Projekte des Börsenvereins und der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins

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Durch eine Schnapsidee zur eigenen Buchhandlung gekommen

Die Buchhandlung Langenkamp wurde 1894 gegründet und hat in Lübeck unter anderem die Familie Mann erlebt. Lübeck ist mit seinen 200.000 Einwohnern eine Großstadt im östlichen Teil Schleswig-Holsteins. Als „die“ Hansestadt ist sie international bekannt. Das literarische Erbe wird durch Verlage und viele Buchhandlungen fortgeführt.

© Buchhandlung Langenkamp

Herr Piroli, Sie haben die Buchhandlung Langenkamp übernommen. Was hat Sie bewogen diesen Schritt zu gehen?

Wie Vieles im Leben war es zunächst der Zufall. Ich hatte im Schaufenster gesehen, dass ein Nachfolger für die Buchhandlung gesucht wurde. Ich war mit meiner Familie erst kurz davor nach Lübeck gezogen und in gewisser Weise offen für etwas Neues. Die Übernahme war eine Schnapsidee, die in den folgenden Wochen nachgährte. Am Ende spürte ich einfach, dass ich das machen muss – auch weil ich mit meiner Frau, der Illustratorin Merle Schewe, jemanden mit einer großartigen visuellen Intelligenz an meiner Seite habe. Mit ihr zusammen konnte die Umgestaltung des Ladens nur gut werden.

Sie haben ein bewegtes berufliches Leben gehabt, warum sind Sie jetzt sesshaft geworden?

Nun ja, man ist nicht mehr der Jüngste … Aber Spaß beiseite: Davon abgesehen, dass man mir diese Frage wohl erst in 10 Jahren stellen sollte, habe ich das Gefühl, meine Bestimmung gefunden zu haben. Die Arbeit als Buchhändler macht mir unglaublich viel Spaß, ich freue mich jeden Tag aufs Neue, in den Laden zu kommen. Ich habe nach meinem Studium eine Zeitlang im Verlagswesen gearbeitet, sodass sich in gewisser Weise ein Kreis geschlossen hat.

Welche Änderungen am Geschäft und Sortiment haben Sie vorgenommen, und was sind die Ergebnisse dieser Veränderungen?

Abgesehen von den schönen alten Regalen an den Wänden, haben wir vom Fußboden bis zum Licht alles neu gemacht. Die Einrichtung war etwas in die Jahre gekommen und ich wollte dem Laden meinen Stempel aufdrücken und ihn zeitgemäßer gestalten. Drehregale für Taschenbücher wurden entfernt und dafür ein Kassenbereich installiert. Im großen hinteren Bürobereich haben wir eine Wand hochziehen lassen, um einen weiteren Raum zu gewinnen – unser Galeriezimmer, in dem wechselnde Ausstellungen geplant sind und Graphic Novels, Bildbände und besondere Bücher angeboten werden. Im Kinder- und Jugenbuchzimmer haben wir mit einem befreundeten Tischler eine Empore mit Lübecker Häuserfront gebaut, auf der sich die Kinder zum Lesen und Spielen zurückziehen können.
Auch das Sortiment haben wir insgesamt etwas „verjüngt“. Es ist weiterhin ein breites literarisches Sortiment, in dem es jedoch immer etwas Besonderes zu entdecken geben soll. Stichwort entdecken: Insgesamt war es mir wichtig, die Kundschaft zum Stöbern zu animieren, um die Verweildauer zu erhöhen. Hierfür habe ich die Bereiche Backlist und Sachbuch in den Regalen ausgebaut.

Die Veränderungen wurden von den Kund:innen durchweg positiv bewertet. Langjährige Stammkund:innen freuen sich, dass der Laden insgesamt heller, freundlicher und geräumiger ist und viele junge Leute kommen ins Geschäft und erzählen, dass sie sich jetzt erst angesprochen gefühlt haben.

Haben Sie in Ihrer Gründungsphase Beratungsangebote oder externe Hilfe in Anspruch genommen?

Ich habe an diversen Kursen teilgenommen, die vom Barsortiment angeboten wurden und den Crashkurs Buchhandel vom Mediacampus absolviert. Obwohl diese Angebote coronabedingt nur online stattfinden konnten, habe ich eine Menge an Input bekommen und viele Menschen kennengelernt, mit denen ich mich austauschen konnte.

Haben Sie einen Rat an gründungs- oder übernahmewillige Kolleg*innen?  

Da kommen mir zwei Sachen in den Sinn: Nutzen Sie die zahlreichen Angebote vom Börsenverein, den Barsortimenten, dem Mediacampus etc., denn man lernt hierbei nicht nur viel, sondern kann sich darüber hinaus vernetzen. Außerdem würde ich versuchen, dem gegründeten oder übernommenen Laden so gut es geht einen persönlichen Stempel aufzudrücken. So fühlen Sie sich in Ihrem Laden wohl und die Kund:innen wissen es zu schätzen, wenn der Laden die Persönlichkeit der Inhaberin bzw. des Inhabers ausdrückt. 

Und zu guter Letzt: Just do it, denn es ist einer der schönsten Berufe, die ich mir vorstellen kann. Und ist es nicht besser, Dinge zu bereuen, die man getan hat, als solche, die man nicht getan hat?