Rechte und Pflichten in der Ausbildung

Ausbildungsdauer
Die Ausbildungsordnung sieht für die Ausbildung eine Dauer von 36 Monaten vor. In zwei Fällen, die im Buchhandel kaum vorkommen, muss eine Vorleistung angerechnet werden: ein Berufsgrundbildungsjahr (Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung; Schwerpunkt: Absatzwirtschaft und Kundenberatung) oder der Besuch einer bestimmten Form von Berufsfachschule, wenn in deren Abschlusszeugnis diese Anrechnung ausgewiesen ist.

In anderen Fällen kann eine Verkürzung vereinbart werden: bei Mittlerer Reife um sechs Monate, bei Fachhochschulreife oder Hochschulreife um zwölf Monate. Wir raten den Ausbildungsfirmen des Buchhandels, von dieser Verkürzungsmöglichkeit nur sehr behutsam Gebrauch zu machen, weil der Lernstoff sehr umfangreich ist und die Möglichkeit der vorzeitigen Prüfung genau bedacht werden muss. „Die Ausbildung dauert drei Jahre.“ (Ausbildungsordnung, § 2)

Ausbildungsvertrag
Abweichend vom allgemeinen Arbeitsrecht muss ein Berufsausbildungsvertrag immer schriftlich abgefasst sein und vom Ausbildungsbetrieb unverzüglich der zuständigen Industrie- und Handelskammer zur Eintragung in das „Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse“ eingereicht werden.

Beendigung des Ausbildungsverhältnisses
Als befristetes Vertragsverhältnis endet das Ausbildungsverhältnis mit Ablauf der Ausbildungszeit. Meist liegt der Termin der Abschlussprüfung aber vor dem vereinbarten Ende der Ausbildungszeit. Wird die Prüfung bestanden, so endet das Ausbildungsverhältnis mit Bestehen der mündlichen Abschlussprüfung.

Berichtsheft
„Der Auszubildende hat ein Berichtsheft in der Form eines Ausbildungsnachweises zu führen. Ihm ist Gelegenheit zu geben, das Berichtsheft während der Ausbildungszeit zu führen ..." (Ausbildungsordnung, § 6)

Die Form der Berichtsheftführung (Wochenberichte, Monatsberichte) wird von der Industrie- und Handelskammer festgelegt. Das Führen des Berichtsheftes ist eine der Zulassungsvoraussetzungen zur Abschlussprüfung; das Berichtsheft wird aber nicht benotet. Manche Prüfungsausschüsse greifen in den „Praktischen Übungen“ mit ihren Fragen auf die Eintragungen im Berichtsheft zurück.

Berufsschulpflicht
Im dualen System der Berufsbildung gibt es zwei „Lernorte“: den Ausbildungsbetrieb und die Berufsschule.

Die Berufsschulpflicht besteht, wenn die Ausbildung vor Vollendung des 21. Lebensjahres begonnen wird. Wer nicht berufsschulpflichtig ist, sollte als „Berufsschulberechtigter“ die Fachklasse besuchen.

Industrie- und Handelskammer
Diese sind nach dem Berufsbildungsgesetz die „zuständigen Stellen“ für die Organisation und Überwachung der Berufsausbildung für kaufmännische Berufe. Sie prüfen die Eignung der Ausbildungsstätten und der Ausbilder, kontrollieren und registrieren die Ausbildungsverträge, bestellen Prüfungsausschüsse und organisieren die Prüfungen. In ihren Berufsbildungsabteilungen gibt es für die verschiedenen Berufsgruppen eigene Ausbildungsberater.

Kündigung
„Während der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis jederzeit ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden. Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis nur gekündigt werden: aus einem wichtigen Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist oder vom Auszubildenden mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen, wenn er die Berufsausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen will“ (Berufsbildungsgesetz § 15, 1-2)

Nichtige Vereinbarungen
Das Berufsbildungsgesetz zählt in § 5 einige Tatbestände auf, die in einem Ausbildungsvertrag nicht vereinbart werden können. Etwaige Absprachen darüber sind nichtig, das heißt, sie sind wirkungslos und gelten als nicht vereinbart. Ein Beispiel: „Eine Vereinbarung, die den Auszubildenden für die Zeit nach der Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses in der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit beschränkt, ist nichtig. Dies gilt nicht, wenn sich der Auszubildende innerhalb der letzten drei Monate des Berufsausbildungsverhältnisses dazu verpflichtet, nach dessen Beendigung mit dem Ausbildenden ein Arbeitsverhältnis auf unbestimmte Zeit einzugehen ...“ (Berufsbildungsgesetz, § 5, 1)

Erst in den letzten drei Monaten der Ausbildungszeit können unter bestimmten Bedingungen Absprachen mit dem Ausbildungsbetrieb für die Zeit nach der Ausbildung getroffen werden. Bis dahin hat der Auszubildende seinen Ausbildungsbetrieb gut genug kennen gelernt und kann ihn in das Gesamtbild der Branche einordnen.

Probezeit
„Das Berufsbildungsverhältnis beginnt mit der Probezeit. Sie muss mindestens einen Monat und darf höchstens drei Monate betragen.“ (Berufsbildungsgesetz, § 13) Wegen der eingeschränkten Kündigungsmöglichkeiten während der befristeten Ausbildungszeit ist für ein Ausbildungsverhältnis eine Probezeit verbindlich vorgeschrieben.

Prüfung
Ziel der Berufsausbildung ist die Abschlussprüfung. Worauf sie sich erstreckt, ist in § 8 der Ausbildungsverordnung genau ausgeführt. Sie umfasst die schriftliche und mündliche Prüfung. Schriftlich geprüft werden die Fächer „Wirtschafts- und Sozialkunde“, „Rechnungswesen“, „Buchhandelsbetriebslehre“.

„Zur Abschlussprüfung ist zuzulassen: wer die Ausbildungszeit zurückgelegt hat oder wessen Ausbildungszeit nicht später als zwei Monate nach dem Prüfungstermin endet; wer an der vorgeschriebenen Zwischenprüfung teilgenommen sowie vorgeschriebene Berichtshefte geführt hat ...“ (Berufsbildungsgesetz, § 39, 1).

Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine vorzeitige Prüfung in Frage kommen, wodurch die Ausbildungszeit um das letzte halbe Jahr verkürzt wird. Wird ausnahmsweise einmal die Prüfung nicht bestanden, kann sie ein halbes Jahr später wiederholt werden - sogar zweimal.

Tarifvertrag
In den Tarifverträgen für den Einzelhandel und für die Buch- und Zeitschriftenverlage werden z.B. Arbeitszeit, Urlaubsanspruch, Ausbildungsvergütung etc. geregelt.

Vergütung
„Der Ausbildende hat dem Auszubildenden eine angemessene Vergütung zu gewähren. Sie ist nach dem Lebensalter des Auszubildenden so zu bemessen, dass sie mit fortschreitender Berufsausbildung, mindestens jährlich, ansteigt.“ (Berufsbildungsgesetz, § 10, 1). Die Höhe der Ausbildungsvergütung regeln die Tarifverträge.

Verlängerung der Ausbildungszeit
Auch wenn das Interesse der Auszubildenden sich eher auf eine Verkürzung der Ausbildungszeit richtet, sollte bekannt sein, dass in besonderen Fällen über die Industrie- und Handelskammer die Ausbildungszeit auch verlängert werden kann, wenn dies erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Der Anstoß dazu muss vom Auszubildenden kommen, der Ausbildungsbetrieb kann diesen Antrag nicht stellen. Auch in dem Fall, dass ein Auszubildender die Abschlussprüfung nicht besteht, sieht das Berufsbildungsgesetz die Möglichkeit einer Verlängerung vor, die der Auszubildende ganz allein bewirken kann: „Besteht der Auszubildende die Abschlussprüfung nicht, so verlängert sich das Berufsausbildungsverhältnis auf sein Verlangen bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung, höchstens um ein Jahr.“ (Berufsbildungsgesetz, § 14, 3)

Vorzeitige Prüfung
Werden vom Auszubildenden überdurchschnittliche Leistungen erbracht, was vor allem an den Noten der Berufsschule abzulesen ist, kann eine vorzeitige Prüfung infrage kommen. „Der Auszubildende kann nach Anhören des Ausbildenden und der Berufsschule vor Ablauf seiner Ausbildungszeit zur Abschlussprüfung zugelassen werden, wenn seine Leistungen dies rechtfertigen.“ (Berufsbildungsgesetz, § 40, 1).

Zeugnis
Nach Abschluss der Ausbildung hat der Auszubildende Anspruch auf ein Zeugnis. Dieses ist zum Zeitpunkt des Ausbildungsabschlusses auch dann auszustellen, wenn der ehemalige Auszubildende im selben Betrieb weiterbeschäftigt wird. „Der Ausbildende hat dem Auszubildenden bei Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses ein Zeugnis auszustellen ... Das Zeugnis muss Angaben enthalten über Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung sowie über die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse des Auszubildenden. Auf Verlangen des Auszubildenden sind auch Angaben über Führung, Leistung und besondere fachliche Fähigkeiten aufzunehmen.“ (Berufsbildungsgesetz, § 8)

Zwischenprüfung „Zur Ermittlung des Ausbildungsstandes ist eine Zwischenprüfung durchzuführen. Sie soll in der Mitte des zweiten Ausbildungsjahres stattfinden.“ (Ausbildungsordnung, § 7, 1)