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„Deutschlands Schönstes Regionalbuch 2026“: Das sind die Gewinner*innen

Börsenverein und Stiftung Buchkunst zeichnen regionale Literatur aus / 15 Titel in drei Kategorien nominiert / Kooperation mit Stiftung Buchkunst
Erstellt am 08.10.2026


Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse haben der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Stiftung Buchkunst heute die Gewinner*innen des Preises „Deutschlands Schönstes Regionalbuch 2026“ bekanntgegeben. Das Ergebnis wurde in einer Live-Jurysitzung auf der Frankfurter Buchmesse ermittelt. Ausgezeichnet wurden drei Titel in drei Kategorien, die sich gegen vier weitere nominierte Bücher pro Kategorie durchsetzten.

Kategorie Sachbuch/Ratgeber: „unvereint/vereint“ von Sven Bergelt, Juliane Jaschnow und Dieter Daniels (Herausgeber*innen), erschienen bei Verlag Marian Arnd.

Begründung des Jurymitglieds Anne Kretschmar:
„‚unvereint/vereint‘ verweist bereits in der Umschlaggestaltung mit seinem Rot-Schwarz-Kontrast auf das Spannungsfeld, in dem sich das Buch bewegt: zwischen Trennung und Zusammengehörigkeit, zwischen unterschiedlichen Positionen und dem Versuch, diese in Beziehung zueinander zu setzen. Die Farbe Rot findet sich in der Fadenheftung des offenen Rückens wieder und macht die Bindung selbst zum Teil der Gestaltung. Auch der Wechsel zwischen Siebdruck auf der Broschur und Offsetdruck im Innenteil macht die unterschiedlichen Ebenen materiell erfahrbar. Diese Vielstimmigkeit setzt sich in der Gestaltung des Innenteils fort. Die einzelnen künstlerischen Projekte treten durch verkürzte Seiten aus dem Buchkörper hervor und erhalten dadurch einen eigenen, beinahe abgeschlossenen Raum. So werden sie auch physisch als eigenständige Positionen erfahrbar – gleichzeitig bleiben sie über die gemeinsame Bindung und den sie umgebenden Buchkörper miteinander verbunden. Verschiedenes wird dabei zusammengebracht, ohne vereinheitlicht zu werden. Gerade darin liegt die gestalterische und inhaltliche Stärke der Publikation.“

Kategorie Touristische Entdeckung: „SEUMES WEG. Fotografien und Texte“ von Eric Pawlitzky, erschienen bei Lunik Berlin Verlag. 

Begründung des Jurymitglieds Anne Kretschmar: 
„Inspiriert von Johann Gottfried Seumes Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802 rekonstruiert Eric Pawlitzky in ‚Seumes Weg‘ dessen Wanderung von Grimma nach Syrakus. Entstanden ist da-bei kein klassischer Bildband, sondern ein Buch, das selbst den Charakter eines Reisetagebuches annimmt. Bereits das ungewöhnliche Querformat verleiht dem Buch eine eigenständige Erscheinung. Der Leineneinband im Schuber und die hochwertige Fadenheftung stehen im spannenden Kontrast zur bewusst unperfekten Gestaltung des Innenteils, welcher an einen Arbeitsdummy erinnert. Zu jeder der 95 Tagesetappen stehen sich eine Fotografie und ein lyrischer Text gegenüber. Statt Seitenzahlen geben Kilometerangaben und Orte Orientierung. Ungestrichenes Papier, sichtbare Spuren des Arbeitsprozesses und die Anmutung eingeklebter Fotografien und Notizen lassen das Buch wie ein persönliches Arbeitsbuch erscheinen. Man möchte beinahe selbst über die vermeintlich eingeklebten Bilder und Texte streichen und eigene Gedanken hinzufügen. Am Ende führt ein QR-Code schließlich aus dem Buch hinaus auf den Weg – zum Nachwandern der rekonstruierten Route.

Kategorie Literatur/Belletristik: „In bevorzugter Lage. Die Waldhaus-Villenkolonie Frankenforst bei Köln“ von Rosine De Dijn, erschienen bei J.P. Bachem Verlag. 

Begründung des Jurymitglieds Björn Lauer:
„Auf den ersten Blick wirkt dieses Buch unspektakulär – doch je länger man es in der Hand hält, desto intensiver entfaltet es seine sinnliche Präsenz. Das offene Papier des Schutzumschlags, das grobe Leinen, das liebevoll bedruckte Vorsatzpapier: Hier zeigt sich bereits die durchdachte Farbdramaturgie, in der ein kluges Grün zum leitmotivischen Element des gesamten Buches wird. Diese Entscheidung setzt sich konsequent fort in den in diesem klaren Grün gehaltenen Aufmacherseiten. Doch auch darüber hinaus überzeugt die Gestaltung: der sorgfältig gewählte, zugleich unaufgeregte Satzspiegel, die ruhige Typografie, die eingefügten Bilder und Faksimiles. Überall begegnet eine dezente, gleichwohl klar erkennbare Eleganz. Die dem Buch am Ende beigelegten Architektenpläne wirken vor diesem Hintergrund weniger als notwendiger Bestandteil sondern fast schon wie luxuriöses Beiwerk.

Mit dem Preis „Deutschlands Schönstes Regionalbuch“ zeichnen der Börsenverein und die Stiftung Buchkunst Bücher aus, die einen regionalen Bezug haben und durch ihre Gestaltung, Bindung, Typographie und Gesamtkonzeption besonders hervorstechen und Verkäuflichkeit im Buchhandel vor Ort versprechen.

Die Jury

Die Jury für die Auszeichnung „Deutschlands Schönstes Regionalbuch“ setzt sich zusammen aus regionalen Branchenexpert*innen aus Handel, Verlagen, Herstellung, Gestaltung und Journalist*innen. Der Jury gehörten in diesem Jahr an: Anja Kronier (Buch 78), Anne Kretschmar (Sandstein Kultur), Anselm Schwindack (Verlag The Quedlinburger), Tobias Kämmerer (Hessischer Rundfunk) und Björn Lauer (S. Fischer Verlage).

Weitere Informationen unter www.boersenverein.de/deutschlands-schoenstes-regionalbuch.
 

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