Projekte des Börsenvereins und der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins

Eine Übersicht weiterer Projekt-Webseiten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Alle Projekte

Blogbeitrag Nachwuchsblog

Im Gespräch mit: Anna Taube

Svenja Schaller hat für unseren [ˈnaːxvuːks]blog ein tolles Interview mit der Kinderbuchautorin und -übersetzerin Anna Taube geführt! Hier kann man einiges über diese spannenden Bereiche der Buchbranche erfahren.
Erstellt am 26.02.2022


Das Interview führte Svenja Schaller.

Hallo Anna

Hallo Svenja

Erzähl doch erstmal wer Du bist und was Du arbeitest

Mein Name ist Anna Madouche, ich publiziere unter dem Namen Anna Taube, der inzwischen mein nom de plum (Anm.: Pseudonym) ist, aber tatsächlich mein Mädchenname war. Ich schreibe, lektoriere und übersetze Kinder- und manchmal auch Jugendbücher.

Ganz schön viel zu tun also. Dann lass uns mal über Deinen Werdegang sprechen. Du hast angefangen in Mainz zu studieren, und zwar…?

In Mainz habe ich Germanistik, Buchwissenschaften und Kunstgeschichte studiert. Oder angefangen zu studieren.

Du bist also aus Mainz weggegangen und hast woanders fertig studiert?

Ich bin dann nach Hildesheim gegangen, dort gibt es eine ganz kleine Universität und den Studiengang Kulturwissenschaften, mit 50% Praxisanteil, der hat zum Beispiel ein Seminar zu Kreativem Schreiben beinhaltet, was mir total entgegen kam.
In der Praxis an literarische Formen herangeführt zu werden mit ersten Fingerübungen, wo man sich gut ausprobieren konnte… Das war eine Chance sich dem Ganzen anzunähern, denn Schreiben ist Handwerk. Es ist nicht „Ich wurde von der Muse geküsst“ – es schadet nicht von der Muse geküsst zu sein, aber es ist eben auch ganz viel Handwerk, das darf man nicht vergessen.
Und ein wichtiger Teil war auch, dass man Praktika machen musste. Mindestens drei Stück mit Praktikumsbericht im Laufe des ganzen Studiums und das war natürlich super, um in Berührung zu kommen mit echten Menschen der Branche und auch schon erste Kontakte zu knüpfen. Ich habe bereits im Praktikum angefangen mein Netzwerk zu knüpfen und ich bin überzeugt, dass ich deswegen so smooth in diesen Literaturbereich überhaupt reingerutscht bin.

Und wie ging es dann nach dem Studium für Dich weiter?

Ich bin über ein Praktikum am Literarischen Kolloquium in Berlin bei einem Literaturagenten gelandet, bei dem ich dann gearbeitet habe. Der war gerade dabei, diese Firma zu gründen, und ich durfte sehr selbstständig dort arbeiten. Ich hab das Kinder- und Jugendprogramm betreut, wenn also jemand ein Manuskript geschrieben hatte und das an die Agentur geschickt hat, dann durfte ich das mitbetreuen und auf diese Weise habe ich auch schon viele Leute aus den Kinder- und Jugendbuchlektoraten kennengelernt, ohne jemals tatsächlich in einem Lektorat gewesen zu sein. Auf diese Art und Weise habe ich dann auf der Buchmesse die Lektorin von Bertelsmann kennengelernt, die dann damals für sich abgespeichert hat, dass ich noch im Studium bin und die rief mich irgendwann an, sind Sie fertig mit studieren, möchten Sie unsere Assistentin werden?
Und deswegen war ich nach dem Studium zuerst bei Bertelsmann angestellt für zweieinhalb Jahre. Dann habe ich die Liebe meines Lebens kennen gelernt und habe von Nürnberg aus pendelnd in Bayreuth beim Löweverlag gearbeitet, das auch nochmal so etwa zweieinhalb Jahre bis ich schwanger wurde. Die Stelle ließ sich einfach mit der Familienlogistik nicht vereinbaren und deswegen habe ich mich dann selbstständig gemacht, zum ersten Mal. Hatte danach nochmal ein kurzes Intermezzo mit einer Anstellung, zu dem Zeitpunkt war ich aber bereits versaut für eine Anstellung, weil mir die Selbstständigkeit doch zu viel Spaß gemacht hat.

Ich denke man muss dafür auch geschaffen sein und  ich hatte einfach immer das Glück, dass ich durch meinen Partner abgesichert war. Das macht natürlich auch einen riesen Unterschied, ob Du selbstständig bist und das Familieneinkommen erwirtschaften musst oder ob Du das im Grunde genommen erstmal hobbymäßig machen kannst und es erstmal nicht so wichtig ist, wie viel dabei rumkommt. Jetzt nach 10 Jahren kann ich sagen, ich hab das Einkommen, das ich bräuchte, um eine Familie zu ernähren ohne deswegen große Sprünge machen zu müssen. Aber man muss auch ganz klar sagen, dass nicht die große Kohle zu holen ist, wenn man nicht gerade einen Bestseller schreibt.

Und wie sieht jetzt dein klassischer Arbeitstag aus, sofern Du da einen festen Rhythmus hast?
Oder ist das immer anders?

Mein Tagesablauf ist natürlich dadurch schon strukturiert, dass meine Kinder zur Schule gehen und aus der Schule wieder nach Hause kommen und dass wir eine Familie sind, die zusammen Mittag  und Abend isst und dadurch gibt es einfach Eckpunkte.
Dazwischen hab ich meine Arbeitszeiträume und da ist es projektabhängig, wie ich das angehe.
Ganz oft folge ich auch meiner Gefühligkeit. Es gibt Tage, an denen kann ich mich nicht hinsetzen und die mega Buchidee aufschreiben, weil ich einfach Matsch bin, zu wenig Schlaf, Wetterwechsel oder was weiß ich. An anderen Tagen klopft diese Idee einfach an.
Das ist eben das Phänomen mit diesen Ideen, manchmal kommen sie einfach und dann muss man sie auch schnell aufschreiben oder wenigstens skizzieren. Manchmal halten sie dann auch Ruhe, für mehrere Jahre vielleicht sogar, als Skizze in einer Schublade und manchmal brennen sie und fangen an zu wachsen und dann schreib ich ein Exposé und schicke das meiner Agentin.

Auf der anderen Seite habe ich meine ganz festen Aufträge und die sind zum Glück immer ganz unterschiedlich. Da gibt es die Lektoratsaufträge, da musst Du dich einfach hinsetzen und das durchlektorieren und Dich mit der Autorin in Verbindung setzen und Auseinandersetzen.
Übersetzungen, auch das ist etwas, da kann man gut dran bleiben. Oder ich kann da gut dran bleiben, weil ich sehr ungeduldig bin und das schnell fertig machen möchte.
Und dann gibt es eben diese Aufträge, bei denen ich was schreiben und was konzeptionieren soll, da ist es immer gut das mit Zeit anzugehen und die Ideen im Kopf zu kneten wie einen Brotteig bis sich etwas rauskristallisiert.
Was nicht bedeutet, dass nicht auch Konzepte oder Aufträge da sind, für die man einfach recherchieren muss, da muss ich mich dann hinsetzen und lesen.
Deswegen kann ich nicht sagen, so sieht mein Arbeitsalltag aus, weil jedes Projekt andere Anforderungen mitbringt und das ist wunderschön. Das ist das, was den Job für mich so großartig macht, weil er nie langweilig ist. Man muss jedes Mal neu denken und auch andere Hirnwindungen aktivieren.

Hat sich denn dein Leseverhalten, bzw. vielleicht auch dein Leseverständnis geändert durch deine Arbeit als Lektorin?

Also ganz bestimmt hatte mein Leseverhalten in meiner Kindheit und Jugend Auswirkung auf meine Berufswahl und meine Berufswahl auch nach wie vor Auswirkung auf mein Leseverhalten, definitiv.
Bis heute lese ich am liebsten Kinder- und Jugendbücher und ich hab zum Glück diese wunderbare Begründung, dass ich das aufgrund meines Jobs ja tun muss.

Was ist das tolle an Jugendbüchern?

In Jugendbüchern geht es immer um ein großes  Thema. Meistens geht es sogar um die ganz großen Themen nämlich Liebe, Beziehungen, Zusammensein, Lebensentscheidungen treffen, Tod, Krankheit. Oder das Auseinandersetzen mit den Eltern oder mit einem Problem, das findet man auch.
Natürlich gibt es auch viele Erwachsenenbücher, die das ganz toll und auch sehr differenziert erzählen, aber häufig hab ich das Gefühl, dass sich die Erwachsenenliteratur nicht traut auf den Punkt zu kommen sondern eher um die Probleme herumkreist. Wahrscheinlich ist das der Erkenntnis geschuldet, dass es eben keine einfachen Lösungen mehr gibt, das Kinder- und Jugendbuch darf da natürlich andere Lösungen anbieten.
Vielleicht ist das gerade das Schöne und das Beruhigende daran: Dass Du doch immer diese Zuversicht hegen darfst, es gibt eine Lösung selbst wenn die Situationen aussichtslos scheinen. Ich glaube das ist wohltuend, auch als Erwachsene. Das gibt einem eine gewisse Zuversicht: Wenn man beharrlich ist, dann gibt es eine Lösung, und wenn man kämpft, dann gibt es eine Lösung.
Die Protagonist*innen in unseren Kinderbüchern werden wirklich oft mit schlimmen Herausforderungen konfrontiert und sie schaffen es immer und das ist doch auch etwas, das wir unseren Kindern mitgeben sollten: Dass sie tolle Menschen sind, die das schon schaffen werden.

Gab es denn dann irgendwann Momente, in denen Du dachtest, Du hättest vielleicht doch einen anderen Weg einschlagen sollen?

… Nicht wirklich. Nein, denn das ist ein sehr schöner Beruf, der sehr viel Abwechslung bietet, den ich als sehr privilegiert empfinde, weil er eben so viele Freiheiten und Möglichkeiten und auch Rauszieh-Möglichkeiten bietet – wenn draußen der Wahnsinn wütet, zieh ich mich einfach in meinen Zauberwald zurück.

Das klingt schön. Und gab es einen oder vielleicht auch mehrere Momente, wo Du wusstest „ja, hier in der Buchbranche bin ich genau richtig“?

Ich glaub die gab’s ganz oft, ja. Die Buchbranche und die Kinder- und Jugendbuchbranche im Besonderen, das ist nochmal so ein ganz kleiner Zweig, in dem sich ganz viele Menschen immer wieder begegnen. Auch wenn jemand von einem Verlag irgendwo anders hin wechselt, dann sieht man sich trotzdem noch und man begegnet immer Menschen, denen man schonmal begegnet ist.

Dass ich heute so gut vernetzt bin, hat natürlich auch damit zu tun, dass ich z.B. damals als ich im Löwe-Verlag war, mit Kolleginnen zusammengearbeitet habe, die inzwischen in andere Verlage verstreut sind oder sich selbstständig gemacht haben. Inzwischen ist auch die Letzte, mit der ich in diesem Verlag gearbeitet habe, von dort weggegangen. Was überhaupt nichts mit dem Löwe-Verlag zu tun hat sondern nur damit, dass man im Leben eben auch mal woanders hingeht.
Und so entsteht dann auch ein Netzwerk, plötzlich kennst Du dann jemanden bei Umbreit oder sonstwo. Man hat dann Menschen, die sich an einen erinnern und die mit einem zusammenarbeiten möchten, worüber ich mich immer wieder erneut freue.

Und ein Netzwerk ist so wichtig, so bin ich auch an meine Stelle bei Löwe gekommen, weil eine Freundin und Kollegin wusste, dass ich nach Nürnberg möchte, die hat mich daraufhin empfohlen.
Deswegen lohnt es sich auch so sehr während des Studiums Praktika zu machen. Ich glaube das ist heutzutage auch selbstverständlicher. Und aus meiner Perspektive kann ich nur sagen: Macht. Praktikums. Nutzt jede Chance dazu, es ist keine Zeitverschwendung, das ist Lebenserfahrung.
Ich hab auch nicht nur in der Buchbranche Praktika gemacht, sondern zum Beispiel auch im sozialen Bereich, weil mich das interessiert hat und wusste dann, dass das nicht mein Gebiet ist, in dem ich arbeiten möchte. Also auch Praktika zu machen, um hinterher zu wissen, was man nicht machen möchte, ist ganz ganz wichtig.

Und hier komm ich nämlich wieder auf deine vorherige Frage zurück: Dadurch dass ich ziemlich genau wusste, was ich nicht möchte, hab ich mich ziemlich schnell in der Buchbranche und vor allem im Lektorat angekommen gefühlt, auch in Augenblicken, die vielleicht mal nicht so toll waren. Manchmal kommen Aufträge, die nimmst Du dann auch nur an, weil das Konto nicht fragt, wo das Geld herkommt und in solchen Momenten hilft es dann zu wissen, hier bist Du trotzdem richtig, auch wenn‘s gerade mal keinen Spaß macht.

Du kommst meinen Fragen schon zuvor, als nächstes wollte ich nämlich von Dir wissen, was Du den Nachwuchskräften der Buchbranche als Tipp auf den Weg geben würdest.

Ja also Praktika. *lacht* Aber ganz generell: Bringt ein gewisses Maß an Flexibilität mit.
Als Beispiel: Als mich Bertelsmann anrief, hatte ich gerade das Gefühl so ein bisschen in Berlin angekommen zu sein, was mir gar nicht so leicht gefallen war. Aber dann rief eben München an, da musste ich meine Zelte wieder abbrechen obwohl ich gerade erst angefangen hatte mich wohl zu fühlen. Und in München ging’s mir wieder so, ich hab lange mit dieser Stadt gehadert, aber trotzdem: Macht es. Wenn sich eine Chance bietet und Du das Gefühl hast, es ist richtig und es ist gut, dann macht es. Auch wenn das bedeutet, dass man dann eine Zeit lang z.B. eine Fernbeziehung führen muss, eine Beziehung verkraftet das auch eine ganze Weile. Und wenn die Beziehung das verkraftet, dann verkraftet die auch noch viel mehr.

Und wenn sich eine Chance bietet und man die ergreift, dann war das niemals die letzte Chance. Danach werden sich wieder neue Wege auftun und neue Chancen ergeben. Du lernst dann wieder neue Leute kennen, bist wieder auf Messen unterwegs und lernst neue Menschen kennen, die Dir wieder neue Gelegenheiten aufzeigen.
Die ersten Jahre, das haben unsere Altvorderen schon gesagt und wir wollten es nicht glauben, das sind harte Jahre und das härteste ist festzustellen wenn Du durch eine Tür gehst, bist Du durch die anderen Türen nicht durchgegangen. Und Du musst die Tür auch manchmal hinter dir zuschlagen, aber das bedeutet nicht, dass sich dann nicht ein neuer Gang mit neuen Türen auftut. So wie in anderen Lebensbereichen auch, eine Entscheidung für etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen ganz viele andere Sachen. Solange Du weißt, dass Du dich da aufgehoben fühlst und dass es gut für Dich ist, ist das eigentlich auch ganz gut so.

Für mich z.B. war der Schritt in die Selbstständigkeit ein notwendiger Schritt, weil ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte. Ich war dann zu Hause mit meinem Kind und wusste nicht wirklich, was ich machen sollte. Ich wusste nur, in den Verlag zu gehen, geht jetzt nicht mehr. Und dann hat meine damalige Programmleitung mir die Chance geboten von zu Hause aus Lektorate zu machen – das brauchten sie natürlich auch, weil ich ja erstmal weg war, also war das für uns beide gut.
Und dann bin ich da eben hingegangen und hab gesagt ich hab da ja auch noch so ein Manuskript in der Schublade, und dann durfte ich ihr das zuschicken und sie hat sich das angeguckt und mochte meinen Schreibstil und hat mir dann deswegen ein Projekt angeboten. Ich hatte diesbezüglich auch einfach Glück, Leute getroffen zu haben, die Dinge in mir gesehen haben, die ich vielleicht damals noch gar nicht selbst gesehen habe. Insofern kann man vielleicht auch als Ratschlag mitgeben: Traut diesen Menschen. Wenn die das so sehen, dann stimmt das schon auch. Vertraut diesen Menschen auch und jagt euch nicht selbst ins Boxhorn. Dieser Professor, der damals gesagt hat im Lektorat wartet keiner auf Euch, der hat mich nachhaltig so verunsichert. Eigentlich hätte ich ihm den Mittelfinger zeigen sollen und sagen ich mach’s trotzdem. Andererseits haben mir meine anderen Erfahrungen überhaupt nicht geschadet, aber es war ein Umweg. Andersherum weiß ich von jungen Frauen, die ihr Ziel Lektorat nie aus den Augen gelassen haben, aber dadurch vielleicht Schwierigkeiten haben, weil sie davon nicht abweichen wollen. Aber Hauptsache erstmal Verlag! Schonmal reinschnuppern, dadurch lernst Du die Leute kennen! Und wenn Du erstmal im Verlag bist, dann lernst Du die Lektorinnen kennen und sie dich! Da ergeben sich dann auch Möglichkeiten. Einfach erstmal irgendwo anfangen.

Vielen Dank! Dann kommen wir jetzt noch zu ein paar kürzeren Fragen:
Hast Du ein Lieblingsbuch?

Nein. *lacht*

Das dachte ich mir schon fast. Dann verrat mir doch, was Du aktuell liest oder als letztes gelesen hast

Im Augenblick lese ich ein Buch, das ich so gerne gelesen habe, dass ich es jetzt wieder lese. Das ist von einem französischen Autor, der sehr gute Entwürfe hat wie unsere Zukunft einmal aussehen könnte.

Liest Du auf Französisch? Gibt es das Buch auch auf Deutsch?

Das lese ich auf Französisch genau, und das wurde leider noch nicht ins Deutsche übersetzt.

Dann musst Du das wohl übersetzen!

Es müsste erstmal einen Verlag geben, der das machen möchte. Ich glaube Science Fiction ist in Deutschland gerade nicht so angesagt. Zwei seiner anderen Bücher sind jetzt aber übersetzt worden, so bin ich auch überhaupt erst auf den Autor aufmerksam geworden. Der Verlag hatte mich nämlich um ein Gutachten gebeten und sich dann entschieden das erste und jetzt auch zweite Buch zu übersetzen.
Das erste spielt im Jahr 2075 und 2091 und beschreibt im Grunde genommen wie unsere Welt aussieht, wenn wir den Klimawandel nicht aufhalten. Das Buch heißt Tödliche Freiheit und der Autor David Moitet. Das sind Bücher, die mich wirklich flashen, weil das eine Zukunft ist, die tatsächlich möglich ist. Das zweite Buch spielt dann wirklich in einer noch ferneren Zukunft und die Menschen leben auf anderen Planeten und arbeiten mit anderen Arten zusammen, das ist dann natürlich schon abwegiger, aber Bücher wie dieser erste Teil sind finde ich auch wichtig, weil diese Art der Jugendliteratur auch einen gewissen Aktionismus lostreten kann.

Hattest Du als Kind oder Jugendliche ein Lieblingsbuch/ein*e Lieblingsautor*in/eine Lieblings-Buchreihe?

Als Jugendliche habe ich gerne Klaus Kordon gelesen. Ich mochte gern diesen sozialkritischen Ansatz; er hat durch seine Figuren Missstände aufgezeigt und dadurch denke ich auch auf jeden Fall meinen Gerechtigkeitssinn stark geformt.

Inwiefern haben diese Bücher Deinen Gerechtigkeitssinn geprägt? Oder allgemeiner gefragt: Wie schaffen das Bücher generell?

Also ich sag mal so: Früher oder später müssen unsere Kinder raus in die echte Welt und gucken welche Türen stehen mir offen und welche schlage ich zu, weil ich sie zuschlagen will. Auch so eine Entscheidung wie nehme ich Drogen oder nicht ist eine Entscheidung und ist eine Tür, die man verriegeln und verrammeln sollte, wenn man sich dagegen entscheidet. Aber wie will ich meine Kinder davor schützen, wenn wir darüber nicht reden? Und über Bücher kommt man ins Gespräch darüber. Mein ältester Sohn liest alles, was ihm zwischen die Finger kommt und guckt sich dann auch YouTube Videos dazu an, weil ihn das Thema interessiert und dann krieg ich auf einmal irgendwelche Fragen gestellt, Mama wie funktioniert unser Regierungssystem zum Beispiel. Und das ist gut und wichtig, dass das passiert.

Weil ja auch nichts so ist, wie es ist, einfach nur weil es so ist. Sondern es ist immer entstanden und kommt immer aus einer Historie und deswegen ist es auch nach wie vor wichtig, historische Romane zu lesen. Ich liebe auch Fantasy sehr, keine Frage, aber ich wollte es nicht missen Klaus Kordon gelesen zu haben, mit den Problemen die 1918 und 1945 bestanden. Natürlich ist es auch wichtig zu wissen, wer hat da regiert, aber das zu spüren, was macht das mit den Menschen, das ist auch eine Form der empathischen Schulung. Das eröffnet einen menschlichen Ansatz, den es einfach braucht.

Was war eigentlich dein erstes Buch, das veröffentlicht wurde?

Das war Finn Feuersegel, da ging es um einen Jungen, der eine magische Schatztruhe findet und dann in ein Piratenabenteuer rutscht. Er erlebt als Pirat vier Abenteuer, also es war eine Reihe und aht natürlich auch einen ganz fiesen Antagonisten. Das ist beim Löwe-Verlag erschienen und taucht auch immer mal wieder in diesen Sammelbänden auf, die Löwe immer mal wieder gerne rausbringt. Das heißt da bekomm ich dann auch immer mal wieder Tantiemen (Anm.: Beteiligung am Gewinn, derdurch die Werke von Kunstschaffenden erzeugt wird), das ist das schöne wenn man etwas urheberrechtlich geschaffen hat.

Als letzte Frage, die in dem Sinne gar nichts mit Büchern zu tun hat: Hörst Du beim Arbeiten Musik oder arbeitest Du lieber im Stillen?

Ich höre immer dann Musik, wenn ich störende Außengeräusche habe beim Arbeiten, ansonsten eigentlich nicht. Aber wenn ich Musik höre, dann Hintergrundmusik. Meine Nachbarn mähen zum Beispiel leidenschaftlich ihren Rasen und dann setz ich Kopfhörer auf und höre irgendwas instrumentales ohne Gesang.

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, liebe Anna!

Sehr gerne!


27.04.2022

Unser Buch des Monats April: Fabio Andina »Tage mit Felice«.

Voll lit – wir küren wieder unser Buch des Monats!
»Tage mit Felice« von Fabio Andina: Ein leiser Roman über das Leben eines einfachen Mannes.

21.04.2022

Das Gütesiegel für Ausbildungen

Das Gütesiegel für Ausbildungen unserer Taskforce ist bereit! Nominiert jetzt euren Betrieb. Und so geht´s:

13.04.2022

Das internationale literaturfestival berlin – Anmeldung als Volunteer – noch möglich!

Die Anmeldungen zur Teilnahme als Volunteer am diesjährigen internationalen literaturfestival berlin (ilb) stehen noch offen! Die Plätze sind beschränkt und mitmachen lohnt sich.