KI-Updates: So bleiben Branchenexpert*innen informiert
Die KI-Entwicklung ist rasend schnell und selbst Expert*innen können nicht überall mithalten. In dem Artikel erzählen sieben Branchenexpert*innen, wie sie den Überblick behalten. | Ein Beitrag des Börsenvereins
Erstellt am 21.05.2026
Neue KI-Tools, neue Plattformen, neue Debatten: die Geschwindigkeit der Entwicklung macht es selbst für Interessierte schwer, den Überblick zu behalten. Wie Fachleute damit umgehen und welche Informationsstrategien sich für sie bewährt haben, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Sven Nieder (Kraterleuchten GmbH): Kuratieren statt überfluten
Um bei dem Thema KI auf dem neusten Stand zu bleiben, nutze ich gerne Podcasts. Bspsw. So:
- AI First
- Tech KI & Schmetterlinge
- KI Update (Heise).
Beim Sport laufen bei mir einer davon. Meine Favoriten:
- KI Verstehen (DLF)
- Der KI Podcast (ARD)
- Disrupt (Handelsblatt)
- F.A:Z KI(bei relevanten Themen)
Ergänzt werden die Podcasts durch Newsletter, wie aibreakfast.beehiiv.com und ai-first.ai. Was ich lese oder höre, entscheide ich zu 80% nach Bauchgefühl. Den Rest filtert meine Bubble: Wir teilen Relevantes, ohne uns gegenseitig zu überfluten.
Was gegen Überforderung hilft? Ehrlich gesagt: vermutlich gerade nichts. Wir sind in einer Phase, in der temporäre Überforderung immer dazugehört. Aber: ich dokumentiere Erkenntnisse in Obsidian und speise sie als Wissensbasis in die KI zurück. Raus aus dem Kopf, rein in die KI, damit wieder Platz für Kreatives ist.
Der Branche empfehle ich: Ausprobieren, scheitern, nochmal ausprobieren, nochmal scheitern. Und dann filtern und automatisieren, was funktioniert.
Hermann Eckel (pagina GmbH): Strategie statt Einzellösungen
Zum Thema KI halte mich vor allem über Podcasts, Newsletter und Social-Media-Beiträge auf dem Laufenden. Empfehlen kann ich u.a.
- Podcasts: den „AI First“-Podcast, „KI-Update“ von heise online und „KI-Podcast“ der ARD
- Newsletter und Social Media: AInauten, AI First, digital publishing report
Einführungen zur KI in Buchform gibt es ohne Ende, da muss man einfach schauen, was gerade aktuell erschienen ist. Sehr lesenswert ist auf jeden Fall das philosophisch fundierte Buch „Künstliche Intelligenz und echte Leben“ von Christian Uhle. Seine Kernthese lautet: Die Nutzung digitaler Technologien wie KI ist dann positiv, wenn sie unser analoges Leben und unsere Beziehungen mit anderen Menschen stärkt und bereichert. Allzu oft ist leider das Gegenteil der Fall, aber es liegt eben bei jeder und jedem Einzelnen …
Mein Rat für Unternehmen: Ohne KI-Strategie wird es künftig schwierig. Es reicht nicht mehr, dass auf individueller Ebene einige im Unternehmen ChatGPT o.ä. Chatbots nutzen, denn andere sind schon viel weiter. KI-Tools müssen direkt in bestehende Systeme und Prozesse integriert werden. Dazu braucht es mindestens eine Person in der Organisation (bei großen Unternehmen entsprechend mehr), die auf der Höhe der Zeit und in der Lage ist, KI-Agenten aufzubauen und zu orchestrieren – natürlich unter Berücksichtigung der üblichen Gesichtspunkte wie Compliance, Datenschutz, IT-Sicherheit usw. Diese Punkte sollten aber nicht als Vorwand genutzt werden, sich NICHT mit KI auseinanderzusetzen.
Laura Engel (Dussmann das KulturKaufhaus GmbH): KI als fester Teil des Arbeitsalltags
Im KI‑Kosmos auf dem Laufenden zu bleiben, ist eine echte Herausforderung. Als Geschäftsleitung eCommerce liegt mein Fokus auf UX, GEO, Produktdaten und Performance Marketing – gleichzeitig fasziniert mich besonders KI‑gestützte Prozessoptimierung.
Ich folge ausgewählten Expert*innen wie Neil Patel der aus dem SEO‑ und Growth‑Hacking‑Umfeld kommt, Pepe Layer mit seiner Plattform CXL sowie FutureTools von Matt Wolfe. Sie dienen nicht nur beim Wissensaufbau, sondern wirken auch als Filter in der KI-Reizüberflutung. Oft sind ihre Podcasts oder Tool‑Empfehlungen Startpunkt, um neue Ansätze direkt zu testen oder ihren Gesprächspartnern ebenfalls zu folgen.
Für mich funktioniert KI am besten, wenn sie Teil des Alltags wird. Ich prüfe bei jedem To‑do, wo KI unterstützen kann, und blocke bewusst Zeit, um neue Features auszuprobieren.
Jana Ganguly (Kosmos): Neugier statt Vollständigkeit
Ich mag den KI-Newsletter vom Handelsblatt – aber ehrlich gesagt wird derzeit so viel über KI kommuniziert, da ist auch viel heiße Luft dabei. Daher ist für mich der beste Weg um informiert zu bleiben: Selbst aktiv werden und ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren.
Ich akzeptiere dabei, dass die Entwicklung gerade so rasend schnell ist, dass es gar nicht möglich ist, in allem up-to-date zu sein und zu bleiben. Und das ist auch okay. Aus „Atomic Habits“ von James Clear habe ich mitgenommen, dass über die Zeit hinweg kleine Veränderungen großes bewirken können. Daher versuche ich einfach nach Feierabend im kleinen Rahmen meiner natürlichen Neugier zu fröhnen und zu schauen, wohin sie mich treibt. Ein Kollege hat letztens zu mir gesagt: „Wer allein loszieht und Aufgaben soweit umsetzt, wie es klappt und nur dann die KI miteinbezieht, wenn er oder sie nicht mehr weiter weiß, sattelt das Pferd eigentlich schon von hinten auf. Sinnvoller ist es, erstmal die KI die eigenen Aufgaben erledigen zu lassen und erst wenn die KI nicht mehr weiter weiß, selbst zu übernehmen.“ Da ist viel Wahres dran und daher nehme ich mir das beruflich wie privat so auch vor.
Jacqueline Hoffmann (MedienNetzwerk Bayern): Austausch statt Informationsflut
Beim Thema KI setze ich auf den direkten Austausch in meinem Netzwerk und auf Events. Besonders wertvoll sind für mich Stimmen, die Tech-Trends bereits früher differenziert eingeordnet haben, ohne die Medienpraxis zu ignorieren. Dieser persönliche Abgleich dient mir als primärer Filter für Relevanz und Seriosität. Ganz automatisch entwickle ich dabei ein Gefühl dafür, welche Tools für mich wirklich relevant sein könnten und welche Newsletter oder Fach-Communities einen Blick wert sind.
Dieser konstante Dialog schützt automatisch vor Überforderung und Verzettelung. Denn am Ende wird dabei klar: Wir sitzen alle im selben Boot, können Dinge auch mal gemeinsam anpacken und sehr viel voneinander lernen. Das hilft dranzubleiben, ohne den Fokus zu verlieren.
Carolien Mbaya (Carlsen): Themen aufteilen, Wissen teilen
Ich nutze insbesondere Newsletter, um mir einen ersten Überblick zu verschaffen. Wenn dasselbe Thema Newsletter-übergreifend aufgegriffen wird, kann dies ja schon ein Indiz für die Relevanz sein. Anschließend kann man sich dann tiefergehend über weitere Artikel oder Podcasts informieren. Bei uns spielt aber auch der Austausch innerhalb der Abteilung bzw. des Unternehmens eine große Rolle. Hierbei hilft es, sich gewisse Fokusthemen rauszusuchen. Wenn ich beispielsweise die generative Bildgenerierung im Blick behalte und meine Kollegin die neusten Sprachmodelle zur Textgenerierung, hat man nicht so schnell das Gefühl von allen Entwicklungen „überladen“ zu sein. Branchenrelevante Entwicklungen bereiten wir für Kolleg*innen dann nochmal kompakt auf, damit diese ebenfalls up-to-date sind, ohne selbst zu viel Zeit investieren zu müssen.
Unsere Partner bieten Dienstleistungen und Beratung zu diesem Thema an:
Das könnte Sie auch interessieren:
