Mitgliederumfrage

Ausbildung im Buchhandel

Bilden Sie aus? Haben Sie mal ausgebildet? Welche Gründe sprechen dafür und welche dagegen, ein Ausbildungsbetrieb im Buchhandel zu sein?

Zum Thema Ausbildung im Sortiment haben wir im Herbst 2013 zur Umfrage aufgerufen. Knapp 90 BuchhändlerInnen haben sich beteiligt. Für die Teilnahme bedanken wir uns herzlich!

Folgende Ergebnisse können wir vorstellen:

Bilden Sie aus?
Ja    - 49 %
Nein - 51 %

NRW_Grafik_Bezirksfachklasse© BöV NRW

Von den 51 % Nicht-Ausbildern haben 81 % früher jedoch ausgebildet.

Von den 49 % Ausbildern bildet die große Mehrheit einen bis zwei Auszubildende auf einmal aus.

86 % der Azubis besuchen die Bezirksfachklasse (Gründe: Nähe zum Betrieb, keine Kosten, Abwechslung in Theorie und Praxis, kein wochenlanges Fehlen im Betrieb).

14 % der Azubis besuchen den Blockunterricht am mediacampus frankfurt (Gründe: bessere Planung durch Vorhersehbarkeit der Abwesenheit, Qualität, volle Einsetzbarkeit zwischen den Blöcken).

NRW_Grafik_Nicht_ausbilden© BöV NRW

Abschließend wurde gefragt, unter welchen Umständen die nicht ausbildenden Betriebe wieder ausbilden würden. Folgede Antworten wurden in der Hauptsache genannt: finanzielle Förderung, bessere Perspektive für den Beruf, wenn es dem Betrieb besser geht, wenn sich geeignete Bewerber finden.

Ausgewählte zusätzliche Anmerkungen der Umfrageteilnehmer:

  • "Wir leben davon, dass Buchhändler gut verkaufen, hohe Beratungskompetenz haben und eine gute Allgemeinbildung besitzen. Das kann die Berufsschule unterstützen. Wir brauchen NIEMANDEN, der die doppelte Buchführung beherrscht, Fächer mit 'Management' im Namen erlernt und Badminton in der Schule spielt."
  • "Das grundlegende Problem scheint mir die mangelnde Berufsperspektive zu sein, sodass ich nur noch diejenigen ausbilden würde, die anschließend 'weiter' wollen."
  • "Ich finde die Unterstützung von Seiten des Börsenvereins (Azubimappe, Pdfs zu diversen Themen, Rechtsberatung) und der SIHK (Ansprechpartner für Fragen) sehr hilfreich und erwähnenswert."
  • "Meine Buchhandlung ist fast ein Einmannbetrieb. Alles mache ich selber. Für einen Auszubildenden habe ich nicht genug Arbeit und Geld. Ich möchte mich nicht auf längere Zeit an jemanden binden."
  • "Mehrere Azubis haben abgebrochen, wegen zu hoher Belastung."
  • "Sehr wenige geeignete d.h. literarisch interessierte Bewerber mit Spaß am Umgang und Gespräch mit Kunden."
  • "Es ist sehr schwer für Betriebe und Azubis den Anforderungen gerecht zu werden. Mit einem nicht so guten Abgangszeugnis einer Realschule kann man als klassischer Buchhändler kaum noch die Prüfung bestehen. Zudem hat man doch erhebliche Schwierigkeiten eine Stelle zu finden. Wir haben hier Jugendliche, die sozial nicht so gut gestellt sind und sich in der Schule als auch im Betrieb sehr gut entwickeln."
  • "Aus meiner Arbeit im Prüfungsausschuss muss ich leider feststellen, dass oft weniger als 1/3 der fertigen Azubis auch eine Stelle im Buchhandel bekommen. Buchhändler ein Beruf mit Zukunft oder doch eher eine Berufung für wenige?"
  • "Das Verhältnis monatliches Ausbildungsentgelt und betriebliche Anwesenheit passen nicht zusammen. Außerdem fehlen fast allen, die sich für eine Ausbildung interessieren, normale literarische Kenntnisse. Auch das Abitur als Schulabschluss ist nicht immer hilfreich, da die Ausbildung nur für Wartezeiten auf ein Studium genutzt wird. Umgangsformen gegenüber den Kunden lassen ebenfalls zu wünschen übrig. Mit Leib und Seele Buchhändler werden und sein, scheint kaum noch jemand zu mögen."
  • "Für 'meinen' Teil der Branche - Antiquariat - ist es schwer BewerberInnen zu finden."
  • "Ausbildung ist für uns wirklich mittlerweile teuer! Wir würden viel mehr ausbilden, wenn ein Azubigehalt nicht mittlerweile 2x Aushilfen kostentechnisch ersetzt, aber nicht arbeits- und planungstechnisch."
  • "Ich bin sehr unzufrieden mit den Schulzeiten der Azubis. Durch den Nachmittagsunterricht in Düsseldorf fehlt der Azubi alle 2 Wochen zwei ganze Tage + 1 freien Tag pro Woche. Damit ist er ganze 3 Tage in der Buchhandlung. Dadurch und durch den langen Anfahrtsweg verliert die Buchhandlung wertvolle Ausbildungszeit. Wieso müssen sich alle Berufsschüler in Düsseldorf treffen, wo offensichtlich nicht genügend Räume zur Verfügung stehen?"
  • "Als kleine Buchhandlung haben wir in der Vergangenheit insgesamt neun Ausbildungen/Umschulungen erfolgreich durchgeführt. Im eigenen Unternehmen konnten wir aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung leider keine langfristige Perspektive anbieten."
  • "Lohnt sich die Ausbildung noch? Gibt es nach der Ausbildung Stellen"
  • "Zu viel Aufwand, zu viel Ärger mit Auszubildenden, außerdem wenig Perspektiven für Azubis."
  • "In den letzten Jahren war es üblich, dass die einmal vergebenen Berufsschultage während der gesamten Ausbildung blieben. Jetzt im Herbst 2013 erhält das 3. Ausbildungsjahr plötzlich andere Berufsschultage, die mit unserer Auszubildenden im 2. Berufsschuljahr kollidieren. Findet sich da keine Regelung, werden wir zukünftig nur noch eine/n Auszubildende einstellen. Die Änderung der Berufsschultage zieht viel zu viel Aufwand nach sich (3 Kollegen müssen nun ihren freien Tag verlegen), abgesehen davon, dass beide Azubis nun am gleichen Tag in der Schule sind. Festgelegte Berufsschultage sollten so bleiben, damit Planungssicherheit besteht. Mein Vorschlag wäre sowieso: 1. Azubijahr - keine Schule sondern nur Ausbildung im Betrieb, 2. und 3. Jahr begleitend mit Schule."
  • "Wir sind seit über 60 Jahren Ausbildungsbetrieb. Daran wird sich auch nichts ändern, solange wir geeignete Bewerberinnen und Bewerber finden. Bisher hatten wir damit nie Probleme. Der Platz für das nächste Jahr ist auch schon vergeben."