Der Anteil des Internetgeschäfts am Gesamtumsatz beläuft sich auf 18,8 Prozent. Dazu zählen auch die Verkäufe über die Webshops der Buchhandlungen. Der Umsatz im stationären Buchhandel ging um 2 Prozent zurück. Nach wie vor macht er aber den größten Teil des Umsatzes aus (47,1 Prozent). Der Umsatz des gesamten Buchmarktes hat 2017 leicht um 1,6 Prozent abgenommen. Im Zehn-Jahres-Vergleich blieb er – trotz deutlich wachsender Medienkonkurrenz – stabil.

3. Online-Geschäft im Stationären Sortiment

E-Book-Markt

  • Über 80 Prozent der Sortimenter bieten E-Books und/oder E-Reader an.
  • Rund 2.000 Buchhandlungen sind an Tolino-System angeschlossen.


Der Buchhandel vor Ort fungiert heute auch in Sachen E-Book als professioneller Berater. Über 80 Prozent der Sortimenter bieten E-Books und/oder E-Reader an. Rund 2.000 Buchhandlungen in Deutschland verkaufen mittlerweile E-Books über das Tolino-System. 2013 wurde die Tolino-Allianz von Thalia gemeinsam mit Hugendubel, Weltbild, Club Bertelsmann und der Deutschen Telekom gegründet. Die Deutsche Telekom ist im Januar 2017 als Technikpartner ausgestiegen – ihre Anteile hat der japanische Online-Händler Rakuten Kobo übernommen.  Im Gegensatz zum Kindle von Amazon ist der Tolino ein offenes System. Das heißt, Kunden können ihre E-Books bei jedem teilnehmenden Händler kaufen und sie auch auf anderen offenen E-Readern lesen. Seit Ende 2014 ist auch der unabhängige Buchhandel an die Tolino-Allianz angeschlossen, 2015 gewann sie die großen Regionalfilialisten Mayersche und Osiander hinzu. Im Hinblick auf den Umsatz hat der Tolino gegenüber dem Kindle inzwischen beim E-Book-Verkauf aufgeholt, sein Marktanteil liegt bei rund 40 Prozent.

Online-Präsenz von Buchhandlungen

  • Die Bedeutung des Online-Handels für Buchhandlungen wächst.
  • Rund zwei Drittel der Buchhandlungen sind mit einem eigenen Online-Shop ausgestattet.


Die Online-Umsätze im Buchhandel wachsen. Die Bedeutung des Online-Vertriebs von gedruckten Büchern und E-Books hängt stark von der jeweiligen Buchhandlung ab. Thalia etwa machte 2015 im Internet ca. 20 Prozent des Gesamtumsatzes, die mittelgroße Buchhandlung Graff in Braunschweig 7,7 Prozent, kleinere Buchhandlungen liegen meist darunter.

4. Anzahl der Buchhandlungen

Insgesamt gibt es rund 6.000 Buchhandlungen in Deutschland, inklusive Filialen und Buchverkaufsstellen. Die Zahl dieser Buchhandlungen geht zurück. Indikator dafür ist die Zahl der Mitgliedsbuchhandlungen des Börsenvereins: Sie ging von 4.422 in 2005 auf 3.775 in 2010 und auf 2.844 in 2017 zurück (reine Unternehmen, ohne Filialen). Die meisten Mitgliedsbuchhandlungen gab es 1999 (4.847 Mitglieder). Die Gründe für Austritte sind verschieden, bei einem Großteil handelt es sich um die Aufgabe der Geschäftstätigkeit. Es werden aber auch immer wieder neue Buchhandlungen eröffnet. 2017 sind bundesweit 37 neugegründete Buchhandlungen Mitglied im Börsenverein geworden (2016: 45).

Buchhandelsdichte

Die Stadt mit der höchsten Buchhandelsdichte ist Göttingen: Bei 119.177 Einwohnern gibt es 18 Buchhandlungen, also 6.621 Einwohner pro Buchhandlung. Auf Rang 2 folgt Heidelberg (7.269 Einwohner pro Buchhandlung), auf Platz 3 Regensburg (7.823). Die meisten Buchhandlungen absolut gibt es in Berlin (236 Sortimente).

5. Maßnahmen für die Zukunft

  • Cross-Channeling: Verknüpfung der Vorzüge des stationären und des Online-Handels
  • Buchhandlung als kultureller Treffpunkt
  • Ausbau des Marketings über Veranstaltungen und Kooperationen


Das Erfolgsrezept für einen Großteil der Buchhandlungen heißt Cross-Channeling. Buchhandlungen verbinden die Vorteile des Online-Services (Rund-um-die Uhr-Beratung und –Bestellung, E-Books) mit denen des stationären Einkaufs: die Beratungskompetenz und der persönliche Kontakt. So bieten Buchhändlerinnen und Buchhändler den Kunden einen Rundum-Service, den kein reiner Online-Händler bieten kann. Angesichts sinkender Käuferzahlen beschäftigen sich Buchhandlungen intensiv mit Lösungen, wie sie Marketing, Kundenansprache und Veranstaltungsformate noch konsequenter auf die Bedürfnisse potenzieller Leserinnen und Leser ausrichten können. Unter anderem kommt es darauf an, den Menschen die Orientierung im großen Titelangebot zu erleichtern, den Kunden ein Erlebnis rund ums Buch zu schaffen und das Buch verstärkt in den Alltag der Menschen zu bringen. 

Besonders erfolgreich sind Buchhandlungen, die sich als kultureller und gesellschaftlicher Treffpunkt in der Stadt, im Viertel oder im Ort positionieren: Durch Veranstaltungen wie Lesungen, Diskussionen, Kinderprogrammen oder Kooperationen mit Schulen, Kindergärten oder anderen Einzelhändlern steigern sie ihre Bekanntheit und werden fester Teil des Stadt- oder Ortslebens. Auch innovative Ladenkonzepte oder eine klare Spezialisierung auf eine Nische zahlen sich aus. Seit 2015 zeichnet die Kulturstaatsministerin kleine, unabhängige Buchhandlungen, die sich in diesen Feldern besonders engagieren, mit dem Deutschen Buchhandlungspreis aus.