Projekte des Börsenvereins und der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins

Eine Übersicht weiterer Projekt-Webseiten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

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Bedrohte Verleger*innen und Buchhändler*innen weltweit

Aktuelle Fälle

Verfolgte Verleger*innen und Buchhändler*innen durch Protest- und Solidaritätsschreiben unterstützen

Bücher verlegen und verkaufen ist vielerorts gefährlich. In zahlreichen Ländern der Welt werden Verleger und Buchhändler verfolgt – weil sie ihrer Arbeit nachgehen und von ihrem Recht auf Meinungs- und Publikationsfreiheit Gebrauch machen. Wählen Sie eine Region aus, informieren Sie sich und werden Sie aktiv, indem Sie Solidaritäts- oder Protestschreiben verfassen. Setzen Sie sich für diese Menschen ein und zeigen Sie ihnen, dass sie nicht alleine stehen in ihrem Einsatz für das Wort und die Freiheit.

Gemeinsam mit Partnern setzen wir uns auch für verfolgte Autor*innen und Journalist*innen ein:

PEN
Reporter ohne Grenzen

Für folgende Länder sind uns Fälle bekannt
Ägypten, Bangladesh, China, Indien, Iran, Malaysia, Myanmar, Pakistan, Türkei, Vietnam, Weissrussland


Türkei

Avesta Yayinlari

Opfer staatlicher Willkür

Avesta Yayinlari gilt als einer der bedeutendsten kurdischsprachigen Verlage in der Türkei. Der Verlag wurde 1995 gegründet und hat seitdem über 700 Bücher publiziert. Der Verlag musste sich immer wieder gegenüber Gerichtsverfahren behaupten und wurde 1999 Opfer eines Brandanschlags, bei dem 3000 Bücher zerstört worden sein sollen. 2018 wurden 18 Bücher des Verlags verboten und 2019 begann ein Verfahren gegen den Verleger Abdullah Keskin, weil er in den Sozialen Medien „terroristische Propaganda“ verbreitet haben soll. Der Verlag stand 2020 auf der Shortlist für den Prix Voltaire der IPA.

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Belge Verlag / Ragıp Zarakolu

Belge Verlag / Ragıp Zarakolu

Opfer staatlicher Willkür / Im Exil

Der Istanbuler Belge Verlag hat seit seiner Gründung durch die Eheleute Ragıp und Ayşe Nur Zarakolu im Jahr 1977 immer wieder die Tabus der türkischen Geschichte und Gesellschaft zum Thema gemacht. Als Resultat wurde der Verlag mehrmals Opfer von Razzien, Konfiszierungen und Anschlägen. So kam es 1995 zu einem terroristischen Brandanschlag, der offenkundig rechtsradikal motiviert war. Daraufhin wurden die Räumlichkeiten des Verlagshauses aus Sicherheitsgründen in einen Keller verlegt. In der Nacht vom 7. Mai 2017 wurde dieser Keller in der Istanbuler Altstadt von türkischen Sicherheitskräften gestürmt, unter dem Vorwand, zwei Titeln fehle eine offizielle Banderole. Schlussendlich wurden über 2.100 Bücher konfisziert, überwiegend Exemplare anderer Titel. Zuvor wurde schon Ragıp Zarakolus Privathaus im November 2016 im Zusammenhang mit seiner Unterstützung der kurdischen Zeitung Özgür Gündem gestürmt. Er selbst befand sich zu der Zeit in Schweden, wo er jetzt im Exil lebt. Zarakolu wurde in Abwesenheit angeklagt – die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft. Zarakolu saß schon viermal in der Türkei im Gefängnis. Während er sich im Exil aufhält, leitet sein Sohn Sinan die Geschicke des Verlags. In den Jahren 2017 und 2018 kam Zarakolu auf die Frankfurter Buchmesse, wo er eine Ausstellung zur Geschichte der Zensur gezeigt hat. 2019 trat er die Reise nicht an, aus Angst wegen eines internationalen Haftbefehls an der deutschen Grenze festgenommen werden zu können. Daraufhin veröffentlichte die IG Meinungsfreiheit im Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine öffentliche Solidaritätserklärung.

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Evrensel

Evrensel

Opfer staatlicher Willkür

Dem türkischen Verlag, der im Jahr 1988 gegründet wurde und zu dem auch ein Magazin und eine Zeitung gehören, wurden 2016 im Zuge des Putschversuchs in der Türkei alle Konten gesperrt. Seitdem versucht der Verlag auf der Basis privater Spenden weiterzuarbeiten. Evrensel wurde 2017 gemeinsam mit Turhan Günay durch den Prix Voltaire der International Publishers Association ausgezeichnet.

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Turhan Günay

Turhan Günay

Opfer staatlicher Willkür

Turhan Günay arbeitet seit über 30 Jahren für die türkische Tageszeitung Cumhuriyet. Dort entwickelte er die Literaturbeilage, die er seit 1990 wöchentlich herausgab. In dieser Funktion hat er immer wieder Zeichen für Meinungs- und Publikationsfreiheit gesetzt. Im November 2016 wurde er verhaftet. In der Haft legte er gemeinsam mit anderen inhaftierten Journalisten eine Beschwerde beim türkischen Verfassungsgericht ein, in der sie der türkischen Staatsgewalt ungerechtfertigten Freiheitsentzug, mangelnde Unabhängigkeit von Richtern und die Verletzung der Pressefreiheit zur Last legten. Nachdem er 2017 vorläufig wieder freigelassen wurde, gab das türkische Verfassungsgericht am 11. Januar 2018 Günay und den weiteren Beschwerdeführern Recht. Turhan Günay wurde im Jahr 2017 gemeinsam mit dem Evrensel Verlag der Prix Voltaire der International Publishers Association verliehen.

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Osman Kavala

Osman Kavala

Inhaftiert

Osman Kavala gilt als einer der bedeutendsten türkischen Menschenrechtsaktivisten und Kulturmäzenen. Er ist Gründer und Vorsitzender von Anadolu Kültür, einem gemeinnützigen Verein, der Kulturzentren in vernachlässigten Regionen der Türkei betreibt und den Austausch zwischen der Türkei und Europa sowie die Versöhnung zwischen Türken und Armeniern fördert. Kavala ist einer der Gründer des İletişim Yayınları Verlags, der Literatur und Sachbücher veröffentlicht, die sich häufig mit den Tabuthemen der türkischen Gesellschaft auseinandersetzen. Darüber hinaus ist er ein Partner und Vorstandsmitglied des Aras Verlags, der sich auf armenische Literatur spezialisiert hat. Osman Kavala wurde am 18. Oktober 2017 ohne Nennung von Gründen am Flughafen in Istanbul festgenommen. Nach über einem Jahr ohne Anklageschrift wurde ihm schließlich vorgeworfen, 2013 die Proteste im Istanbuler Gezi-Park organisiert zu haben. Am 24. August 2019 begann der Prozess gegen ihn und 15 weitere Angeklagte, darunter der mittlerweile im Exil lebende Publizist Can Dündar. Im Dezember 2019 forderte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Türkei dazu auf, Kavala freizulassen. Daraufhin wurde Osman Kavala am 18. Februar 2020 wegen mangelnder Beweise überraschend freigesprochen. Aber noch bevor er das Gefängnis verlassen konnte, wurde ein weiterer Strafbefehl gegen ihn erlassen. Dieses Mal wird ihm vorgeworfen, am Putschversuch von 2016 beteiligt gewesen zu sein. Gegen die Richter, die Kavalas Freispruch erlassen haben, wird inzwischen in der Türkei ermittelt.

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