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Blogbeitrag Nachwuchsblog

»Zukunft ohne Leipziger Nachwuchs«

Die Buchbranche braucht dringend Nachwuchs, weshalb das baldige Aus der Buchwissenschaften in Leipzig für Unverständnis sorgt. Die Nachwuchssprecher Tobias Groß und Florian Noichl appellieren an die Universität Leipzig, ihre Entscheidung zu überdenken.
Erstellt am 26.08.2022


Aktuell vergeht kein Tag, an welchem in Deutschland nicht der akute Mangel an Nachwuchskräften beklagt wird. Gefühlt scheint fast jede Branche ein akutes Problem damit zu haben, junge Menschen zu begeistern und für sich zu gewinnen. Auch unsere Branche muss diese schmerzvolle Erfahrung machen, fehlt der Nachwuchs doch an allen Ecken und Ende. So finden viele Buchhandlungen keine Azubis mehr und damit niemanden, der diese in Zukunft führen wird. Verlage suchen händeringend nach Mitarbeiter:innen in allen Bereichen, Volontariate werden aufgrund mangelnder Nachfrage nicht mehr vergeben, immer weniger Medienkaufleute werden ausgebildet. Die Buchbranche steuert einer ungewissen Zukunft entgegen, in der vieles was für uns heute normal ist, bald nicht mehr möglich sein könnte.

Als wäre dieser Umstand nicht schon schwierig genug, erreichte die Studierenden der Universität Leipzig und die gesamte Buchbranche Ende Juli eine Hiobsbotschaft. Wie das Börsenblatt (Ausgabe 30/2022) sehr ausführlich berichtete, droht der Professur für Buchwissenschaft das baldige Aus. Nach 28 Jahren wird diese neu besetzt, eine Berufungskommission entscheidet über den:die Nachfolger:in des amtierenden Lehrstuhlinhabers Prof. Dr. Siegfried Lokatis. Ein scheinbar ganz normaler Vorgang. Scheinbar.

Wäre da nicht die Tatsache, dass der an Nummer eins gesetzte Kandidat Sven Stollfuß zwar ein absoluter Experte in den Gebieten Social Media und Neue Medien ist, die Buchwissenschaften jedoch nicht zu seinem Forschungsfeld gehören. Der im Berufungsverfahren Zweitplatzierte Axel Kuhn dagegen, ist habilitierter Buchwissenschaftler und hat zurzeit die Lehrstuhlvertretung in Erlangen inne. Dieser entspricht ganz dem ausgeschriebenen Anforderungsprofil und hat das Fach modernisierend in Richtung der weiteren Medienwissenschaften geöffnet. Die Universität Leipzig und das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft könnten von dessen Expertise nur profitieren, seine Berufung wäre eine echte Chance zur Modernisierung der Leipziger Buchwissenschaften. Warum ein so geeigneter Kandidat nur an zweiter Stelle steht und somit nicht berufen wird, ist ein Rätsel. Stattdessen sollen die Buchwissenschaften zur „Professur für Medienwandel mit Schwerpunkt Buchkultur und digitale Publikationen“ umgestaltet werden.

Nicht nur für die Bedeutung Leipzigs als Buchstadt wären die aktuell favorisierte Neubesetzung der Buchwissenschaften und die damit einhergehende Transformation ein herber Schlag. Die Berufungskommission der Universität entscheidet über die Köpfe der Studierenden hinweg, haben sich jene doch bewusst für diesen Wahlpflichtbereich im Studiengang Kommunikations- und Medienwissenschaften entschieden. Sie wollen hier ihren Abschluss machen und Leipzig nicht in Richtung Mainz, Erlangen, Münster oder München verlassen. Durch eine passende Neubesetzung des Lehrstuhls bestünde die Chance, die Professur für die Zukunft fit und attraktiv für kommende Studierendgenerationen zu machen. Studierende, die das Kulturgut Buch lieben, deren berufliche Perspektive in unserer Branche liegt und diese in den kommenden Jahrzehnten gestalten und führen werden. Genau diese Perspektiven eröffnet ein Studium der Buchwissenschaften.

Doch wie sollen junge Menschen dafür begeistert werden, das Kulturgut Buch akademisch zu erleben, wenn dessen Studium in der Gründungsstadt des Börsenvereins und des deutschen Verlagswesens nicht mehr möglich ist? Die Signalwirkung welche von dieser Entscheidung ausgeht wäre verheerend und definitiv ein Schritt in die falsche Richtung. Wer garantiert uns, dass den anderen buchwissenschaftlichen Fakultäten nicht das gleiche Schicksal droht und das Leipziger Vorgehen Schule macht? Irgendwann könnte ein derartiges Studium in Deutschland gar nicht mehr möglich sein – obwohl weiterhin eine große Nachfrage existiert. Wir allen wissen, dass das Buch nicht untergehen wird und weiterhin eine immense Strahlkraft besitzt. Es darf nur gegenüber den digitalen Medien nicht noch weiter an Boden verlieren und somit perspektivisch auch an Bedeutung.

Der Nachwuchs der Buchbranche und auch wir fänden es sehr bedauerlich, wenn der großartigen Stadt Leipzig ein weiteres buchbezogenes Aushängeschild genommen werden und die Feierlichkeiten zum 200-jährigen Jubiläum des Börsenvereins im Jahr 2025 in einer Stadt ohne Buchwissenschaften stattfinden würden. Zwar werden die buchbezogenen Studiengänge an der HTWK gerne als weiteres Argument für die faktische Abschaffung des aktuellen Wahlpflichtbereichs genannt, diese sind jedoch kein adäquater Ersatz für die bisherige Forschungs- und Lehrtätigkeit an der Universität.

Diese besorgniserregende Entwicklung und die damit einhergehende düstere Zukunftsaussicht, lassen uns auch persönlich nicht kalt, schließlich verbindet uns sehr viel mit dieser Stadt. Wir haben beide in Leipzig studiert, dort gelebt und gearbeitet. Wir haben den Charakter als alte Buchstadt immer als etwas ganz Besonderes empfunden. Doch dieser droht nach der dreifachen Absage der Buchmesse, der europaweiten Ausschreibung der Belieferung der Leipziger Bibliotheken und der daraus resultierenden Aussperrung des städtischen Buchhandels, nun endgültig verloren zu gehen.

Liebe Alma Mater Lipsiensis, du vergibst eine große Chance. Nimm deine Ausschreibungskriterien ernst, lass dich nicht blenden vom Glanz der digitalen Welt und sorge dafür, dass Leipzig nicht nur zu Messezeiten eine Buchstadt ist. Bitte überdenke deine Entscheidung noch einmal. Lass die Studierenden der Buchwissenschaften nicht im Regen stehen. Fördere mit einer richtigen Entscheidung den aktuellen Nachwuchs und lege ihm keine Steine in den Weg. Schließlich ist er die Zukunft.

Tobias Groß & Florian Noichl, Nachwuchssprecher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels


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