Der Verleger Eduard Brockhaus (1829–1914) initiierte 1876 in Leipzig die Historische Kommission des Börsenvereins. Der Börsenverein beauftragte die Kommission mit der Erarbeitung einer Geschichte des Deutschen Buchhandels seit der Erfindung des Buchdrucks. Dazu wurde Friedrich Kapp (1824–1884), Teilnehmer der Revolution von 1848 und Remigrant, berufen, der den ersten Band betreute. Johann Goldfriedrich (1870–1945), Schüler des Leipziger Historikers Karl Lamprecht, schloss von 1908 bis 1913 mit drei umfangreichen Bänden das Werk ab. Damit lag eine Buchhandelsgeschichte vom 15. bis zum 19. Jahrhundert vor, die bei den europäischen Nachbarn lange keine Entsprechung fand.
Durch den wirtschaftlichen Niedergang nach dem Ersten Weltkrieg und die Nazidiktatur kam die Arbeit der Kommission fast zum Erliegen. 1953 wurde sie in Frankfurt am Main, dem neuen Sitz des Börsenvereins, auf Betreiben von Horst Kliemann (1896–1965), Geschäftsführer des Oldenbourg Verlags in München, wieder ins Leben gerufen. Als Fernziel zeichnete sich schon damals die Fortsetzung der Buchhandelsgeschichte von Kapp und Goldfriedrich ab. Dazu musste zunächst geeignetes Material gesammelt werden, da buchhandelsgeschichtliche Themen weit außerhalb des Kanons der Historiker oder der Literaturwissenschaftler lagen. Als Publikationsorgan für entsprechende Arbeiten erscheint seit 1956 das "Archiv für Geschichte des Buchwesens" (AGB), von dem inzwischen der 66. Band vorliegt.
Etwa zeitgleich thematisierte auch der Leipziger Börsenverein ab 1952 die eigene Geschichte und startete die Reihe "Beiträge zur Geschichte des Buchwesens". Auch hier war das Ziel, den "Kapp-Goldfriedrich" neu zu bearbeiten. Bis 1986 erschienen neun Bände der Reihe. Nach der Wende wurden die beiden Historischen Kommissionen vereinigt.
Der Weg zur neuen Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert war lang. Es ist vor allem dem Bemühen des Münchner Verlagslektors und Buchwissenschaftlers Herbert G. Göpfert (1907–2007) zu verdanken, dass sich der Plan dieses Vorhabens seit 1983 allmählich konkretisierte. Die Einteilung der Bände folgt den politischen Epochen. Bd. 1: Kaiserreich (1871–1918), Bd. 2: Weimarer Republik (1918–1933), Bd. 3: 1933–1945, Bd. 4: DDR, Bd. 5: Bundesrepublik, beide bis 1989. Inzwischen ist der erste Band mit drei Teilbänden (erschienen 2001–2010) abgeschlossen. Vom zweiten Band liegt der erste Teil vor (erschienen 2007), der zweite folgt 2012. Der dritte Band wird ebenfalls ab 2012 erscheinen.
Die Historische Kommission verwaltet die Horst Kliemann Stiftung für Geschichte des Buchwesens. Sie hat das Ziel, junge Wissenschaftler bei der Beschaffung von Materialien, der Quellenrecherche oder Archivaufenthalten finanziell zu unterstützen.
Historische Kommission des Börsenvereins
Die Historische Kommission ist ein Arbeitsausschuss des Börsenvereins, sie beschäftigt sich mit der Geschichte des Buchwesens und des Verbands. Ihr gehören unter anderem Buchhändler, Verleger, Buchwissenschaftler und Bibliothekare an.
Sie bietet eine Plattform für fachlichen Austausch und Kommunikation über Projekte der Mitglieder. Die Historische Kommission gibt zudem im Verlag de Gruyter (Berlin) das "Archiv für Geschichte des Buchwesens" sowie die "Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert" heraus.
Geschichte
Mitglieder
Ordentliche Mitglieder:
- Prof. Dr. Klaus G. Saur, München (Vorsitzender)
- Prof. Dr. Reinhard Wittmann, Fischbachau (Stellvertretender Vorsitzender)
- Prof. Dr. Ernst Fischer (Mainz)
- Prof. Dr. Stephan Füssel (Mainz)
- Dr. Roland Jaeger (Hamburg)
- Prof. Dr. Siegfried Lokatis (Leipzig)
- Prof. Dr. Wulf D. v. Lucius (Stuttgart)
- Prof. Dr. Ursula Rautenberg (Erlangen)
- Thedel v. Wallmoden (Göttingen)
Korrespondierende Mitglieder:
- Prof. Dr. Hans Altenhein (Bickenbach)
- Dr. Werner Arnold (Wolfenbüttel)
- Dr. Jan-Pieter Barbian (Duisburg)
- Prof. Dr. Frédéric Barbier (Paris)
- Thomas Bez (Bietigheim-Bissingen)
- Dr. Hans-Erich Bödeker (Göttingen)
- Dr. Monika Estermann (Berlin)
- Prof. Dr. Bernhard Fabian (Münster)
- Dr. Bernhard Fischer (Weimar)
- Prof. Dr. John L. Flood (Amersham)
- Prof. Dr. Christine Haug (München)
- Dr. Stephanie Jacobs (Leipzig)
- Prof. Dr. Georg Jäger (München)
- Graham Jefcoate (Nimwegen)
- PD Dr. Thomas Keiderling (Leipzig)
- Dr. Michael Knoche (Weimar)
- Prof. Dr. Hans-Joachim Koppitz (Mainz)
- Dr. Mark Lehmstedt (Leipzig)
- Dr. Christoph Links (Berlin)
- Prof. Dr. Alberto Martino (Wien)
- Dr. Helen Müller (Gütersloh)
- Prof. Dr. Ulrich Ott (Öhningen)
- Prof. Dr. Paul Raabe (Wolfenbüttel)
- Bernd Rolle (Jena)
- Prof. Dr. Patrick Rössler (Erfurt)
- Prof. Dr. Helmut Rötzsch (Leipzig)
- Prof. Dr. Walter Rüegg (Villette/Lauvaux)
- Prof. Dr. Wolfgang Schmitz (Köln)
- Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider (Leipzig)
- Prof. Dr. Ute Schneider (Mainz)
- Dr. Volker Titel (Erlangen)
- Prof. Dr. Peter Vodosek (Stuttgart)
- Clara Waldrich (München)
Literatur
Hermann Staub: Historische Forschung, Historische Kommission. In: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels 1825–2000. Ein geschichtlicher Aufriß. Hrsg. im Auftrage der Historischen Kommission von Stephan Füssel, Georg Jäger und Hermann Staub in Verbindung mit Monika Estermann. Frankfurt: Buchhändler-Vereinigung 2000, S. 336–345.
Monika Estermann: Buchhandelsgeschichte in kulturhistorischer Absicht: Johann Goldfriedrich und Karl Lamprecht. In: Buchkulturen. Beiträge zur Geschichte der Literaturvermittlung. Festschrift für Reinhard Wittmann. Hrsg. von Monika Estermann, Ernst Fischer und Ute Schneider. Wiesbaden: Harrassowitz 2005, S. 1–36.
Monika Estermann: Buchhandelsgeschichte in kulturhistorischer Absicht: Johann Goldfriedrich und Karl Lamprecht. In: Buchkulturen. Beiträge zur Geschichte der Literaturvermittlung. Festschrift für Reinhard Wittmann. Hrsg. von Monika Estermann, Ernst Fischer und Ute Schneider. Wiesbaden: Harrassowitz 2005, S. 1–36.
Jobbörse
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