Projekte des Börsenvereins und der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins

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Jahrestagung 2022: Digitale Transformation

Prof. Dr. Thomas Stäcker: Cui bono? - Wissenschaftliche Publikationen im digitalen Zeitalter

In der Wissenschaft ist die digitale Publikation im Open Access mittlerweile als Publikationsform der Zukunft zumindest im Zeitschriftenbereich weitgehend etabliert. Die Vorteile von Open Access sind für die Forschung, die unmittelbar mit der Publikation von Beiträgen keine Gewinnerzielungsabsicht verbindet, unbestritten. Reichweite und Wahrnehmung werden erhöht, die Geschwindigkeit, mit der Publikationen bekannt gemacht werden können, ist enorm gestiegen.  Ob und wie auch wissenschaftliche Monographien künftig als eBooks im Open Access publiziert werden, scheint derzeit noch unklar. Die Frage verläuft aber weniger an der Demarkationslinie von "Open Access versus lizensiert" als der von "gedruckt versus digital".  Open Access scheint auf dem Siegeszug. Doch zeigen sich mittlerweile auch Schattenseiten. Die Hoffnung, dass Open Access die horrenden und sachlich kaum begründbaren Kosten für bekannte Journals aus Großverlagen senken würde (Zeitschriftenkrise), haben sich zerschlagen. Geschäftsmodelle, die mit Article Processing Charges arbeiten, führen in vielen Bereichen sogar zu Kostensteigerungen. So sind APCs von10.000 Euro und mehr für einen Artikel in einschlägigen High Impact Journals nicht ungewöhnlich. Mittel, die früher an eine größere Zahl von Verlagen geflossen sind, konzentrieren sich zunehmend auf einige wenige Player und verschärfen dort bestehende Monopol- oder Oligopolstrukturen des internationalen wissenschaftlichen Buchmarktes. Die Open Access Bewegung hat darauf reagiert und fordert in einschlägigen Erklärungen die Diversität des Buchmarktes sicherzustellen. Der Beitrag will mit Blick auf diese Entwicklungen Wege skizzieren, um den ursprünglichen Ideen von Open Access wieder Geltung zu verschaffen. Dabei kann dem Konzept des Diamond Open Access und der Idee einer intensiveren Zusammenarbeit und Verzahnung von Bibliotheks- und Verlagsdienstleistungen eine Schlüsselrolle zukommen.