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Der Buchmarkt in der Pandemie: Starke Nachfrage, schwierige Situation für den Handel, Konzepte für lebendige Innenstädte gefragt

Menschen lesen in der Pandemie mehr / Buchmarkt 2020 stabil / Online-Shops der Buchhandlungen mit starken Zuwächsen / Höhere Aufwände und großer Rückstand nach erstem Halbjahr 2021
Erstellt am 08.07.2021


Zwischenbilanz des Buchmarkts in der Corona-Pandemie: Das Bedürfnis nach Büchern ist gerade in herausfordernden Zeiten besonders groß. Buchhandlungen und Verlage konnten Menschen trotz monatelang geschlossener Läden für das Lesen begeistern und über kreative und digitale Wege mit Büchern versorgen. Gerade der Buchhandel vor Ort hat seine Online-Umsätze deutlich gesteigert, ist unterm Strich aber aufgrund höherer Prozesskosten sowie deutlicher Einbußen im stationären Geschäft wirtschaftlich stark belastet. Der Gesamtumsatz der Branche bleibt 2020 mit +0,1 Prozent stabil. Das Online-Geschäft wächst um 20,9 Prozent und macht im Corona-Jahr 2020 rund ein Viertel des Gesamtumsatzes aus. Das Geschäft in der Buchhandlung vor Ort bleibt stärkster Absatzweg, verzeichnet aber Einbußen von 9,0 Prozent. Unsicher ist auch die Perspektive für 2021: Nach dem ersten Halbjahr beläuft sich der Umsatzrückstand im Buchhandel vor Ort auf 22,9 Prozent gegenüber 2019, einem normalen Jahr vor Corona. Diese und weitere Wirtschaftszahlen stellte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels heute vor.

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins:
„Das Interesse der Menschen an Büchern ist ungebrochen. Gerade in Zeiten der Krise suchen Menschen Inspiration, fundierte und gesicherte Informationen sowie kreativen Zeitvertreib im Buch. Buchhandlungen und Verlage haben in den vergangenen sechzehn Monaten mit großem Engagement und viel Kreativität dafür gesorgt, dass Menschen weiterhin Zugang zu Büchern, zu professioneller Beratung und lebendiger Literaturvermittlung hatten. Der Buchhandel hat seine digitalen Angebote erweitert und konnte so seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber großen Online-Konzernen steigern. Viele Händler*innen haben die Bindung zu ihren Kund*innen intensiviert und gehen nun tatkräftig an die Aufholjagd, um die Umsatzlücke aus dem diesjährigen Shutdown zu verringern. Verlage stimmt es optimistisch, dass mit den jetzt wieder möglichen Präsenzveranstaltungen wie der Frankfurter Buchmesse wichtige Bühnen für neue Bücher wiederkehren und das öffentliche Gespräch über Literatur lauter wird.“

Belebung der Innenstädte jetzt von zentraler Bedeutung

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins:
„Das Geschäft mit Büchern lief trotz großer Hürden in der Pandemie vergleichsweise gut. Viele Buchhandlungen konnten ihre Online-Umsätze deutlich steigern, allerdings sind diese durch hohe Prozesskosten teuer erkauft. Unterm Strich bleibt bei vielen ein negatives Betriebsergebnis, und das bei grundsätzlich niedrigen Margen in der Branche. Wir sind daher der Politik, insbesondere Kulturstaatsministerin Monika Grütters, dankbar, dass sie die Branche bislang stark unterstützt hat und gerade dem Buchhandel ganz konkret weiter helfen wird.“

Es bleiben aber weitere Herausforderungen. Die Innenstädte, die schon vor der Pandemie immer stärker verödet sind, und auch Orte im ländlichen Raum hätten in der Krise bedrohlich an Lebendigkeit und Vielfalt verloren, so Skipis. „Für den Neustart nach der Pandemie ist eine gemeinsame Kraftanstrengung mit der Politik gefragt: Wir brauchen tragfähige Konzepte, um die Innenstädte wieder zu beleben. Der Buchhandel mit seiner einzigartigen Verbindung von Einzelhandel und Kulturinstitution, und mit seinem filigranen Netz von über 5.000 Buchhandlungen vor Ort kann hier eine wichtige Rolle übernehmen. Buchhandlungen sind Dritte Orte par excellence – Räume des gesellschaftlichen Austauschs, des Miteinanders und des öffentlichen Diskurses. Hier finden Besucher*innen Inspiration, Entschleunigung und ein angenehmes Umfeld der Offenheit. Gemeinsam können wir diese Räume noch weiter ausbauen zu kulturellen Ereignisorten, die weitere Anziehungskraft entfalten und Menschen motivieren können, wieder in die Innenstädte zu kommen.

Auch für Verlage ist es essenziell, dass die Politik ihre Rahmenbedingungen stärkt: In den vergangenen Jahren mussten sie mit ansehen, wie ihre Rechte immer mehr eingeschränkt wurden. Gerade im Hinblick auf die Bundestagswahl in drei Monaten fordern wir daher von der Politik, den Wert des geistigen Eigentums und die Arbeit von Verlagen stärker anzuerkennen und ihren Beitrag für Vielfalt und Demokratie zu fördern.“

Die Zahlen im Überblick: Buchnutzung, Käufer*innen, Umsätze

Lesen hat im Corona-Jahr 2020 einen Aufschwung erlebt: 25 Prozent der Leser*innen greifen häufiger zum Buch als vor der Pandemie – das ergab eine Befragung der GfK im Januar 2021. Besonders groß sind die Zuwächse bei den jungen Altersgruppen: Unter den 10- bis 19-Jährigen lesen 34 Prozent häufiger, bei den 20- bis 29-Jährigen 32 Prozent.

Auch der Anteil der Buchkäufer*innen an der Bevölkerung ist trotz Pandemie stabil geblieben: Er lag am Publikumsbuchmarkt 2020 wie schon 2019 bei 43 Prozent. 400.000 Käufer*innen sind im vergangenen Jahr dem Buchmarkt verloren gegangen. Das ist der geringste Rückgang der letzten zehn Jahre, mit Ausnahme von 2018, als es sogar leichte Zuwächse gab.

In der Umsatzbilanz der Buchbranche führte die große Nachfrage nach Büchern so trotz wochenlanger Ladenschließungen 2020 zu einem stabilen Ergebnis von 9,30 Milliarden Euro (2019: 9,29 Milliarden Euro). Der stationäre Buchhandel blieb mit 3,90 Milliarden Euro und einem Anteil von 42,0 Prozent der größte Vertriebsweg für Bücher. Allerdings lag das Geschäft vor Ort um 9,0 Prozent hinter dem Vorjahr zurück. Starke Zuwächse verzeichnete hingegen der Umsatz des Internet-Buchhandels, von dem etwa die Hälfte auf die Online-Shops der stationären Händler*innen entfällt: Die Umsätze stiegen um 20,9 Prozent von 1,86 auf 2,24 Mrd. Euro. Der Umsatzanteil des Internetbuchhandels am Gesamtmarkt lag damit 2020 bei 24,1 Prozent (2019: 20,0 Prozent). Ein Blick auf den Publikumsbuchmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) zeigt: Der Buchhandel vor Ort hat beim Online-Geschäft am deutlichsten zugelegt. Mit 27,2 Prozent lag die Zuwachsrate bei den buchhändlerischen Webshops fast viermal so hoch wie bei Amazon mit 7,2 Prozent.

Digitale Buchformate waren angesichts der Ladenschließungen und weiterer Einschränkungen im öffentlichen Leben 2020 im Aufwind. Der Umsatz der E-Book-Downloads am Publikumsmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) stieg um 16,2 Prozent, ihr Umsatzanteil am Publikumsmarkt von 5,0 auf 5,9 Prozent. Auch der Markt der Hörbuch-Downloads wuchs mit einem Plus von 24,5 Prozent deutlich. Die Zahl der Abonnements, also Flatrate-Angebote für E-Books und Hörbücher, verzeichnete mit 28,4 Prozent ebenfalls einen deutlichen Zuwachs.

Halbjahresbilanz 2021

Nachdem die Buchhandlungen 2020 in den meisten Bundesländern je nach Region rund vier Wochen im Frühjahr sowie zwei Wochen im Dezember geschlossen hatten, dauerte der Shutdown im Frühjahr 2021 fast doppelt so lange. Lediglich in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt waren die Buchhandlungen in dieser Zeit geöffnet, zudem war je nach Region nicht durchgehend Click & Collect erlaubt. Daher ist nach dem ersten Halbjahr 2021 der Rückstand vor allem im Sortimentsbuchhandel groß: Das Geschäft vor Ort liegt um 22,9 Prozent unter dem Umsatz der ersten sechs Monate des Vor-Corona-Jahres 2019. Über alle Absatzwege (u.a. inkl. Online-Geschäft), sieht die Halbjahresbilanz besser aus: Gegenüber dem Zeitraum Januar bis Juni 2019 liegt der Umsatz hier um 3,7 Prozent im Rückstand.

Verlage: Warengruppen, Titelproduktion, Übersetzungen, Lizenzen

Dank der guten Buchumsätze auf dem Gesamtmarkt blieb das Geschäft 2020 über alle Verlage hinweg stabil. Zwischen den Buchgenres gab es jedoch große Unterschiede: Während Kinder- und Jugendbücher mit +4,7 Prozent neben „Naturwissenschaften, Medizin, Informatik, Technik“ als einzige Warengruppe im Plus lagen, brach der Umsatz mit Reisebüchern um 26,1 Prozent ein. Der Umsatz mit Belletristik (-1,6 Prozent) und Sachbüchern (-1,3 Prozent) lag etwas unter Vorjahr.

Die Zahl der Erstauflagen der Verlage ging von 70.395 (2019) auf 69.180 (2020) zurück; das entspricht einem Minus von 1,7 Prozent, etwas höher als in den Vorjahren. In der Belletristik – mit einem Anteil von 20,1 Prozent an allen Neuerscheinungen die wichtigste Kategorie – war der Rückgang mit 4,0 Prozent etwas deutlicher. Der Anteil der Übersetzungen an den Erstauflagen ging von 13,9 auf 13,2 Prozent zurück. Insgesamt erschienen im Jahr 2020 9.164 Titel aus anderen Sprachen (2019: 9.802) neu auf dem deutschen Buchmarkt. Der Lizenzverkauf ins Ausland ging mit 7.595 Titeln und einem Minus von 1,9 Prozent ebenfalls etwas stärker zurück als in den Vorjahren (2019: -1,2 Prozent, 2018: -0,2 Prozent). Die beiden wichtigsten Warengruppen im deutschen Lizenzgeschäft, die Kinder- und Jugendbücher (-5,6 Prozent) und die Belletristik (-5,1 Prozent), lagen noch etwas weiter hinter den Vorjahresverkäufen zurück.

Quellen und weitere Informationen

Die Zahlen zu den Anteilen und Umsatzveränderungen der Warengruppen sowie zur Umsatzentwicklung 2020 stammen aus dem Handelspanel von Media Control. Die Käufer*innenzahlen, die Zahlen zur Mediennutzungen sowie zum E-Book und Hörbuch aus dem GfK Consumer Panel Media*Scope Buch.

Zahlen und Daten des Buchmarkts 2020 werden zusammengefasst in der Publikation „Buch und Buchhandel in Zahlen 2021“, die vom Börsenverein herausgegeben und im August veröffentlicht wird.

Service

Alle aktuellen Zahlen zum deutschen Buchmarkt sind unter www.boersenverein.de/buchmarkt abrufbar.

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