Leseförderung jetzt: PISA-Ergebnisse zeigen dringenden Handlungsbedarf
Lesekompetenz 15-Jähriger verschlechtert sich weiter / Sebastian Guggolz: "Jetzt ist der Zeitpunkt zu handeln!" / Erweiterung des Projekts 'Lesetüte'
Erstellt am 08.09.2026
Die Lesekompetenz von 15-Jährigen in Deutschland hat sich im Vergleich zu 2022 dramatisch verschlechtert. Das zeigen die PISA-Erhebungen aus dem Frühjahr 2025, deren Ergebnisse heute in Berlin vorgestellt wurden. Die Zahl der Jugendlichen, die beim Lesen keine ausreichenden Basiskompetenzen erreichen, stieg innerhalb von nur drei Jahren von einem Viertel (25%) auf rund ein Drittel (32%).
Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: „Was wir derzeit im Buchmarkt beobachten, spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Kompetenzmessung wider. Rückläufige Buchkäufe unter Jugendlichen und die schwachen PISA-Ergebnisse zur Lesekompetenz sind parallele Entwicklungen, die auf ein gemeinsames zugrundeliegendes Problem aufmerksam machen: Viele junge Menschen in Deutschland erreichen beim Lesen nicht das Kompetenzniveau, das sie für eine selbstbestimmte Teilhabe an Bildung und Gesellschaft benötigen.
Die Ursachen dafür sind vielfältig. Digitale, visuelle Medien, eine Flut an Streaming-Angeboten und der rapide zunehmende Einsatz von generativer KI verändern die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen und wirken mit fehlender früher Leseförderung verheerend zusammen. Klar ist aber auch: Lesekompetenz ist in Deutschland nicht nur eine Frage der Vorlieben oder Begabung Einzelner, sondern sie schwächelt strukturell und ist nach wie vor auch ganz eklatant mit sozialer Herkunft verbunden.“
Die Krise treffe daher nicht alle gleichermaßen. Wiederkehrend seien es Kinder aus sozial schwächeren Familien, die bei PISA deutlich schlechter abschnitten, so Guggolz weiter: "Wer früh den Anschluss verliert, gewinnt ihn auch auf Dauer nicht, mit Folgen für Ausbildungsfähigkeit, Arbeitsmarktchancen sowie gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe. Die Branche engagiert sich seit Jahrzehnten unermüdlich in der Leseförderung, doch zivilgesellschaftliches Engagement kann politisches Handeln nicht ersetzen. Wir haben keine Zeit mehr für weitere Bestandsaufnahmen, jetzt ist der Zeitpunkt zu handeln.“
Projekt Lesetüte: Neuer Fokus auf Chancengerechtigkeit
Um Kinder aus bildungsfernen Haushalten besonders in ihrer Lesefähigkeit zu stärken und der wachsenden Bildungsungerechtigkeit gezielt entgegenzuwirken, baut die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins mit Unterstützung der Auridis Stiftung das Leseförderungsprojekt „Lesetüte" aus. Seit 2011 erhalten Erstklässler*innen zur Einschulung eine von älteren Schulkindern bemalte Tüte mit einem Erstlesebuch und Materialien für die Eltern. Im Fokus des Projektausbaus stehen Schulen in sozial schwieriger Lage, die von der Aktion bislang kaum erreicht wurden. Geplant ist eine engere Verzahnung mit dem „Leseband", einem seit 2015 in vielen Bundesländern eingeführten Konzept, das täglich 20 Minuten zusätzliche Lesezeit im Unterricht vorsieht: Weil Leseband-Schulen einen erhöhten Bedarf an geeigneter Lektüre haben, sollen Lesetüten künftig gezielt an diesen Schulen verteilt werden.
Mehr zur Lesetüte unter https://www.boersenverein.de/kultur-und-lesen/lesefoerderung/lesetuete/.
Darüber hinaus setzt sich der Börsenverein über die Stiftung Buchkultur und Leseförderung und zusammen mit seinen Mitgliedern in verschiedenen Initiativen und Projekten für die Verbesserung der Lesekompetenz ein, etwa mit dem Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels oder dem Welttag des Buches: https://www.boersenverein.de/kultur-und-lesen/lesefoerderung/.