Projekte des Börsenvereins und der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins

Eine Übersicht weiterer Projekt-Webseiten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Alle Projekte

Kontakt
Bedrohte Verleger*innen und Buchhändler*innen weltweit

Aktuelle Fälle

Verfolgte Verleger*innen und Buchhändler*innen durch Protest- und Solidaritätsschreiben unterstützen

Bücher verlegen und verkaufen ist vielerorts gefährlich. In zahlreichen Ländern der Welt werden Verleger und Buchhändler verfolgt – weil sie ihrer Arbeit nachgehen und von ihrem Recht auf Meinungs- und Publikationsfreiheit Gebrauch machen. Wählen Sie eine Region aus, informieren Sie sich und werden Sie aktiv, indem Sie Solidaritäts- oder Protestschreiben verfassen. Setzen Sie sich für diese Menschen ein und zeigen Sie ihnen, dass sie nicht alleine stehen in ihrem Einsatz für das Wort und die Freiheit.

Gemeinsam mit Partnern setzen wir uns auch für verfolgte Autor*innen und Journalist*innen ein:

PEN
Reporter ohne Grenzen

Für folgende Länder sind uns Fälle bekannt
Ägypten, Bangladesh, China, Indien, Iran, Malaysia, Myanmar, Pakistan, Türkei, Vietnam, Weissrussland


China

Bei Ling

Bei Ling

Im Exil

Der chinesische Dichter und Verleger des Taiwaner Tendency Verlags setzt sich schon seit den 80er Jahren für Meinungsfreiheit und Reformen in China ein. Er lebte eine Zeit lang in den USA, kehrte aber 1993 nach China zurück, wo er das literarische Magazin Tendency herausgab. Im Jahr 2000 wurde er verhaftet, aber aufgrund von großem internationalen Druck nach 15 Tagen wieder freigelassen. 2001 gründete er dann den Tendency Verlag in Taiwan, mit dem Ziel, die Werke von Schriftstellern im Exil zu verlegen. Seit 2013 ist er Vorsitzender des Unabhängigen PEN-Zentrums China.

Mehr Informationen

Gui Minhai

Gui Minhai

Inhaftiert

Gui Minhai wurde 1964 in der ost-chinesischen Stadt Ningbo (südlich von Shanghai) geboren, ging 1988 für ein weiterführendes Studium nach Göteborg und erhielt 1989 im Zuge des Massakers auf dem Tiananmen Platz eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Seit 1992 ist Gui Minhai schwedischer Staatsbürger.
2006 wurde er Mitglied des Independent Chinese PEN Centre und beteiligte sich aktiv an ihren Kampagnen für Meinungsfreiheit in China. In dieser Funktion reiste er zu internationalen Menschenrechtskonferenzen, wo er auch öffentliche Vorträge zur Situation in China hielt. Aufgrund dieser Aktivitäten wurde Gui 2008 erstmals die Einreise nach China verwehrt.
2012 gründete er in Hongkong den Verlag Mighty Current Media, der sich auf die Politik der Kommunistischen Partei Chinas und auf das Privatleben führender chinesischer Politiker spezialisierte. 2014 erwarb Mighty Current die Hongkonger Buchhandlung Causeway Bay, in der viele Besucher aus dem chinesischen Festland Bücher erwarben, die in ihrer Heimat nicht erscheinen durften.
Gui war sich der Gefahr seiner Tätigkeit bewusst, hielt sich vom chinesischen Festland fern und verbrachte viel Zeit in seinem Feriendomizil in Thailand. Dort hielt er sich am 17. Oktober 2015 auf, als er verschleppt und auf das chinesische Festland gebracht wurde. Das erste Lebenszeichen von Gui Minhai kam danach in Form eines Videos, das am 17. Januar 2016 im chinesischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, in dem Gui gestand, im Jahr 2003 ein Schulkind in einem Verkehrsunfall ums Leben gebracht zu haben.
Während vier seiner Kollegen aus dem Umfeld des Causeway Bay Buchladens, die ebenfalls im Oktober 2015 verschleppt wurden, im Laufe des Jahres 2016 wieder freikamen, wurde Gui erst im Oktober 2017 aus dem Gefängnis entlassen. Daraufhin lebte er abgeschirmt und streng überwacht in seiner Heimatstadt Ningbo.
Am 20. Januar 2018 saß er gemeinsam mit zwei Mitarbeitern des schwedischen Konsulats im Zug auf dem Weg zur schwedischen Botschaft nach Peking, als zehn chinesische Beamte in Zivil das Abteil stürmten und ihn abführten. Am 10. Februar gab Gui, flankiert von chinesischen Polizeibeamten, eine Pressekonferenz, in der er sagte, dass er in Zukunft in China bleiben wolle. Die schwedische Regierung bezichtigte er, ihn in eine Falle gelockt zu haben. Er erwäge nun, die schwedische Staatsbürgerschaft abzulegen. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass Gui diese Aussagen nicht aus freien Stücken gemacht hat.
Das war das letzte Mal, dass die Öffentlichkeit und seine Familie Gui Minhai gesehen bzw. von ihm gehört haben. Man vermutet, dass er in einem Gefängnis nahe Ningbo sitzt. Ein schwedischer Arzt, der ihn besuchen durfte, hat festgestellt, dass er unter einer schweren Nervenkrankheit leidet – wahrscheinlich ein Resultat seiner Haftbedingungen. Am 25. Februar 2020, während das Land aufgrund der Corona-Epidemie in weiten Teilen lahmgelegt war, verurteilte ein chinesisches Gericht Gui zu zehn Jahren in Haft, weil er geheime Informationen illegal im Ausland preisgegeben haben soll. Viele Regierungen, darunter Schweden und die USA, reagierten empört auf das Urteil und forderten seine sofortige Freilassung.
Im Jahr 2018 erhielt Gui Minhai den Prix Voltaire der International Publishers Association (IPA). In ihrer Begründung sagte die IPA, Gui habe einen wichtigen Beitrag zur freien Verbreitung von Ideen geleistet und sich auf Menschenrechtskonferenzen und im Independent Chinese PEN Centre stark für Meinungs- und Publikationsfreiheit eingesetzt. Mit der Verleihung des Preises an Gui Minhai wollte die IPA seinen Mut auszeichnen, trotz der ihm bekannten Gefahren seine Werke zu publizieren. Außerdem wollte die IPA ein Signal an die Hongkonger Buchbranche senden, die sich seit dem Verschwinden Gui Minhais vermehrt in Selbstzensur übt. 2019 erhielt Gui Minhai den Tucholsky Preis des schwedischen PEN Zentrums, woraufhin der chinesische Botschafter mit schweren Konsequenzen gegenüber der schwedischen Regierung drohte und die schwedische Kulturministerin Amanda Lind, die an der Verleihung teilgenommen hat, zur persona non grata erklärte.
Gui Minhais Tochter Angela, die derzeit in Cambridge promoviert, setzt sich seit seinem Verschwinden stark für die Freilassung ihres Vaters ein. Unter anderem hat sie den Prix Voltaire an ihren Vater an seiner Stelle entgegengenommen. Im Februar 2019 wurde sie von der schwedischen Botschafterin in China zu einem Treffen in einem Stockholmer Hotel eingeladen, an dem einige chinesische Geschäftsleute mit Beziehungen zur Kommunistischen Partei Chinas teilnahmen. Diese haben versucht, Druck auf sie auszuüben und ihr in Aussicht gestellt, dass ihr Vater aus der Haft entlassen werden könnte, wenn sie ihre Kampagne für seine Freilassung und jegliche öffentlichen Auftritte beenden würde. Die Anwesenheit der schwedischen Botschafterin vermittelten Angela Gui, dass dieses Treffen auf eine Initiative der schwedischen Regierung zurückgehe. Doch auf Nachfrage vermeldete ihr das Außenministerium, dass es nichts von dem Treffen wusste. Infolgedessen wurde die schwedische Botschafterin von ihrem Amt freigestellt. Am 9. Dezember 2019 wurde sie angeklagt, willkürlich mit einer ausländischen Macht verhandelt zu haben, worauf ein Höchstmaß von zwei Jahren Haft steht.

Mehr Informationen

Lam Wing-kee

Lam Wing-kee

Im Exil

Der ehemalige Eigentümer und Geschäftsführer der Hongkonger Buchhandlung Causeway Bay Books wurde 2015, wie Gui Minhai und drei weitere Personen, die mit der Buchhandlung zu tun hatten, entführt. Die Buchhandlung vertreibt u.a. Bücher, die sich kritisch mit den politischen Zuständen in China auseinandersetzen. Er wurde auf das chinesische Festland gebracht, ins Gefängnis geworfen und dort nach eigenen Angaben aufgefordert, Kollegen und Kunden zu verraten. 2016 wurde er unter dem Vorwand aus dem Gefängnis entlassen, sensible Kundendaten zu besorgen, die er auf einer Festplatte gespeichert hatte. Er entschied sich dafür, in Hongkong an die Öffentlichkeit zu gehen und das Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte anzuprangern. Nachdem er sich eine Weile lang inkognito in Hongkong aufgehalten hatte, zog Lam im April 2019 nach Taiwan. Der Börsenverein lud ihn 2019 auf die Frankfurter Buchmesse ein, wo er auf der Mahnwache für seinen inhaftierten Freund und Kollegen Gui Minhai sprach. Im April 2020 eröffnete er in Taipeh eine neue Buchhandlung.

Mehr Informationen

Yao Wentian

Yao Wentian

Inhaftiert

Der chinesische Verleger und frühere Chefredakteur der Hongkonger Morning Bell Press hat Literatur von und über chinesische Dissidenten verlegt, u.a. eine Anthologie von Schriftstellern im Gefängnis. Yao wurde im Oktober 2013 verhaftet, offiziell, weil er den Import von Farbe nicht dem Zoll angegeben haben soll. Er wurde im Mai 2014 zu zehn Jahren Haft verurteilt. Yao Wentian ist über 80 Jahre alt, hat eine Herzkrankheit und ist bereits mehrmals im Gefängnis bewusstlos umgefallen. Ein Antrag auf medizinische Behandlung außerhalb des Gefängnisses wurde abgelehnt. Es ist ungewiss, ob er seine Haftstrafe (bis 2023) lebendig übersteht.

Mehr Informationen