Berichte und Erfahrungen

Da hatte ich wirklich das Gefühl, dass sich alles wie von selbst fügte

Anfang 2026 übernahm Dr. Morgan Boharski die Buchhandlung Seitenweise in Hamburg Hamm. Die Buchhandlung Seitenweise existiert seit über 25 Jahren und ist in Hamburg-Hamm eine Institution. Hamburg Hamm ist ein Stadtteil im Hamburger Osten mit rund 38.000 Einwohnern.

Frau Boharski warum haben Sie die Buchhandlung Seitenweise übernommen?

Seit Jahren arbeite ich an der Idee, eine Kinderbuchhandlung zu eröffnen, die sich auf internationale und vielfältige Literatur spezialisiert, doch etwas ganz von Grund auf aufzubauen, erwies sich als sehr schwierig. Als ich erfuhr, dass Frau Alexandra Kröger jemanden suchte, der Seitenweise übernehmen könnte, hatte ich wirklich das Gefühl, dass sich alles wie von selbst fügte. Da ich Quereinsteigerin bin, haben sowohl die Größe der Buchhandlung (mit sehr kleinen 35 Quadratmetern!) als auch die Unterstützung durch meine Vorgängerinnen und die Mitarbeiter:innen bei Libri und dem Börsenverein mir den Einstieg sehr erleichtert.


Haben Sie an dem Sortiment der Buchhandlung und an deren Auftritt etwas verändert?

Ich habe definitiv mehr internationale Literatur ins Sortiment aufgenommen, darunter ein ganzes Bücherregal voller englischer Literatur. Außerdem habe ich eine Abteilung für Graphic Novels und Comics eingerichtet, und am meisten freut mich die Entwicklung in der Kinderabteilung. Dort gibt es nun auch eine eigene Ecke für fremdsprachige und zweisprachige Bücher – und es kommen noch mehr hinzu! Es hat mir großen Spaß gemacht, die Regale mit neuen und vielfältigeren Kinderbüchern zu füllen, und ich freue mich sehr darüber, wie sehr die Kinder die neue Gestaltung genießen – zu der auch eine kleine Kuschelecke mit einigen gebrauchten Büchern zum Durchblättern gehört.

Welche Pläne haben Sie im kommenden Jahr?

Mir wird langsam klar, dass dieses erste Jahr dazu dienen wird, meine Kundschaft kennenzulernen und erst einmal Fuß zu fassen, aber ich freue mich schon darauf, mehr Programme auf die Beine zu stellen – vor allem für Kinder – und wieder mehr Veranstaltungen in die Buchhandlung zu holen, von Lesungen über Read-Ins bis hin zu Buchclubs und allem, was dazwischen liegt. Ich versuche, mir zunächst etwas Zeit zu geben, um mich einzugewöhnen, aber der community Aspekt der Buchhandlung liegt mir besonders am Herzen, und ich freue mich sehr darauf, mehr Kapazitäten zu haben, um das in Angriff zu nehmen.


Was waren die größten Herausforderungen der Übernahme?

Überraschenderweise waren die größten Herausforderungen nicht die, die ich erwartet hatte, sondern vielmehr die Dinge, von denen ich angenommen hatte, dass sie einfach funktionieren würden, nämlich die Technik. Am Anfang – und glücklicherweise noch bevor ich den Laden nach zwei Wochen Renovierung offiziell wiedereröffnet habe – gab es jeden Tag das eine oder andere Gerät, das nicht funktionierte. Und natürlich gab es – und gibt es immer noch – Schwierigkeiten bei der Nutzung neuer Systeme, die meine Vorgängerinnen nicht verwendet haben, aber langsam hat sich die Lage in dieser Hinsicht verbessert. Ich glaube, die größte Überraschung war, wie viel es noch zu lernen gibt, und obwohl das sehr viel Spaß macht und spannend ist, kann es auch sehr anstrengend sein. Daher war es definitiv ein Lernprozess, Pausen einzuplanen und meine Energie zu schonen.


Was hat Ihnen bei der Gründung am meisten geholfen?

Meine Community, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Buchhandelswelt. Ich habe Familie und Freund:innen, denen ich wohl nie genug für die körperliche und emotionale Arbeit danken kann, die sie in den Laden gesteckt haben. Auch das Team vom Libri-Kundenservice und der Börsenverein haben mich sehr unterstützt. Ich glaube, wenn es eine Sache gibt, die ich jedem raten würde, der entweder eine bestehende Buchhandlung übernimmt oder eine neue eröffnet, dann ist es diese: Bittet um Hilfe und nehmt sie an. Das fiel mir nicht leicht, aber alleine hätte ich das nicht geschafft.