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Blogbeitrag Nachwuchsblog

"Die Buchbranche im Jahr 2030: Hybride Hochsaison" - Ein Essay von Marie-Theres Stickel.

Das Literatur-(Er)Leben in hervorragend durchdachten hybriden Lese- und Buchwelten als Schlüsselstrategie der Buchbranche im Jahr 2030. In ihrem Essay für das NWP 2021 nimmt Marie-Theres Stickel das einzigartige hybride Potenzial der Branche in den Blick.
Erstellt am 09.08.2021


Wir befinden uns im Jahr 2030. Ganze Branchen sind zu nahezu 100% von digitalen Prozessen besetzt… Schuhe und Klamotten? Shoppen wir seit 20 Jahren online. Musik? Streamen wir seit 15 Jahren aus der Online-Musikbibliothek, Serien sowieso. Der nachhaltige Solargrill für den Balkon? Letzte Woche online bestellt, sollte morgen angeliefert werden. Das Veggie-Grillgut? Gerade im SuperStore online ausgesucht, kommt mit der Weekly-Biobox am nächsten Montag. Getränke werden dann einfach spontan in der App ausgesucht, der nette Bote von Bottle-Post liefert ja innerhalb von 20 Minuten …

Es fehlt nicht viel – und unser Alltagsleben findet praktisch vollständig in solch digitalisierten Abläufen statt?

Nein! Eine von unbeugsamen Büchermenschen bevölkerte Sparte – das Literatur-(Er)Leben – hört nicht auf, den nahezu ausschließlich digitalen Lebensrealitäten der Menschen hervorragend durchdachte hybride Lese- und Buchwelten entgegenzustellen. Und das Leben ist nicht leicht für die ganzen Jeffs, die im digitalen Amazonas fischen und ihn beherrschen…

Als man vor 10 Jahren musste (#pandemie) wurde es erkannt: Das Lesen als Grundfeste der persönlichen Identitätsbildung, der Freizeitgestaltung, des Wissenserwerbs funktioniert hervorragend hybrid. Nicht ausschließlich digital, nicht ausschließlich analog – hybrid.

Das Buch ist ein goldenes Gut für hybride Branchenstrukturen: Printbücher, E-Books, Hörbücher – kein anderes Produkt ist so wandelbar, so wunderbar anpassbar für die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse der Lesenden. Und die Wege des Produkts zu seinen Kund:innen eignen sich perfekt für die Ausgestaltung lokaler hybrider Möglichkeiten des Literatur-(Er)Lebens. Die Kieze in den Städten und die Dorfgemeinschaften im ländlichen Raum, alle schätzen sie die unabhängige Buchhandlung um die Ecke als kulturelles Zentrum ihres Alltagslebens. Wie Ihre Hausärztin, kümmert sich der Buchhändler Ihres Vertrauens um Ihre tägliche Versorgung mit (Lese-)Stoff. Wie macht er oder sie das? Im persönlichen Gespräch, vor Ort im Laden oder auf den einschlägigen Kommunikationskanälen. Bei Lesungen, bei Events. Und Online: mit maßgeschneiderten E-Commerce-Lösungen, mit lokaler Auslieferung, mit inspirierenden Social-Media-Präsenzen. Zusammen ergeben sie ein hybrides Spektakel – Bücher und Autor:innen werden gemeinsam von Büchermenschen entdeckt, gehen viral. Internationale Autor:innen werden bei Veranstaltungen in den Buchhandlungen vor Ort digital zugeschaltet, erweitern Horizonte.

Und die Verlage? Sie befeuern den leidenschaftlichen Austausch der Buchmenschen und eröffnen neue Kommunikationsräume mit Veranstaltungen, kooperieren mit dem Buchhandel vor Ort, suchen den direkten Kontakt zu Buchlesenden, sind mehr Buchgemeinschaften als Verlage.

Die Buchbranche hat es geschafft: Anstatt ihre Ware in sterilen, meist global funktionierenden Onlineshops anzubieten, kuratiert der Buchhandel sein Angebot den lokalen Wünschen entsprechend. Mithilfe der literarischen und vertrieblichen Expertise der Verlage betreuen sie ihre analoge Ladenfläche und ihr virtuelles Shop-Schaufenster gleichermaßen kompetent und gründlich. Anstatt zu reinen Buchlieferdiensten zu werden, hat die deutsche Buchbranche das hybride Vakuum erkannt und optimiert: Das einzigartige Kulturgut Buch kann als Ware nicht in allein digitalen oder analogen Prozessen zu den Lesenden kommen. Und so schufen die Büchermenschen lebendige hybride Begegnungs- und Kommunikationsräume. Perfekt abgestimmt, nah an den Lesenden, nah an den brennenden Fragen der Gesellschaft, am Puls der Zeit – die Buchbranche im Jahr 2030 befindet sich in ihrer hybriden Hochsaison!


16.09.2021

Unser Buch des Monats September: Moritz Rinke »Der längste Tag im Leben des Pedro Fernández García«

Voll lit – wir küren unser Buch des Monats September! Ein Postbote auf der Insel Lanzarote im Kampf um seinen Sohn: Moritz Rinke hat mit »Der längste Tag im Leben des Pedro Fernández García« einen großartigen Roman geschrieben. Skurril und herzzerreißend.

14.09.2021

Medienlese(n): Gustave Flaubert »Bibliomanie«

Über die mysteriöse Krankheit der Bibliomanie und warum schenken gesünder zu sein scheint, als zu sammeln – Felix Meurer rezensiert für Euch das Büchlein »Bibliomanie« von Gustave Flaubert, in der schmucken, illustrierten Ausgabe der Insel-Bibliothek.

13.08.2021

Unser Buch des Monats August: Stefan Hornbach »Den Hund überleben«

Voll lit – wir küren unser erstes Buch des Monats!
Für den August stellen wir Euch eine besonders lesenswerte Neuerscheinung vor: Stefan Hornbachs Debütroman »Den Hund überleben« – Über einen Schicksalsschlag. Und die Rückkehr ins Leben.